Schanzes wissenschaftliche Arbeiten umfassen Veröffentlichungen zur Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, zur Rhetorik und Rhetorikgeschichte, zur Mediengeschichte und Medientheorie sowie zur Kulturinformatik. 1966 erscheint Schanzes Dissertation zu Friedrich Schlegel und Novalis mit dem Versuch, das Werk der beiden Romantiker hinsichtlich einer Dialektik der Aufklärung zu lesen. In diesem Sinn löst sich Schanze von der älteren Novalis-Forschung und stößt dabei zu neuen komplexen Einsichten vor. Veröffentlichungen zum Drama im bürgerlichen Realismus, zu Goethes Dramatik sowie zu Goethes Faust folgen. Aber auch der Romantik-Forschung bleibt Schanze weiterhin verbunden: 1994 gibt er das Romantik-Handbuch heraus, das heute als Standardwerk gilt.
Schanze gehört zu jener Generation von Germanisten, die sich frühzeitig auf medienwissenschaftliche Problemstellungen einlassen konnte. Seine Medienkunde für Literaturwissenschaftler, die bereits 1974 erscheint, betritt diesbezüglich ebenfalls Neuland: Die Medienkunde befasst sich noch vor dem Aufstieg der Medienwissenschaften aus dem Geist der Germanistik (Jochen Hörisch, Friedrich Kittler, Helmut Kreuzer, Siegfried J. Schmidt, Michael Wetzel) mit möglichen Fragestellungen und Grundlagen einer ‚medienkundlich‘ informierten Literaturwissenschaft. In der Folge intensiviert und erweitert Schanze diesen Zweig seiner Lehr- und Forschungstätigkeit und wird darin zum Experten für die Theorie und Praxis des Fernsehens. Aber auch der von Schanze geprägte Begriff der „digitalen Plattform“, das von ihm herausgegebene Handbuch der Mediengeschichte (2001) sowie das Lexikon Medientheorie, Medienwissenschaft (2002) zeugen von der von Schanze auf diesem Gebiet vorangetriebenen Grundlagenforschung – beide Bücher zählen zu den Standardwerken medienkulturwissenschaftlicher Forschung. Gemeinsam mit Sibylle Bolik entwickelt Schanze den empirischen Ansatz einer Medienwertungsforschung (2001), speziell im Bereich Qualitätsfernsehen. Die Forschung von Schanze und Bolik untersucht, wie Medieninhalte ästhetisch, pragmatisch und sozial bewertet werden, was wichtige Erkenntnisse für die Medienkompetenz- und Medienkritikforschung liefert.
Zudem gilt Schanzes Interesse von Anfang an einer ‚medienreflexiven‘ Literatur: Gemeint ist damit eine Literatur, die sich nicht nur den Medien zuwendet, sondern auch die eigene Medialität zu reflektieren in der Lage ist. Einen weiteren Fokus seiner Arbeiten bildet die Rhetorik und Rhetorikforschung. Schanze veröffentlicht zur Rhetorik im Allgemeinen, zu Rhetorik und Philosophie sowie zu Nietzsches Rhetorik. Außerdem ist er Mitherausgeber der Buchreihen „Figuren“, „Indices zur deutschen Literatur“ und „Medien und Fiktionen“.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Romantik und Aufklärung. Untersuchungen zu Friedrich Schlegel und Novalis (= Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft. Band 27). Carl, Nürnberg 1966, DNB458821365.
Drama im bürgerlichen Realismus (1850–1890). Theorie und Praxis (= Studien zur Philosophie und Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Band 21). Klostermann, Frankfurt am Main 1973, DNB730330931.
Medienkunde für Literaturwissenschaftler. Einführung und Bibliographie (= Uni-Taschenbücher. Band 302 = Pragmatische Texttheorie. Band 4). Fink, München 1974, ISBN 3-7705-1059-3.
als Hrsg.: Rhetorik. Beiträge zu ihrer Geschichte in Deutschland vom 16.–20. Jahrhundert. Athenaion, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-7610-7195-7.
Goethes Dramatik. Theater der Erinnerung (= Theatron. Band 4). Niemeyer, Tübingen 1989, ISBN 3-484-66004-X.
mit Helmut Kreuzer (Hrsg.): Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Perioden – Zäsuren – Epochen (= Reihe Siegen. Band 104). Winter, Heidelberg 1991, ISBN 3-533-04369-X.
als Hrsg.: Romantik-Handbuch. Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-83101-5.
mit Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland. Band 2: Das Fernsehen und die Künste. Fink, München 1994, ISBN 3-7705-2801-8.
mit Josef Kopperschmidt (Hrsg.): Nietzsche oder "Die Sprache ist Rhetorik" (= Figuren. Band 1). Fink, München 1994, ISBN 3-7705-2947-2.
als Hrsg.: Fernsehgeschichte der Literatur. Voraussetzungen – Fallstudien – Kanon. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-3120-5.
mit Manfred Kammer (Hrsg.): Interaktive Medien und ihre Nutzer. 4 Bände. Nomos, Baden-Baden 1998–2002.
Faust-Konstellationen. Mythos und Medien. Fink, München 1999, ISBN 3-7705-3394-1.
↑Helmut Schanze: Das Fernsehen und die Künste. (= Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). München 1994.
↑Helmut Schanze: Forum und Theater: Anmerkungen zu einem rhetorikgeschichtlichen Thema. In: Peter L. Oesterreich, Thomas O. Sloane (Hrsg.): Rhetorica Movet: Studies in Historical and Modern Rhetoric in Honour of Heinrich F. Plett. Leiden 1999, S. 499.
↑Gebhard Rusch, Helmut Schanze, Gregor Schwering: Theorien der Neuen Medien. Kino - Radio - Fernsehen - Computer. Paderborn 2007, S. 99ff.
↑Helmut Schanze: Handbuch der Mediengeschichte. Stuttgart 2001.
↑Andreas Böhn:Medienwertung. Hrsg. von Sibylle Bolik u. Helmut Schanze. München 2001. In: Germanistik. Band43, Nr.3/4, 2002, ISSN0016-8912, S.1022 (kit.edu[abgerufen am 27.November 2025]).