Carl Hermann Joseph Boll (geb. 13. August 1848 in Ravensbrück, Landkreis Templin; gest. 9. August 1922 in Berlin-Charlottenburg) war ein deutscher Fotograf in Berlin. Das Fotoatelier von Hermann Boll trat vor allem durch die fotografische Reproduktion von Gemälden, Skulpturen und Architekturen sowie durch Fotografien von bildenden Künstlern in deren Ateliers in Erscheinung. Hermann Boll kann auch als ein Pionier der Farbfotografie gelten. Die Firma Hermann Boll war nicht nur ein Fotoatelier, sondern auch ein Kunst-Verlag, der mit fotografischen Kunst-Reproduktionen und mit Verwertungsrechten an Kunstwerken handelte. Das Unternehmen bestand von 1871 bis wahrscheinlich 1943.




Hermann Boll wurde am 13. August 1848 als Sohn der unverheirateten Dorothee Marie Runzel in der Gemeinde Ravensbrück (heute: Fürstenberg/Havel) geboren. Nach der Heirat seiner Mutter mit dem Zimmermeister Joseph Boll wurde Hermann von diesem adoptiert.
Hermann Boll war offenbar Teilnehmer des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71.
Wo und bei wem Hermann Boll das Fotografenhandwerk erlernt hat, ist nicht bekannt.
Boll gründete im Jahr 1871 in Berlin eine Photographische Reproductions- und Verlags-Anstalt; wahrscheinlich in der Friedrichstraße 62. Er wohnte offenbar in der Luckauer Str. 4 in Berlin-Kreuzberg. In dieser Zeit war der Fotograf Boll, Friedrichstr. 62, Mitglied des Vereins zur Förderung der Photographie und des Deutschen Photographen-Vereins zu New York. Am 3. Mai 1872 heiratete Hermann Boll in der Neuen Kirche die im pommerschen Demmin geborene Anna Wendel (1845–1932). In den folgenden drei Jahren wurden die drei Söhne des Ehepaares geboren, nämlich: Max (1873–1916), Otto (1874–1943) und Franz (1875–1943), von denen Max und Otto Boll ebenfalls Fotografen wurden. Franz Boll wurde Kaufmann. Alle drei Söhne stiegen im Jahr 1902 als Gesellschafter in die Firma ihres Vaters Heinrich Boll ein.
Mit der Einrichtung seiner eigenen Photographischen Reproduktions- und Verlagsanstalt in Berlin konzentrierte sich Boll auf zwei wesentliche Geschäftsfelder: zum einen auf die fotografische Reproduktion von Kunstwerken und zum anderen auf Architekturfotografie, sowohl der Gebäude (von außen) als auch der Innenräume.
In den späten 1870er und frühen 1880er Jahren hat Hermann Boll an der mecklenburgischen Ostseeküste und insbesondere auf der Insel Rügen fotografiert.


Eine Fotoserie von Boll mit dem Titel „Berlins Prachtbauten“ erschien 1886.
Um 1900 ist Bolls Firma in der Mohrenstraße 59 greifbar. In den 1900er und 1910er Jahren hat Bolls Anstalt ihr Hauptgeschäft unweit der Anton-Wilhelm-Amo-Straße unter der Adresse Unter den Linden 16 und unterhält eine West-Filiale in der Tauentzienstraße 7b greifbar. In seinem Kunst-Salon in den Geschäftsräumen Unter den Linden organisierte Boll auch eigene Ausstellungen, so beispielsweise im Jahr 1905 eine von Akt-Bildern verschiedener Maler, darunter Felix Possart, Paul Gerhart Vowe, Nathaniel Sichel, Bernhard Zickendraht und Ernst Albert Fischer-Cörlin. und im Frühjahr 1906 eine Einzelausstellung mit Werken von Curt Agthe. Seine Weihnachtsausstellung des Jahres 1906 zeigte Werke Berliner Künstler, unter anderen von Wilhelm Bröker, Hans Dahl, Themistokles von Eckenbrecher, Berthold Genzmer und Franz Hoffmann-Fallersleben.
In Eigenwerbungen bezeichnet sich Bolls Firma als »Spezial-Anstalt für Gemälde-Reproduktionen, Aufnahmen von Bildwerken sowie Architekturen u. Innenräumen; Vergrößerungs-Anstalt« und warb mit seiner Abteilung für Farbenphotographie. Auf dem Gebiet der Kunstfotografie konzentrierte sich Boll in erster Linie auf die fotografische Reproduktion von Kunstwerken und war unter zeitgenössischen Künstlern gut eingeführt. 1900 stellte er in einer Ausstellung des Deutschen Photographen-Vereines in Berlin eine größere Anzahl von Fotografien von Kunstwerken aus.
Ab mindestens 1899 war Boll über Jahre der Fotograf der Kataloge der großen Berliner Kunstausstellung. In seiner Werbeanzeige im Ausstellungskatalog von 1909 schreibt Boll. dass sein Atelier bis dato bereits mehrfach für vorzügliche Leistungen in der Reproduktion-Photographie »prämiiert« worden sei. Auch Auktionshäuser wie das von Paul Cassirer und Hugo Helbing verließen sich bei ihren Auktionskatalogen immer wieder auf Hermann Boll als Fotografen.
Daneben verwendeten auch mehrere Künstler Bolls Fotografien für die Herstellung von Katalogen ihrer Werke. So ließ z. B. Sonia Gramatté, die Witwe des jung verstorbenen Expressionisten Walter Gramatté, ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes 1930 zwei Folianten mit Fotografien seiner Werke von Hermann Boll in doppelter Ausfertigung anfertigen. Die Negative dieser Fotos wurden zwar im Zweiten Weltkrieg vernichtet, jedoch konnten auf der Grundlage der beiden einzigen erhaltenen Alben im Jahr 1981 Abbildungen der Ölbilder und Aquarelle Gramattés neu veröffentlicht werden.
Hermann Boll erwarb sich auch einen Namen als Porträtfotograf. Zu den von ihm Porträtierten gehörten zahlreiche in Berlin ansässige Maler, darunter Hans Bohrdt, Eugen Bracht, Otto H. Engel, Ernst Heilemann, Carl Röchling, Paul Thumann und Willy Werner, die Boll häufig in ihren Ateliers fotografierte.

Schon recht früh bot das Atelier Boll auch Farbfotografien (Farbdiapositive) an. Die Brüder Auguste und Louis Lumière hatten ihr Autochromverfahren im Dezember 1903 zum Patent angemeldet. Der Öffentlichkeit stellten sie ihre ersten Farbfotos im Jahr 1904 vor; 1907 begannen sie mit der industriellen Produktion des Autochrome-Materials. Bereits am 13. April 1908 berichtete Hermann Boll vor der Deutschen Gesellschaft von Freunden der Photographie „über Erfahrungen mit dem Lumière-Verfahren“ anhand von 40 Projektionsbildern Ebenfalls 1908 berichtete die Norddeutsche allgemeine Zeitung, Hermann Boll aus Berlin habe Lumière-Autochrome nach Gemälden von Hoffmann-Fallersleben, Carl Albrecht u. a. angefertigt. Mitte März 1910 zeigte Boll vor der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Illustratoren seine Farbbilder unter anderem von „Architektur aus Alt-Berlin, reizende[n] Landschaften aus Norwegen, […] Schneelandschaften aus dem Erzgebirge“ sowie farbige Reproduktionen von Gemälden. In den 1910er Jahren illustrierte Boll mehrere geographisch-touristische Artikel in Velhagen & Klasings Monatsheften mit farbigen Ansichten von Orten und einzelnen Gebäuden, so im April 1913 aus der Gegend um den Golf von Rapallo oder zu Hans Sendlings Artikel zum Frühling am Neckar. Ebenfalls 1913 druckte die Zeitschrift Daheim Autochrom-Fotografien von Blumen-Arrangements von Hermann Boll.
Zahlreiche Fotos von Boll wurden in der illustrierten Zeitschrift Die Woche veröffentlicht. Auch in der illustrierten Zeitschrift Berliner Leben. Zeitschrift für Schönheit und Kunst, die zwischen 1898 und 1928 erschien und viele Fotografien von Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens sowie Momentaufnahmen und Architekturfotos enthielt, erschienen häufig Bilder des Ateliers Hermann Boll.
Boll war nach eigener Aussage großherzoglich sächsischer Hoflieferant sowie Hofphotograph des Großherzogs von Oldenburg und wurde für „vorzügliche Leistungen in der Reproduktionsphotographie“ im Jahr 1900 in Berlin mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen für Fotografie erhielt Boll nach eigener Aussage im Jahr 1901 in Weimar und im Jahr 1904 in Berlin.
Hermann Boll starb am 9. August 1922, wenige Tage vor Vollendung seines 74. Lebensjahres, in Berlin-Charlottenburg. Sein ältester Sohn Max war bereits im Ersten Weltkrieg im August 1916 als Soldat in Ivoiry (Maas) in Frankreich gestorben, und seine ledigen Söhne Otto und Franz kamen gemeinsam bei einem Fliegerangriff am Abend des 22. November 1943 in ihrem Wohnhaus in der Lutherstraße 12 in Berlin-Schöneberg ums Leben.
Das Atelier Boll befand sich 1872 in der Friedrichstraße 62, von 1873 bis 1884 in der Friedrichstraße 176, von 1885 bis 1903 in der Mohrenstr. 59 und, wahrscheinlich ab 1904, sowohl Unter den Linden 16 als auch in der Tauentzienstraße 7 b („Westfiliale“). Das Atelier und die dazugehörige Drei-Zimmer-Wohnung in der Mohrenstraße 59 bot Hermann Boll ab 1. April 1903 zur Miete an. Hermann Bolls Unternehmen firmierte von 1871 bis 1899 als H. Boll & Co., ab 1900 als Einzelunternehmen, 1902 wurde es in eine offene Handelsgesellschaft (oHG) umgewandelt, der seine drei Söhne, die beiden Photographen Max und Otto Boll und der Kaufmann Franz Boll, als Gesellschafter beitraten.
Die „Verlags- und Vermittelungs-Anstalt von Hermann Boll“ vermittelte auch zwischen Künstlern und Kunst-Verlagen und verkaufte Reproduktionsrechte an Kunstwerken im Auftrag ihrer Urheber.
Im August 1916 starb Hermann Bolls ältester Sohn Max im Ersten Weltkrieg als Soldat in Frankreich. Er wurde vor Verdun durch einen Granatsplitter getötet, während er in seiner Baracke mit photographischen Arbeiten beschäftigt war. Er war demnach auch im Felde mit Fotoarbeiten betraut; möglicherweise war er Heeresfotograf.
Nachdem auch Hermann Boll im August 1922 verstorben war, wurde durch Gesellschaftsvertrag vom 26. November 1922 die Galerie Ettlinger, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, mit Sitz in Berlin gegründet, deren Geschäftsführer der Kunstkritiker Max Ettlinger, der (Innen-)Architekt Gustav Dürselen, der Photograph Otto Boll und der Kaufmann Franz Boll, alle aus Berlin, waren. Dir Firma Hermann Boll erlosch wahrscheinlich im Jahr 1943 nach dem gleichzeitigen Tod der von Otto und Franz Boll.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boll, Hermann |
| ALTERNATIVNAMEN | Boll, Carl Hermann Joseph (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Fotograf, Kunstverleger und Reproduktionsrechtehändler |
| GEBURTSDATUM | 13. August 1848 |
| GEBURTSORT | Ravensbrück |
| STERBEDATUM | 9. August 1922 |
| STERBEORT | Berlin |