
Herbert William Mullin (* 18. April 1947 in Salinas, Kalifornien; † 18. August 2022 im San Quentin State Prison, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen 1972 und 1973 in Kalifornien 13 Menschen ermordete.
Herbert William Mullin wurde am 18. April 1947 in Salinas im Monterey County geboren. Sein Vater Martin William Mullin, genannt Bill, war in Oregon aufgewachsen und hatte dort ein College abgeschlossen. Er hatte in den 1930er Jahren beim Marine Corps in China gedient und war im Zweiten Weltkrieg Hauptmann der US-Armee im Pazifikraum; nach seiner Entlassung arbeitete er im Möbelhandel, ab 1952 als Handelsvertreter, später bei der Post in Santa Cruz. Mullins Mutter Jean stammte aus Kalifornien. Seine ältere Schwester war kurz vor der Einberufung des Vaters zur Welt gekommen.
Noch vor Mullins erstem Geburtstag zog die Familie nach Walnut Creek östlich von Oakland, kurz vor seinem fünften Geburtstag nach San Francisco. Dort besuchte er acht Jahre lang die katholische St. Stephen’s Grammar School und anschließend zwei Jahre eine konfessionelle Highschool; Leistungen und Betragen waren nach Angaben seiner Eltern gut. Im Sommer 1963 zog die Familie dauerhaft in die Region Santa Cruz und ließ sich schließlich in Felton nieder. Mullin wechselte auf die öffentliche San Lorenzo Valley High School, fand nach seiner Aufnahme in die Footballmannschaft rasch Anschluss und war im letzten Schuljahr mit einer Mitschülerin liiert. Im Juni 1965 schloss er die Schule als 43. von 134 Absolventen ab.
Im August 1965 kam sein bester Freund Dean Richardson bei einem Autounfall ums Leben. Nach Darstellung der Eltern traf ihn der Tod schwer und er weinte wochenlang, schien den Verlust bis zum Beginn des Studiums im Herbst jedoch verarbeitet zu haben. Der FBI-Profiler Robert K. Ressler vertrat später die Auffassung, Mullin habe möglicherweise bereits als Sechzehnjähriger eine paranoide Schizophrenie entwickelt.
Ab Herbst 1965 studierte Mullin am Cabrillo College in Aptos Straßenbautechnik und erwarb dort im Sommer 1967 einen zweijährigen Abschluss. In den Semesterferien arbeitete er für das Tiefbauamt des Countys. Anfang 1967 verlobte er sich nach einer halbjährigen Trennung erneut mit seiner Freundin.
Im Herbst 1967, mit Beginn des Studiums am San Jose State College, veränderte sich Mullins Verhalten deutlich. Seine Eltern vermuteten Konsum von Marihuana und möglicherweise LSD, hatten dafür aber keine Belege. Mullin wandte sich östlichen Religionen zu und stellte den Katholizismus infrage, in dem er erzogen worden war. Hatte er ein Jahr zuvor noch angekündigt, nach dem Studium zum United States Army Corps of Engineers zu gehen, beteiligte er sich nun an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und wollte sich als Kriegsdienstverweigerer registrieren lassen. Er wechselte das Hauptfach von Ingenieurwesen zu Philosophie und brach das Studium sechs Wochen später ab.
Im März 1968 löste er seine Verlobung. Einen Monat später wurde er wegen Marihuanabesitzes festgenommen; nach einem Schuldeingeständnis für ein geringeres Delikt erhielt er eine Bewährungsstrafe. Anschließend arbeitete er für Goodwill Industries und leitete deren Secondhandladen in San Luis Obispo. Nachdem ihm im Oktober 1968 der Status als Kriegsdienstverweigerer zuerkannt worden war, rechnete die Musterungsbehörde diese Tätigkeit als Ersatzdienst an.
Im Februar 1969 kündigte Mullin die Stelle und erklärte, er wolle in Indien Yoga studieren. Stattdessen zog er nach Sebastopol und lebte dort in einem Wohnwagen auf der Ranch seiner Schwester. Bei einem Familienessen am 28. März 1969 zeigte er erstmals eindeutige psychotische Symptome: In einer tranceartigen, nicht ansprechbaren Verfassung ahmte er jede Bewegung seines Schwagers nach. Dieses Verhalten wird als Echopraxie bezeichnet und gilt als mögliches Anzeichen einer Schizophrenie. Am folgenden Tag ließ Mullin sich freiwillig in das Mendocino State Hospital bei Ukiah einweisen, wo eine Schizophrenie diagnostiziert wurde, die nach Einschätzung der Ärzte durch Drogenkonsum verstärkt worden war.
Nach etwa sechs Wochen wurde er im Mai 1969 auf eigenen Wunsch entlassen. Es folgten Jahre mit wechselnden Wohnorten, Gelegenheitsarbeiten und weiteren Klinikaufenthalten. Im November 1969 wurde er in die psychiatrische Abteilung des San Luis Obispo General Hospital zwangseingewiesen, wo erneut eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde. In dieser Zeit fügte er sich Verbrennungen mit Zigaretten zu und rasierte sich den Kopf. Seine Eltern hielten Drogenkonsum weiterhin für die alleinige Ursache seines Zustands.
In den folgenden Monaten bezog Mullin wegen psychischer Behinderung Sozialleistungen, brach eine ambulante Gruppentherapie ab und reiste nach Hawaii, wo er auf Maui erneut in eine psychiatrische Klinik kam. Am 30. Juli 1970 wurde er wegen Drogeneinflusses festgenommen; das Verfahren wurde eingestellt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es sich bei den mitgeführten Mitteln um ärztlich verordnete Antipsychotika handelte. Im März 1971 folgte eine weitere Festnahme wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit und Widerstands gegen die Staatsgewalt, für die er zehn Tage in Haft verbrachte. Im April 1971 schloss die psychiatrische Beratungsstelle in Santa Cruz seine Akte, weil er Therapietermine nicht wahrgenommen hatte. Im Mai zog er nach San Francisco und lebte dort anderthalb Jahre in billigen Hotels im Tenderloin.
Mitte September 1972 kehrte Mullin nach Felton zurück und bewarb sich zunächst bei der Küstenwache, die ihn im November wegen des psychologischen Eignungstests ablehnte. Daraufhin wandte er sich an das Marine Corps; am 15. Januar 1973 bestand er dort die körperliche und die psychologische Prüfung. Seine Bewerbung scheiterte schließlich daran, dass er sich weigerte, die Abschrift seines Vorstrafenregisters zu unterschreiben, weil er sie für fehlerhaft hielt. Nach zunehmenden Auseinandersetzungen mit seinen Eltern zog er am 19. Januar 1973 in eine eigene Wohnung in Santa Cruz.
Nachdem Mullin 1972 zu seinen Eltern nach Santa Cruz gezogen war, hörte er Stimmen, die ihm sagten, dass ein Erdbeben bevorstehe, vor dem er die Menschen in Kalifornien nur durch einen Mord beschützen könne. Mullins Geburtstag war der Jahrestag des Erdbebens von San Francisco 1906, eine Übereinstimmung, die er als bedeutungsschwanger empfand.
Am 13. Oktober 1972 schlug Mullin einen Obdachlosen mit einem Baseballschläger tot. Das Opfer sei der biblische Prophet Jona gewesen und habe ihm eine telepathische Botschaft übermittelt: „Pick me up and throw me over the boat. Kill me so that others will be saved.“ („Nimm mich und wirf mich über Bord. Töte mich, damit andere gerettet werden.“)
Das nächste Opfer war die 24-jährige Mary Guilfoyle, die Mullin als Anhalterin mitnahm. Er erstach sie, schnitt ihren Magen auf und lud die Leiche am Straßenrand ab. Als sie gefunden wurde, dachte man irrtümlicherweise, es handle sich um ein weiteres Opfer des Serienmörders Edmund Kemper.
Im November folgte das dritte Opfer. Mullin wollte seine Sünden beichten, was damit endete, dass er den Priester Henri Tomei tötete. Danach beschloss er, dem United States Marine Corps beizutreten. Er schaffte es, die physischen und psychischen Tests zu bestehen. Dennoch wurde sein Gesuch abgelehnt, da man von seinen früheren Verhaftungen für bizarres und verstörendes Verhalten erfahren hatte. Dieser Schlag nährte Mullins paranoide Wahnvorstellungen von einer Verschwörung, hinter der er eine machtvolle Gruppe von Hippies vermutete.
Nachdem er mehrere Schusswaffen erworben hatte, beschloss Mullin, Jim Gianera zu töten, einen Freund aus Highschool-Zeiten, der ihm Cannabis verkauft hatte. Als Mullin am 25. Januar 1973 zu dessen Haus ging, stellte er fest, dass Gianera fortgezogen war. In dem Haus wohnte nun Kathy Francis, von der Mullin die neue Adresse seines Freundes in Erfahrung bringen konnte. Mullin ermordete Gianera und dessen Frau mit Kopfschüssen und stach mehrfach auf die Körper ein. Dann ging er zurück zu Francis und erschoss sie mitsamt ihren beiden Söhnen (neun und sechs Jahre alt). Weil Francis’ Ehemann, der zur Tatzeit nicht im Hause war, ein Drogenhändler war, wurde die Tat zuerst der Drogenszene zugerechnet und als Motiv eine Abrechnung vermutet.
Francis’ Ermordung machte es Mullin später unmöglich, auf „not guilty by reason of insanity“ (nicht schuldig wegen Geisteskrankheit) zu plädieren, da er mit ihr eine potentielle Zeugin getötet hatte, die ihn hätte belasten können.
Am 10. Februar sah Mullin im Henry Cowell Redwoods State Park vier Jungen im Teenageralter kampieren. Er ging zu ihnen und verwickelte sie in ein Gespräch, indem er behauptete, der Parkwächter zu sein. Dann zog er eine Schusswaffe und erschoss alle vier.
Mullins letzter Mord fand drei Tage später, am 13. Februar 1973, statt. Mullin fuhr alleine mit seinem Wagen herum, dann parkte er am Straßenrand, stieg aus und erschoss einen älteren Mann, der gerade den Rasen mähte. Dann fuhr er davon. Da dieser Mord am helllichten Tag stattgefunden hatte, gab es mehrere Zeugen, und Mullin konnte schnell gefasst werden.
In einem Zeitraum von nur vier Monaten hatte er 13 Menschen getötet.
Mullin gestand seine Verbrechen und sagte aus, dass die Stimmen im Kopf ihm die Morde befohlen hätten, um das Beben zu verhindern. Dank seines Wirkens habe es ja auch tatsächlich keines gegeben.
Letztlich wurde er für zehn Morde angeklagt (für die ersten drei nicht). Seine Verhandlung begann am 30. Juli 1973. Da Mullin alle Verbrechen gestanden hatte, konzentrierte sich die Arbeit des Gerichts auf die Frage, ob er schuldfähig sei. Die Anklage hob die Tatsache hervor, dass er seine Spuren verwischt und manche seiner Taten mit Vorsatz begangen habe, während die Verteidigung mit Mullins psychiatrischer Vorgeschichte argumentierte.
Am 19. August 1973 wurde Mullin des zweifachen Mordes (an Jim Gianera und Kathy Francis, da er diese Taten mit Vorsatz begangen habe) und des achtfachen Totschlags (da diese Taten impulsiver Natur gewesen seien) für schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe hätte frühestens 2025 zur Bewährung ausgesetzt werden können.
Herbert Mullin starb am 18. August 2022 im Alter von 75 Jahren im Gefängnis.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mullin, Herbert |
| ALTERNATIVNAMEN | Mullin, Herbert William (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Serienmörder |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1947 |
| GEBURTSORT | Salinas, Kalifornien |
| STERBEDATUM | 18. August 2022 |
| STERBEORT | San Quentin, Kalifornien |