Hermann Bohlen

Hermann Bohlen (* 4. April 1963 in Celle) ist ein Autor und Produzent von Hörspielen und Hörstücken. Bohlen studierte von 1986 bis 1992 Sinologie in Hamburg, Berlin und Shanghai. Schon während seines Studiums entstanden seine ersten Hörspiele, seit 1995 arbeitet er als freier Hörspielmacher.

Leben

Bohlens frühe Stücke wie Gekaut!! (Bis es von alleine herunterläuft) (1990) und Die Wauwautheorie (1995) spielen mit Sprachklängen und zeigen ein pataphysisches Interesse an Sprachphilosophie. Gekaut!! porträtiert den Lebensreformer Horace Fletcher in einer Kunstsprache aus Deutsch, Plattdeutsch, Englisch, Chinesisch und Französisch; Wauwautheorie handelt von der Onomatopoesie.

Mit Prozedur 7.7.0 (1996) nutzt Bohlen – in der Tradition des von Orson Welles als Radioreportage inszenierten Hörspiels Krieg der Welten – das Originalton-Hörspiel als Fake. Bohlens Stück stellt eine Welt vor, in der Kommunikationsverweigerern zur Identifizierung Transponder-Chips implantiert werden. Wie in fast allen seinen Hörspielen sprechen auch in diesem ausschließlich Laien. „Obwohl der Manipulationsaufwand gewaltig ist, geht Bohlen damit über manchen Versuch der scheinbar transparenten Wahrheitsfindung im dokumentarischen O-Ton-Hörspiel hinaus, mit dessen gattungsspezifischen Voraussetzungen er virtuos spielt.“

In’ Sack hau’n (1996) funktioniert „als Simulation (oder als Fake) von Interaktivität. (…) Figuren aus (der) Erzählung sowie Literaturtelefon-Nutzer kommentieren und kritisieren (die) Erzählung“.

In Sag doch auch mal was oder Das Luxurieren der Bastarde (1998) montiert Bohlen auf Flohmärkten und anderswo gefundene private Tonaufzeichnungen und entwirft so ein „faszinierendes, 50-minütiges Panorama einer Übergangszeit zwischen dem langsam verblassenden Krieg und allmählich heraufziehendem Pop“. Ganz ähnlich verfährt er in Onager (2004), wenn er hier auch eher kammerspielhafte Situationen schafft.

Waren alle seine Stücke seit Prozedur 7.7.0 nach Anweisungen des Autors improvisiert, arbeitet er in Gräser fliegen nur noch selten (2005) erstmals wieder mit einem Produktionsmanuskript. Die Süddeutsche Zeitung nannte dieses Hörspiel den „bisherigen Höhepunkt seines Schaffens“. Bohlens „Ich-Erzähler wirkt wie ein Wiedergänger Robert Walsers, der durch George Orwells 1984 spaziert“.

Im Jahr 2000 konzipierte und präsentierte Bohlen den Plopp-Wettbewerb für unabhängige Hörspielmacher an der Berliner Akademie der Künste, zu deren Mitglied er im Jahr 2009 ernannt wurde.

Sein Hörspiel Lebensabend in Übersee, WDR 2014, wurde für den Prix Italia 2015 und den Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert.

Werke

Liste der Hörspiele und Hörstücke:

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Antje Vowinckel: Über Hörspielmaterial, Authentizität im Radio und ein Stück von Hermann Bohlen. In: Material Re Material. Remix & Copyright. Hg. von den Berliner Festspielen. Pfau, Saarbrücken 2004, S. 56–69, hier S. 66f.
  2. ↑ Jochen Meißner: Hermann Bohlen. In: Thomas Kraft (Hrsg.): Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. 2 Bde. Nymphenburger, München 2003, S. 142
  3. ↑ Ulrich Stock: Audiofilm, Soundcollage, Hörstück, Oper … Kommentierte Diskographie. Zeit Online, 11. Dezember 2003
  4. ↑ Tobias Lehmkuhl: Der Soundtüftler: Die Kompositionen des Hörspielmachers Hermann Bohlen. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2006
  5. ↑ Bohlen. Akademie der Künste, Mitglieder
  6. ↑ Zukunft für Rentner - Lebensabend in Übersee, Deutschlandradio Kultur vom 30. September 2015
  7. ↑ Stefan Fischer: Tolle Hechte. 9. Februar 2016, abgerufen am 18. April 2026.
  8. ↑ Hörspiel: Die Sprache der WildschweineSchweine-Heinz, deutschlandfunkkultur.de vom 6. Dezember 2017, abgerufen am 6. November 2018.
Personendaten
NAME Bohlen, Hermann
KURZBESCHREIBUNG deutscher Hörspielautor und -produzent
GEBURTSDATUM 4. April 1963
GEBURTSORT Celle