Zvi Asaria

Zvi Asaria (Tsevi Azaryah); (geboren 8. September 1913 als Hermann Helfgott in Beodra, Österreich-Ungarn; gestorben 22. Mai 2002 in Savjon, Israel) war ein jugoslawisch-israelischer Rabbiner und Autor.

Leben

Hermann Helfgott war der Sohn des Hausierers Kolman Helfgott. Er studierte Theologie im Rabbinerseminar in Sarajevo und von etwa 1934 bis 1938 semitische Philologie in Wien (Vorlesungen in Geschichte, Geographie und Orientalistik). Nachdem er Anfang 1938 sein erstes Rigorosum bestanden hatte, brach er nach dem Anschluss Österreichs das Prüfungsverfahren ab und flüchtete nach Budapest, wo er sein theologisches Diplom erwarb und zum Dr. phil. promovierte. Kurzzeitig war er in Zrenjanin (Veliki Bečkerek) als Rabbi tätig, ehe er als Feldgeistlicher in die jugoslawische Armee eintrat. 1941 geriet er als Hauptmann in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er verbrachte drei Jahre in Lagern in Straßburg, Nürnberg und in Pommern. Schließlich kam er in das Offizierslager Oflag VI C in Osnabrück. Darüber – und über Bergen-Belsen – berichtete er in Wir sind Zeugen.

Nach der Befreiung durch die britische Armee war er zunächst kurz Rabbi in Nienburg, um dann – gemeinsam mit christlichen Geistlichen – den Überlebenden und Sterbenden des KZ Bergen-Belsen beizustehen. 1945 gründete er dort mit dem Regisseur Sami Feder das Kazett-Theater. Mit dem Rabbinerrat überwachte er das religiöse Leben im DP-Lager Belsen.

Im Februar 1947 wurde er in London zum Vertreter des Jüdischen Weltkongresses für Erziehung, Kultur und Religion ernannt. Ende Mai 1947 berief ihn der Rat der jüdischen Gemeinden in der britischen Besatzungszone zum Oberrabbiner. Im Sommer 1948 besuchte er im Auftrag der Jewish Agency jüdische Gemeinden in der britischen Besatzungszone und warb für den „Jüdischen Volksdienst“, also dafür, dass junge Juden in den gerade ausgerufenen Staat Israel einwanderten und sich zum Dienst in der israelischen Armee meldeten. Noch im gleichen Jahr kämpfte er im Rang eines Majors im Palästinakrieg mit. Mit der Annahme der israelischen Staatsbürgerschaft nahm er den Namen Zvi Asaria an.

1950 heiratete Asaria die 1932 in Antwerpen geborene Zionistin Malvine-Malka Bodner. Nachdem seine bildhübsche Frau in Israel zwei Fehlgeburten erlitten hatte, legte ihr Arzt ihr gemäßigteres Klima nahe. Dort musste nun für Zvi, der mit verschiedenen Tätigkeiten sein Geld verdiente, ein bezahlter Posten gefunden werden. „Mit dem Luxemburger-Abkommen 1952 hatten die Bundesrepublik Deutschland und Israel Reparationszahlungen vereinbart. Zur Umsetzung der Zahlungen – teilweise in Industriegütern getätigt – wurde in Köln die sogenannte Israel-Mission geschaffen. Asaria nahm in der Israel-Mission eine Stelle als Kulturattaché an und wurde zudem kurz nach seiner Ankunft zum Rabbiner der Kölner Synagogengemeinde berufen.“ 1953 kehrte er als Leiter der Kulturabteilung der Israel-Mission nach Deutschland zurück und wirkte gleichzeitig bis 1962 als Gemeinderabbiner in Köln.

Ab etwa 1965 teilte er seine Zeit zwischen israelischen Gemeinden in Savjon (Zentralbezirk) und niedersächsischen Gemeinden auf. Er war Mitbegründer der She'erit-Hapletah-Bewegung (Die letzten Überlebenden). Von 1966 bis 1970 war er Landesrabbiner von Niedersachsen.

Nachlass

Nach seinem Tod vermachte Malka Asaria-Helfgot, geb. Bodner, seine Sammlung dem Yad Vashem Archiv. Weitere Teile seines Nachlasses befinden sich im Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland und im Braunschweigischen Landesmuseum.

Kölner Synagogen-Schmiererei 1959

In der Nacht auf den ersten Weihnachtstag 1959 hatten in Köln zwei 25-Jährige, die zwei Jahre zuvor der DRP beigetreten waren, und auf deren Weihnachtsfeier ihre Untat angekündigt hatten, einen missliebigen Spruch auf einem Gestapo-Mahnmal übermalt und die drei Monate zuvor geweihte Synagoge Köln in der Roonstraße mit dem Spruch „Juden raus“ und vier 10–25 cm großen Hakenkreuzen beschmiert. Während die Entdecker, ein Primaner mit seiner Großmutter, die die Polizei riefen, die Schmiererei wegwischen wollten, wollte der herbeigerufene Rabbi Asaria zunächst Rücksprache mit dem SPD-Stadtverordneten und stellvertretenden Vorstand der Kölner Synagogen-Gemeinde Sally Kessler halten, die dann entschieden, dass die Schmiererei erst nach dem Sabbat entfernt werden dürfe. Danach war sie selbst durch ein Sandstrahlgebläse nur mangelhaft zu tilgen. Glaubensbrüdern aus dem Ausland hatten Asaria geraten, die Sudeleien als Menetekel eine Zeitlang stehen zu lassen. Der DRP-Kreisvorsitzende Ernst Custodis hatte die Tatverdächtigen noch am selben Tag der Polizei gemeldet.

Innenminister Josef Hermann Dufhues setzte im Weihnachtsfernsehen für die Ergreifung der – schon gefassten – Täter eine Belohnung von 10.000,- DM aus. In einem weiteren Prozess um die ramponierte Ehre des Innenministers Dufhues durch DRP-Mitglieder entfuhr dem Oberamtsrichter Buchwald, dass die politische Polizei bei der Aufklärung des Synagogen-Falls einen „Zirkus“ inszeniert hätten – entschied sich später jedoch für ein „Durcheinander“.

Schönen gab in seiner Vernehmung an: „Ich wollte dagegen protestieren, dass artfremde Einflüsse in der Bundesrepublik Oberhand gewinnen. Die Juden sollen nicht alle führenden Stellen in der Politik und Wirtschaft besetzen.“ Außerdem gab er zu Protokoll, dass NS-Mahnmale die im Dritten Reich vorhandenen positiven Seiten ignorieren würden. Stunk meinte, er habe „unmissverständlich auf die Judenfrage hinweisen wollen.“ Zwei Wochen nach ihrer Festnahme begann der Prozess. „Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Köln verurteilte Strunk zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis und Schönen zu zehn Monaten. Das Gericht begründete die eher milde Strafe mit der primitiven geistigen Veranlagung und der daraus resultierenden leichten Verführbarkeit der Täter, sowie mit der Feststellung, die staatliche Ordnung sei durch die Tat noch nicht sonderlich gefährdet worden.“

Bis Ende Januar 1960 wurden 470 ähnliche Vorfälle registriert, die als „antisemitische Schmierwelle“ in die Geschichte der Bundesrepublik eingingen. Der Ostblock schimpfte und in London und New York gab es Demonstrationen mit bis zu 15.000 Teilnehmern. Die Neufassung des §130 StGB (Volksverhetzung), die zuvor auf Betreiben von Franz Böhm auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden war, wurde nun vorangebracht und im März 1960 verabschiedet. Ferner gab es einen neuen §96a StGB für das öffentliche Verwenden nationalsozialistischer Kennzeichen oder Symbole verbotener Parteien.

In der Nacht des 30. Dezember wurde auch eine Synagoge in Notting Hill, London, entstellt. Danach ereigneten sich weitere ähnliche Vorfälle in Aximinster bis York; fünf jüdische Parlamentsmitglieder wurden bedroht. In den Vereinigten Staaten wurden Hakenkreuze gemalt, antisemitische Parolen gezeigt und jüdisches Eigentum angegriffen. Später breiteten sich ähnliche Vorfälle auf etwa 34 Länder aus. In den USA berichtete die Anti-Defamation League von B’nai B’rith über etwa 637 einzelne Vorfälle in 236 Städten, die von der Herstellung und Ausstellung von Hakenkreuzen (84 %), Post-, Telefon- oder persönlichen Drohungen (11 %) bis hin zu körperlichen Schäden (5 %) reichen. 20 Prozent der Ziele sind öffentliche Schulen, Bibliotheken und Hochschulgebäude. Auch in Italien gab es zahlreiche Episoden, wo eine lebhafte Debatte über die historischen Verantwortlichkeiten des Faschismus entstand.

Zu dieser Zeit wurde eine kommunistische Verschwörung vermutet. Die britische Geheimdienstgemeinschaft veröffentlichte Anweisungen aus Moskau an ihre Agenten, die darauf hindeuten, dass Moskau höchstwahrscheinlich hinter den weltweiten Geschehnissen steckte.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Rabbiner Dr. Zvi Asaria-Helfgott. Seelsorger, Denker und Schriftsteller. In: isro-press.net. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Februar 2013; abgerufen am 31. Dezember 2016.
  2. ↑ Hermann Helfgot (Memento vom 10. September 2012 auf WebCite)
  3. ↑ Nicola Schlichting: „Öffnet die Tore von Erez Israel“. Das jüdische DP-Camp Belsen 1945–1948. Antogo-Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-9806636-9-8, S. 83.
  4. ↑ Zvi Asaria. In: cologne-info.de. Abgerufen am 31. Dezember 2016.
  5. ↑ Rainer Lahmann-Lammert: Förderverein will Gedenkstätte im Lager Osnabrück-Eversheide einrichten. In: noz.de. 2. April 2011, abgerufen am 31. Dezember 2016.
  6. ↑ GBB - Gedenkort. In: bergen-belsen.stiftung-ng.de. Abgerufen am 31. Dezember 2016.
  7. ↑ Zvi Asaria: Wir sind Zeugen. Erlebnisbericht eines Juden aus deutschen Lagern. Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Braunschweig 1975, S. 171–172.
  8. ↑ Yad Vashem: Rabbi Dr. Zvi Asaria-Hermann Helfgott, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  9. ↑ Amis de la Fondation pour la Mémoire de la Déportation de l’Allier: [https://web.archive.org/web/20141228212346/https://www.afmd-allier.com/PBCPPlayer.asp?ID=553585 Abraham et Malvine Bodner, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  10. ↑ https://web.archive.org/web/20250420193921/https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/zvi-asaria-hermann-helfgott-/DE-2086/lido/67ea8077947619.56358365
  11. ↑ Yad Vashem: Immigration to Israel and Public Activities, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  12. ↑ Anke Quast: Nach der Befreiung. Jüdische Gemeinden in Niedersachsen seit 1945. Das Beispiel Hannover. Wallstein-Verlag, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-447-1, S. 413.
  13. ↑ Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Findbuch zum Bestand B.1/6: Materialiensammlung von Landesrabbiner Dr. Zvi Asaria zur Geschichte der Juden in Niedersachsen.
  14. ↑ Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Findbuch zum Bestand B.1/6: Materialiensammlung von Landesrabbiner Dr. Zvi Asaria zur Geschichte der Juden in Niedersachsen, S. II.
  15. ↑ http://www.v-like-vintage.net/uploads/images/Cropped700/00072867.jpg
  16. ↑ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43062898.html
  17. ↑ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43063098.html
  18. ↑ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43159756.html
  19. ↑ Eva Gruberová: Diagnose: Judenhass; S. 26 (Online)
  20. ↑ Miriam Gripp: Rechtsextremismus und historisch-politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR zwischen 1958 und 1965 im Vergleich; S. 29 (Online)
  21. ↑ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43065240.html
  22. ↑ https://www.jstor.org/stable/799237
Personendaten
NAME Asaria, Zvi
ALTERNATIVNAMEN Azaryah, Tsevi; Helfgott, Hermann (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG jugoslawisch-israelischer Rabbiner und Autor
GEBURTSDATUM 8. September 1913
GEBURTSORT Beodra
STERBEDATUM 22. Mai 2002
STERBEORT Savjon