Hermann Kulke

Hermann Kulke (* 30. Mai 1938 in Berlin; † 1. März 2026) war ein deutscher Historiker und Indologe. Er war Professor der asiatischen Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Seine Veröffentlichungen befassen sich mit der Geschichte Indiens, vor allem der Vormoderne, der Regionalkultur und -geschichte Orissas, Staatsbildung und -aufbau sowie den historischen Beziehungen zwischen Indien und Südostasien.

Wirken

Kulke studierte Indologie, asiatische Geschichte und Politikwissenschaften in Freiburg und Madras. Im Jahr 1967 wurde er in Freiburg mit einer Arbeit über Chidambaram Mahatmya, die Gründungslegende aus dem 12. Jahrhundert des Nataraja-Tempels in Chidambaram, promoviert. Von 1967 bis 1988 war er am Südasien-Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg als Assistent und außerplanmäßiger Professor für indische Geschichte tätig. 1975 habilitierte er sich dort. Von 1988 bis 2003 hielt er den Lehrstuhl für Asiatische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Kiel. Zahlreiche Forschungsaufenthalte in Sri Lanka und Indien sowie Indonesien und Kambodscha folgten.

Gastprofessuren hatte er inne in Bhubaneswar/Orissa (1978/1979), an der Asiatic Society, Kalkutta (1986) und an der Jawaharlal Nehru University, Delhi (1992), in der Folge war er Visiting Research Fellow am Institute of Southeast Asian Studies in Singapur (1987) und am Asia Research Institute der Universität Singapore.

Die Arbeits- und Interessenschwerpunkte Kulkes waren die Geschichte Asiens mit den Schwerpunkten Indien und Südostasien, insbesondere frühstaatliche Entwicklung, Geschichtsschreibung, Regionalkulturen (insbesondere Orissa), und indische Einflüsse in Südostasien sowie Indian Ocean Studies.

Kulke nahm als Projektmitglied am ersten Orissa-Forschungsprojekt der DFG über den Jagannatha-Kult einer speziellen Form des Gottes Vishnu und dessen Tempel- und Wagenfest (Ratha Yatra) in der Stadt Puri in Orissa von 1970 bis 1975 teil. Etwa 25 Jahre später übernahm er die Leitung des zweiten Orissa-Projekts (1999 bis 2005). Nachdem sich das erste Projekt mit den politischen und religiösen Zentren (vergleiche: Jagannath-Tempel) entlang der Küste auseinandergesetzt hatte, verfolgte das zweite Projekt die Erforschung der Geschichte und lokalen Traditionen der Volksgruppen und Stammesbewohner im Hinterland Orissas.

Zudem war er Koordinator des DFG-Schwerpunktprogrammes „Umstrittene Zentren: Konstruktion und Wandel sozio-kultureller Identitäten in der indischen Region Orissa“ (1999–2005).

Hermann Kulke war der Sohn von Erich Kulke und der Bruder von Wilhelm Kulke und Ulli Kulke.

Er starb Anfang März 2026 in Kiel.

Auszeichnungen

Publikationen

Festschriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Traueranzeige. In: trauer-anzeigen.de. März 2026, abgerufen am 14. März 2026.
  2. ↑ Einladung zum Gesprächsabend mit Prof. Dr. Hermann Kulke. (PDF) Deutsch-Indische Gesellschaft Kiel, abgerufen am 11. März 2026.
  3. ↑ Prof. Dr. phil. Hermann Kulke. In: Historisches Seminar. Christian-Albrechts Universität Kiel, abgerufen am 11. März 2026.
  4. ↑ Bhubaneswar: Legacy of Hermann Kulke: A Tribute to the Historian Bringing Odisha to the World. In: devdiscourse.com. 10. März 2026, abgerufen am 10. März 2026 (englisch).
  5. ↑ German Indology professor awarded Padma Shri. German Information Centre New Delhi, 8. April 2010, archiviert vom Original am 16. Dezember 2010; abgerufen am 11. März 2026 (englisch).