Hellmuth Frey

Hellmuth Frey (* 20. Dezember 1901 in Tori, Estland; † 27. Dezember 1982 in Bielefeld) war ein deutsch-baltischer evangelisch-lutherischer Theologe, Krankenseelsorger, Alttestamentler und Mitbegründer der Bekenntnisbewegung Kein anderes Evangelium. Er war ein Kritiker der historisch-kritischen Bibelauslegung und vertrat eine pneumatische Exegese.

Leben und Wirken

Frey studierte an der Universität Tartu zunächst Rechtswissenschaften, wandte sich aber dann der evangelischen Theologie zu, nachdem ihm während einer schweren Sinnkrise in einem Gottesdienst der Inneren Mission die Wirklichkeit Gottes bewusst geworden war. Nach dem Studium wurde er zuerst Pfarrer in der St. Johannisgemeinde in Dorpat, dann in der Kreuzkirchengemeinde in Lissa im Wartheland, wohin die Baltendeutschen umgesiedelt wurden.

Im Kirchenkampf ab 1933 stand Frey aktiv auf der Seite der Bekennenden Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Krankenseelsorger in Bethel sowie als Dozent für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Bethel.

Frey war ein Vertreter eines auf persönliche Gottesgemeinschaft gegründeten Christentums pietistischer und evangelikaler Ausprägung. Als solcher sah er die Gefahr einer sich weltanschaulich neutral gebenden historisch-kritischen Exegese, die die Bibel aber nur im Rahmen des von der Aufklärung vorgegebenen Wirklichkeitsverständnisses wahrnimmt. In seinem 1952 erschienenen Buch Das Wort ward Fleisch nannte er dies eine bis an die Wurzeln greifende Krise über Kirche, Theologie und Glaubensleben des Abendlandes. Zwar lehnte Frey historische Kritik nicht ganz ab und war durchaus bereit, zwischen verschiedenen Vertretern der historisch-kritischen Methode und ihren Ansätzen zu differenzieren; aber der Ansatz theologischer Exegese musste seiner Ansicht nach in einem reformatorisch bestimmten Inspirationsverständnis der Heiligen Schrift liegen und vom Heiligen Geist bestimmt werden. Denn der Bibelausleger brauche nicht eine bestimmte Methode, sondern ein geheiligtes Leben, damit der Heilige Geist durch den Prediger zu den Menschen sprechen könne. Die theologische Bedeutung Freys liegt vor allem in seinen Anregungen hinsichtlich dieses theologischen Ansatzes und weniger in exegetischen Einzelerkenntnissen. Auch anders arbeitende Theologen wie Rolf Rendtorff attestierten ihm einen ganzheitlichen Ansatz und weitsichtige Betrachtungsweise.

In den 1960er Jahren gehörte Frey mit Walter Künneth und Peter Beyerhaus zu den Mitbegründern der Bekenntnisbewegung Kein anderes Evangelium, die sich vor allem gegen den Einfluss der von Rudolf Bultmann und seinen Schülern ausgehenden existentialen Interpretation wandte. Er gehörte mit Armin Sierszyn auch zu den Mitbegründern des Betheler Freundeskreises, der sich ab 1966 traf, um über Alternativen zur historisch-kritischen Theologie nachzudenken.

Schriften (Auswahl)

Für eine ausführliche Bibliografie siehe unter Literatur.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gisa Bauer: Das evangelikale Schriftverständnis – Aspekte und Beobachtungen, Website konfessionskundliches-institut.de (27. Februar 2015, aktualisiert am 6. April 2020, abgerufen am 21. Juli 2024)
  2. ↑ Hellmuth Frey: Das Ziel aller Dinge. Calwer Verlag, Stuttgart 1951, S. 11–12.
  3. ↑ Armin Sierszyn: Christologische Hermeneutik – eine Studie über historisch-kritische, kanonische und biblische Theologie mit besonderer Berücksichtigung der philosophischen Hermeneutik von Hans-Georg Gadamer (= Studien zu Theologie und Bibel. Band 3). LIT Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-643-80048-0, S. 33–35.
  4. ↑ Gisa Bauer: Das evangelikale Schriftverständnis – Aspekte und Beobachtungen, Website konfessionskundliches-institut.de (27. Februar 2015, aktualisiert am 6. April 2020, abgerufen am 21. Juli 2024)
  5. ↑ Gregor Heidbrink: Hellmuth Frey als Ausleger des Alten Testaments. Zur Tragfähigkeit seines Ansatzes pneumatischer Exegese. Brunnen, Gießen 2011, ISBN 978-3-7655-9108-2.
  6. ↑ Rolf Rendtorff: Kontinuität im Widerspruch – autobiographische Reflexionen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-57308-2.
  7. ↑ Heiner Süselbeck: Niemanden verloren geben: Briefwechsel zwischen Helmut Gollwitzer und Hermann Schlingensiepen 1951–1979, Band 2. LIT Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-643-12673-3, S. 226.
  8. ↑ Helge Stadelmann: Postmoderne Hermeneutik und christliche Predigt, in: Sven Grosse, Herbert H. Klement (Hrsg.): Für eine reformatorische Kirche mit Biss. Studien zu Theologie und Bibel. LIT Verlag, Münster 2013, ISBN 978-3-643-80146-3, S. 67.
Personendaten
NAME Frey, Hellmuth
KURZBESCHREIBUNG deutsch-baltischer evangelischer Theologe und Alttestamentler
GEBURTSDATUM 20. Dezember 1901
GEBURTSORT Tori, Estland
STERBEDATUM 27. Dezember 1982
STERBEORT Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Westdeutschland