Hermann Goltz

Gottfried Hermann Goltz (* 1. April 1946 in Gera; † 9. Dezember 2010 in Halle (Saale)) war ein deutscher evangelischer Theologe und Ostkirchenkundler.

Das Grab von Hermann Goltz auf dem Stadtgottesacker in Halle

Leben und Werk

Hermann Goltz wuchs in Görlitz auf. Dort legte er das Abitur ab und erlernte an der Volksmusikschule Oboe. Er entschied sich für ein Studium der Theologie, das er 1964 in Halle (Saale) aufnahm. Er promovierte 1972 bei Konrad Onasch mit einer Arbeit zum Corpus Areopagitum. 1975 wurde er nach dem 1. und 2. theologischen Examen in Halle zum evangelischen Pfarrer ordiniert. 1979 habilitierte er sich nach einem Handschriftenforschungsaufenthalt 1978 in Russland mit einer Untersuchung zur slawisch-patristischen Literatur. 1987 wurde er an die Theologische Fakultät Heidelberg berufen, im gleichen Jahr ging er als außerordentlicher Professor nach Halle, wo er 1992 zum ordentlichen Professor für Konfessionskunde der Orthodoxen Kirchen an der Theologischen Fakultät berufen wurde. 1988 bis 1993 war er zudem Leiter der Studienabteilung der Konferenz Europäischer Kirchen in Genf. Goltz gründete 1982 das von ihm geleitete Johannes-Lepsius-Archiv und 1998 zusammen mit weiteren deutschen und armenischen Wissenschaftlern das MESROP Zentrum für Armenische Studien an der Leucorea (seit 2006 an der Universität Halle).

Goltz forschte, lehrte und publizierte zu Theologie, Kunst und Kultur der Orthodoxen Kirchen, insbesondere zur griechisch-slawischen Orthodoxie und zur armenischen Kirche. Er übersetzte zusammen mit der armenischen Wissenschaftlerin Armenuhi Drost-Abgarjan das armenische Hymnarium „Scharaknotz“, eine zentrale Quelle zum Verständnis der östlichen christlichen Hochkulturen. Für seine Arbeiten zur Armenologie und armenischen Kultur erhielt Goltz verschiedene Auszeichnungen des armenischen Staates. Im Jahre 2007 wurde er an der Staatlichen Universität Jerewan zum Ehrendoktor promoviert.

Hermann Goltz war Mitglied des Kuratoriums des Evangelischen Konvikts Halle und vom Herbst 2008 bis zu seinem Tod Ephorus dieses Hauses. Das Amt übernahm er von Gründungsephorus Hermann von Lips, der es nach seiner Emeritierung im Jahr 2007 noch ein Jahr lang ausgeübt hatte.

Ein Schüler von Goltz ist der armenisch-deutsche Theologe Hacik Rafi Gazer.

Kritik

Wolfgang Gust warf Goltz Mythenbildung hinsichtlich Johannes Lepsius und Zweckentfremdung der Gelder der Bundesregierung vor. Auch kritisierte Gust, dass die Lepsius-Forschung trotz ihrer finanziellen Mittel nicht die Überprüfung der von Lepsius publizierten manipulativen Aktenedition zum Völkermord an den Armeniern vorgenommen hat, wie es die Aufgabe einer wirklichen Lepsius-Forschung gewesen wäre. Die Korrektur hat Gust selbst vorgenommen. In einer Petition an den Bundestag wurde Lepsius außerdem eine antisemitische Haltung vorgeworfen. Auch Gust schrieb darüber. Goltz bewertete die entsprechenden Zitate als „aus dem Zusammenhang gerissen“.

Ehrungen (Auswahl)

Gedenktafel am Haus Schleiermacherstraße 19

Goltz war Ehrendoktor der Universität Jerewan. Er wurde mit dem Mesrop-Orden des armenischen Katholikosats von Kilikien (Antelias bei Beirut) und dem Sahak-und-Mesrop-Orden des Katholikos aller Armenier (Etchmiadzin) ausgezeichnet. Im November 2012 wurde an seinem langjährigen Wohnhaus in der Schleiermacherstraße in Halle (Saale) eine Gedenktafel für Hermann Goltz enthüllt. Im September 2014 wurde ein neuer Hörsaal an der Theologischen Fakultät der Staatsuniversität Jerewan nach Hermann Goltz benannt.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gottfried Hermann Goltz : Traueranzeige. In: Sächsische Zeitung am 18. Dezember 2010
  2. ↑ Der deutsche Theologe Johannes Lepsius: Ein großer Humanist oder Antidemokrat und Antisemit?. Interview vom 15. September 2008 mit dem Journalisten, Publizisten und Völkermordforscher Wolfgang Gust
  3. ↑ Nachruf des Zentralrates der Armenier: Armenier trauern um Prof. Dr. Hermann Goltz. 14. Dezember 2010, www.zentralrat.org
  4. ↑ Nachruf der theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  5. ↑ Siehe Bericht über die Enthüllung: Gedenktafel für Professor Hermann Goltz 26. November 2012. In: Hallespektrum, 26. November 2012.
  6. ↑ New Lecture Halls at the Yervan State Theological Faculty Film über die Einweihung im September 2014, Kanal der armenischen Kirche, abgerufen am 24. Mai 2025
  7. ↑ Das Buch wurde 2001 auf der libanesischen Buchmesse vorgestellt, siehe Bericht von Hermann Goltz im Wissenschaftsjournal der MLU Halle, 03/2001, Seite 7
  8. ↑ Rezension der dazugehörigen Ausstellung durch Dieter Bartetzko: Orient und Okzident: Aus dem Fluß gerettet: Halle zeigt den Schatz der Armenier. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2000, Seite 55