
Helmut Digel (* 6. Januar 1944 in Aalen) ist ein ehemaliger deutscher Sportfunktionär, Sportwissenschaftler und Handballspieler. Er war von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Der emeritierte Professor war von 2002 bis 2010 Direktor des Institutes für Sportwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Zwischen 1964 und 1967 war Digel als Handballspieler beim Bundesligisten SV Möhringen aktiv.
An der Universität Tübingen studierte er Germanistik, Sportwissenschaft und Erziehungswissenschaft und wurde 1974 promoviert mit der Arbeit Sprache und Sprechen im Sport. 1978 wurde er Professor für Sportwissenschaft und lehrte an den Universitäten Frankfurt am Main (1978 bis 1982), Darmstadt (1985 bis 1999) und Tübingen (1982 bis 1985 und 1999 bis 2010). Er wohnte zu dieser Zeit in Nehren.
Digel, dessen wissenschaftlicher Forschungsschwerpunkt in der Sportsoziologie lag, ist evangelisch und Autor zahlreicher Publikationen, insbesondere zum Hochleistungssport.
Er war von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und von 1993 bis 2002 Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees. Weiterhin war er Präsident des Organisationskomitees der Leichtathletik-Europameisterschaften 2002. In den Jahren 1994 und 1998 wurde Digel zum Sportfunktionär des Jahres gewählt.
Von 1993 bis 2002 war er Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees. Von 2002 bis zu dessen Auflösung im Jahre 2006 war Digel Ehrenmitglied des Nationalen Olympischen Komitees. Von 2001 bis 2007 war Digel Vizepräsident des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF), von 1995 bis 2015 gehörte er dem Council der IAAF an.
1999 schlug er vor, ab 2000 neue Weltrekordlisten zu eröffnen und damit einen symbolischen Schlussstrich unter die durch staatliches Zwangsdoping im DDR-Leistungssport erreichten Rekorde zu ziehen. Sein Vorschlag wurde vom Council der IAAF abgelehnt. Gegenüber Bundesinnenminister Schily forderte er bereits 1993 ein Anti-Doping-Gesetz. Für seinen engagierten Antidopingkampf wurde er 1997 mit dem Fair Play-Preis des Deutschen Sparkassenverbandes ausgezeichnet.
Ende September 2016 berichtete die Süddeutsche Zeitung mit Berufung auf einen ehemaligen Interimsgeneralsekretär der IAAF, dass Digel eine „zusätzliche Kompensation“ erhalten haben soll. Diese Zahlungen seien nicht durch das Regelwerk des Verbandes gedeckt worden. In dem Bericht wird eine Summe von rund 3000 Dollar genannt, die Digel mindestens fünf Jahre lang monatlich bekommen haben soll. Digel gab gegenüber dem Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zu Protokoll, dass er für seinen erhöhten Arbeitsaufwand als Vorsitzender der IAAF Marketing-Kommission und als Mitglied der IAAF TV-Kommission eine Aufwandsentschädigung von 2000 Euro erhalten hat. Er wies darauf hin, dass er keinen Grund sehe, sich für diese Honorierung bei irgendjemanden entschuldigen zu müssen.
Da er frühzeitig von den korrupten Praktiken des IAAF-Präsidenten Lamine Diack gewusst haben soll und dies nicht öffentlich machte, gilt er heute im Sport als persona non grata. Digel wies die Vorwürfe zurück und betonte, er habe „von diesen Vorgängen zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst“. Digel galt als Widersacher von Diack in vielen sportpolitischen Fragen, insbesondere in Fragen des Antidopingkampfes. 2007 verhinderte Diack deshalb die Wiederwahl Digels zum IAAF-Vizepräsidenten beim IAAF-Kongress in Osaka. Für eine Kandidatur gegen Diack fehlte Digel die ausreichende Unterstützung. Digel sagte einmal: „Ich bin an diesem Mann gewissermaßen gescheitert“. Er gestand Fehler ein, so sei sein Engagement in der Leichtathletik im Bereich Marketing und Fernsehen verglichen mit Reformbemühungen „wohl überdimensioniert gewesen“. „Die wirklichen Fakten und meine Sicht der Dinge wurden in keiner Darstellung berücksichtigt“, kritisierte er. Vorzuwerfen habe er sich jedoch nichts, betonte Digel im Januar 2018 gegenüber der Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Er äußert sich heute vor allem in seinem Blog.
Seit 2017 ist Digel Herausgeber des Online-Magazins „sport-nachgedacht.de“ (ehemals „sport-quergedacht.de“) mit wöchentlichen Beiträgen zur Sportentwicklung und zu Fragen des modernen Olympismus. Teil des Magazins ist eine Online-Galerie „Kunst und Sport“ die mittlerweile auf 3000 Exponate angewachsen ist. Von 2014 bis 2017 hatte Digel eine Gastprofessur am Winter Olympic Research Center der Sportuniversität Peking.
Digel bekam am 13. Januar 2025 vom Präsidenten des IOC, Thomas Bach, den Olympischen Orden für sein Lebenswerk verliehen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Digel, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Handballspieler, Sportwissenschaftler und Sportfunktionär |
| GEBURTSDATUM | 6. Januar 1944 |
| GEBURTSORT | Aalen |