Hermann Sarrazin

Hermann Ludwig Sarrazin (* 30. Januar 1831 in Bocholt, Provinz Westfalen; † 23. Oktober 1888 in Konstantinopel, Osmanisches Reich) war ein deutscher Eisenbahningenieur.

Leben

Sarrazin wurde als drittältester Sohn des salm-salmschen Kammerdirektors Franz Joseph Heinrich Sarrazin (1803–1858) und dessen Ehefrau Maria Anna „Jenny“ Kreuzhage (1802–1876), einer Schwester des Göttinger Philosophen Albert Kreuzhage, in Bocholt geboren. Am 31. Januar 1831 wurde er in der Pfarrkirche St. Georg katholisch getauft. Als Kind des Kammerdirektors wuchs er unter zwölf Geschwistern in einer Dienstwohnung des Fürsten Florentin zu Salm-Salm im Weißen Stift in Bocholt auf. Ein älterer Bruder war der spätere Richter und Abgeordnete Joseph Sarrazin, jüngerer Bruder war der spätere Baubeamte und Sprachpurist Otto Sarrazin.

Sarrazin besuchte das Gymnasium Paulinum in Münster. 1858 legte er nach einem Studium des Bauingenieurwesens an der Berliner Bauakademie in der preußischen Bauverwaltung die Prüfung als Baumeister ab. Als solcher fand er seine erste berufliche Tätigkeit bei der Planung und beim Bau der Köln-Gießener Eisenbahn. Bei seiner anschließenden Planung und Bauleitung der Schlesischen Gebirgsbahn waren sechs große Tunnelbauwerke bei Waldenburg eine besondere technische Herausforderung. Drei Jahre arbeitete er danach als Kreisbaumeister für den Landkreis Waldenburg, ehe er sich von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft als Betriebsinspektor der Bahnstrecke Deutz–Gießen anstellen ließ. Nachdem er in dieser Stellung neun Jahre gearbeitet hatte, ging er 1879 nach Wiesbaden, um unter der Leitung von Karl Lang für die Orientalischen Eisenbahnen des Unternehmers Moritz von Hirsch die Bauleitung des gesamten Bahnnetzes für den europäischen Teil des Osmanischen Reichs zu übernehmen. Als oberster Bau- und Betriebsleiter und Nachfolger von Lang zog er schließlich 1885 nach Konstantinopel. Sein letztes Projekt war dort die Planung des Müşir-Ahmet-Paşa-Bahnhofs, der als Endstation des Orient-Express berühmt werden sollte. Während der Bahnhof nach einem Entwurf des Architekten August Jasmund gebaut wurde, verstarb Sarrazin im Alter von 57 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlags.

Sarrazin hatte mit Amalia Sophia Maria Diericks (1835–1899), die er am 18. Oktober 1860 in Münster geheiratet hatte, zwei Söhne und drei Töchter. An den Wurzeln seiner Familie interessiert, war er einer der ersten, der systematisch genealogische und biographische Daten der in Deutschland ansässigen Familien Sarrazin zusammentrug.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Taufregister St. Georg, Bocholt: 1822–1836, S. 229 Nr. 15
  2. ↑ Hermann Sarrazin †. In: Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens in technischer Beziehung. 44. Jahrgang, neue Folge, 26. Band (1889), S. 77 f. (Google Books)
  3. ↑ Familienarchiv Sarrazin, Objektdatenblatt im Portal deutsche-digitale-bibliothek.de, abgerufen am 15. Mai 2026
Personendaten
NAME Sarrazin, Hermann
ALTERNATIVNAMEN Sarrazin, Herrmann Ludwig
KURZBESCHREIBUNG deutscher Eisenbahningenieur
GEBURTSDATUM 30. Januar 1831
GEBURTSORT Bocholt, Provinz Westfalen
STERBEDATUM 23. Oktober 1888
STERBEORT Konstantinopel, Osmanisches Reich