Hermann Beermann

Hermann Beermann als Sprecher bei einer Maikundgebung in der Kieler Ostseehalle (1968)

Hermann Beermann (* 28. August 1903 in Linden vor Hannover; † 18. August 1973 in Neuss) war ein deutscher Gewerkschafter und von 1962 bis 1969 stellvertretender Vorsitzender des DGB.

Leben

Hermann Beermann wurde 1903 in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs als Sohn einer Arbeiterfamilie in Linden geboren, der seinerzeit noch selbständigen Industriestadt vor Hannover. Nach dem Besuch der Volksschule durchlief er eine Ausbildung zum Modelltischler, um später eine Fortbildung an einer Maschinenbau-Schule zu absolvieren.

Nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch Beermann nur als Kind fern der Kriegsfront erlebt hatte, trat er noch als Jugendlicher zu Beginn der Weimarer Republik im Jahr 1919 der Gewerkschaft des Deutschen Holzarbeiterverbandes bei, wurde früh auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Nachdem die SPD bei den Kommunalwahlen am 2. Mai 1924 eine schwere Niederlage in Hannover erlitten hatte und knapp 4 % der Wahlberechtigten den Völkisch-sozialen Block und damit beispielsweise auch Bernhard Rust als einen von nun drei Vertretern der „Völkischen“ in das Bürgervorsteherkollegium gewählt hatten, schloss sich Hermann Beermann mitten in den sogenannten „Goldenen Zwanziger Jahren“ 1925 dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) an.

Nach der Machtergreifung ging Hermann Beermann 1933 in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, knüpfte dabei nun illegale Kontakte in die Schweiz und in die Niederlande. Nach wiederholten Hausdurchsuchungen, ständigen Beschattungen und wiederholten Verhaftungen durch die Gestapo wurde er 1938 schließlich des Hochverrats angeklagt und vom Volksgerichtshof zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Anschluss stand er unter Polizeiaufsicht, gab seine Widerstandsarbeit trotz dieser erschwerten Bedingungen aber nicht auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der in Hannover nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen noch vor der Kapitulation des Dritten Reiches zu Ende ging, agierte Hermann Beermann, neben Louis Böcker und Albin Karl mit Genehmigung der Britischen Militärregierung nach 1945 wesentlich am Wiederaufbau der Gewerkschaften in Hannover beteiligt und handelte zunächst im vorläufigen Vorstand der „Allgemeinen Gewerkschaft“. Zudem engagierte er sich aktiv beim Aufbau der SPD in Niedersachsen und war Mitglied im Bezirksvorstand des SPD-Bezirks Hannover.

Von 1947 bis 1956 hatte Beermann zunächst den Vorsitz des DGB Landesbezirks Niedersachsen-Bremen inne.

Zeitweilig parallel dazu übernahm Hermann Beermann ab 1953 und bis 1967 zunächst den Vorsitz des Verwaltungsrates beziehungsweise ab 1957 den des Vorstandsvorsitzes der Bundesanstalt für Arbeit.

Von 1956 bis 1969 war Beermann zudem als Mitglied des DGB-Bundesvorstandes vor allem für die Sozialpolitik zuständig, während er bereits 1962 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden des DGB gewählt worden war.

Unterdessen war Beermann außerdem bereits seit 1958 Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Brüssel.

Überdies wurde Hermann Beermann 1963 Mitglied im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes und schließlich 1968 zum Vizepräsidenten der Internationalen Arbeitskonferenz gewählt.

Hermann Beermann starb 1973 in Neuß.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Archivalien

An Archivalien von und über Hermann Beermann finden sich beispielsweise

Commons: Hermann Beermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Beermann, Hermann in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Bearbeitung vom 19. Februar 2008, zuletzt abgerufen am 11. November 2016
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Klaus Mlynek: Beermann, Hermann. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 44f.
  3. ↑ Klaus Mlynek: Linden. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 406ff.
  4. 1 2 3 4 5 Vergleiche Hermann Beermann auf der Seite der Friedrich-Ebert-Stiftung, zuletzt abgerufen am 11. November 2016
  5. ↑ Klaus Mlynek: „Relative“ Stabilisierung: 1924–1928. 2.1: Politische Wende: Sturz Leinerts, Wahl Menges, in Waldemar R. Röhrbein, Klaus Mlynek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Hannover, Bd. 2: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1994, ISBN 3-87706-364-0, S. 430–433
  6. ↑ Klaus Mlynek: Zweiter Weltkrieg. In: Stadtlexikon Hannover, S. 994f.
  7. ↑ Klaus Mlynek: Böcker, Louis. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 60; online über Google-Bücher
Personendaten
NAME Beermann, Hermann
KURZBESCHREIBUNG deutscher Gewerkschaftsführer
GEBURTSDATUM 28. August 1903
GEBURTSORT Linden vor Hannover
STERBEDATUM 18. August 1973
STERBEORT Neuss