Hermann Distel

Hermann Distel (* 5. September 1875 in Weinsberg; † 15. August 1945 in Hamburg-Bergedorf; vollständiger Name: Hermann Christian Distel) war ein deutscher Architekt.

Leben

Distel studierte zunächst an der Technischen Hochschule Stuttgart, dann an der Technischen Hochschule Karlsruhe bei Carl Schäfer und Friedrich Ratzel. Nach dem Studienabschluss im Jahr 1902 sammelte er erste berufliche Erfahrungen in Karlsruhe (im Architekturbüro Curjel & Moser), Zürich, Berlin, Freiburg im Breisgau und Breslau.

Mit seinem Studienfreund August Grubitz gründete er im Jahr 1905 in Hamburg das Architekturbüro Distel und Grubitz, das – nachdem er seinem ehemaligen Teilhaber Grubitz 1932 gekündigt hatte – und Distel 1933 seinen Sohn Walter (1904–1993) als Architekt einstellte, einen zweiten Karriereschub erfuhr. Mit der Machtübergabe der Nationalsozialisten 1933 wurde Distel Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, eine der sieben Sektionen der Reichskulturkammer unter Leitung von Propagandaminister Joseph Goebbels. In den 1930er Jahren baute Distel vornehmlich Krankenhäuser und Lazarette, zum Teil auch im Ausland. Ab 1941 führte er ein zusätzliches Architekturbüro in Berlin mit zahlreichen Projektbetreuungen für Albert Speer.

Das 1910–1911 erbaute Haus in der heutigen Hermann-Distel-Straße 31 im Hamburger Stadtteil Bergedorf entwarf der Architekt als Wohnhaus für sich und seine Familie; er lebte dort bis zu seinem Tod. Ein Teil des ebenfalls von Distel entworfenen Mobiliars blieb erhalten. Das Gebäude ist ein Beispiel für die sogenannte Reformarchitektur nach der Jahrhundertwende und steht unter Denkmalschutz. Durch seine herausgehobene Rolle im Krankenhausbau, so der Distel-Biograf Peter R. Pawlik, gingen in seinem Privathaus in Bergedorf NS-Größen wie Albert Speer, Karl Brandt und Oskar Schröder ein und aus. Distel verstarb in seinem Wohnhaus 1945, 69-jährig, an den Folgen einer schweren Verletzung, die er sich 1943 bei einem Luftangriff zuzog, als er von einem LKW geschleudert wurde.

Werk

Bauten und Entwürfe (unvollständig)

Hauptgebäude der Universität Hamburg
Villa Distel in Bergedorf
Montanhof
Ehemaliges Wehrkreiskommando Hamburg
Hospital de Santa Maria in Lissabon

sowie mehrere Villen und größere Gebäudekomplexe in Hamburg-Bergedorf

Schriften

Ehrungen

Die ehemalige Bismarckstraße im Hamburger Stadtteil Bergedorf wurde 1949 in Hermann-Distel-Straße umbenannt. Ab 2016 wurde eine erneute Umbenennung der Hermann-Distel-Straße angeregt aufgrund Rolle des Namensträgers im NS-System.

Literatur

Commons: Hermann Distel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Walter Distel - Deutsche Digitale Bibliothek. Abgerufen am 25. März 2025.
  2. ↑ Biografie zu Hermann Distel unter Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  3. ↑ Biografie zu Hermann Distel unter Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  4. ↑ Das Vorlesungsgebäude in Hamburg. In: Deutsche Bauzeitung. 45. Jahrgang 1911, Nr. 49 f., S. 413–416, 425, 428–433, 437 f.
  5. ↑ Manfred F. Fischer: Das Chilehaus in Hamburg. Architektur und Vision. Gebr. Mann, Berlin 1999, ISBN 3-7861-2299-7, S. 19 f.
  6. ↑ Friedhelm Grundmann u. a.: Stationen Hamburger Architektur (= 100 Jahre die Zukunft im Blick. Teil 2). Hamburger Hochbahn AG, Hamburg 2008, ISBN 978-3-9812591-0-0, S. 38 ff.
  7. ↑ Broschüre des Krankenhauses (PDF).
  8. ↑ Hans Kellinghusen: Die neuen Straßennamen in Bergedorf (Teil II). In: Lichtwark, 1. Jahrgang 1949, Nr. 12, ZDB-ID 1123396-5.
  9. ↑ Namensgeber: Hamburger Straßen erinnern an dunkle Vergangenheit - WELT. Abgerufen am 27. Februar 2023.
  10. ↑ Biografie zu Hermann Distel unter Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene. Abgerufen am 27. Januar 2026.
Personendaten
NAME Distel, Hermann
ALTERNATIVNAMEN Distel, Hermann Christian (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Architekt
GEBURTSDATUM 5. September 1875
GEBURTSORT Weinsberg
STERBEDATUM 15. August 1945
STERBEORT Bergedorf