Hermann Trimborn

Hermann Josef Trimborn (* 15. Mai 1901 in Bonn; † 29. August 1986 ebenda) war ein deutscher Altamerikanist und Ethnologe. Er war von 1966 bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor für Völkerkunde in Bonn.

Leben

Hermann Trimborn war der Sohn von Gertrud Trimborn, geborener Wirtz und des Bonner Schlossermeisters und Fabrikanten Wilhelm Trimborn. Er besuchte das Realprogymnasium in Bonn und erlangte 1918 das Abitur. Danach studierte er Medizin und Naturwissenschaften, später Staatswissenschaften an der Universität Bonn und in München. 1923 wurde er bei Heinrich Dietzel in Bonn mit der Dissertation Zum Kollektivismus der Inka in Peru zum Dr. rer. pol. promoviert. Er arbeitete in der Schlosserei seines Vaters und absolvierte 1925 die Gesellenprüfung. Parallel dazu hörte er völkerkundliche Vorlesungen bei Fritz Graebner. 1929 habilitierte er sich mit der Schrift Das Recht der Chibcha in Kolumbien und begann im selben Jahr seine Lehrtätigkeit als Privatdozent.

Von 1933 bis 1936 lehrte Trimborn als Professor an der Universität Madrid und von 1936 bis zu seiner Emeritierung 1969 an der Universität Bonn. Dort wurde er 1939 außerplanmäßiger Professor und gründete er 1948 das Seminar für Völkerkunde, die heutige Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie, und die Archäologisch-ethnographische Lehr- und Studiensammlung des Seminars, das heutige BASA-Museum (Bonner Amerikas-Sammlung).

Er nahm 1939 als Delegierter des Deutschen Reiches am International Congress of Americanists in Mexico teil. Eine Reihe von Kongress- und Forschungsreisen führten ihn in den folgenden Jahrzehnten hauptsächlich nach Südamerika.

Trimborn erforschte insbesondere indianische Kulturen in Südamerika. Zusammen mit Leonhard Adam gab er das Lehrbuch der Völkerkunde heraus, das lange Zeit als Standardwerk galt. Darüber hinaus war er Mitherausgeber der ethnologischen Buchreihe Kulturgeschichtliche Forschungen.

Er forschte auf dem Gebiet der Quechua-Literatur. In den 1930er Jahren entdeckte er das lange Zeit unbeachtete, auf Quechua verfasste Huarochirí-Manuskript vom Ende des 16. Jahrhunderts an der Königlichen Bibliothek in Madrid wieder, übersetzte es ins Deutsche und veröffentlichte es 1939 in einer zweisprachigen Ausgabe. Die Arbeiten wurden durch den Spanischen Bürgerkrieg stark behindert. Nachdem der Großteil der Auflage durch den Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, erschien 1967 eine erweiterte und überarbeitete, gemeinsam mit Antje Kelm erarbeitete Ausgabe. 1964 wurde Trimborn außerordentlicher und 1966 ordentlicher Professor in Bonn.

Hermann Trimborn war katholisch und heiratete nach dem Tod seiner ersten Ehefrau ein zweites Mal.

Auszeichnungen (Auswahl)

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn
  2. ↑ BASA-Museum (Bonner Amerikas-Sammlung)
  3. ↑ Leonhard Adam, der dieses Buch konzipiert hatte, wurde in der ersten Auflage (1937) als Herausgeber wegen seiner jüdischen Herkunft nicht genannt, es wurden aber Aufsätze von ihm im Buch veröffentlicht. In der zweiten Auflage (1939) fehlt jeder Hinweis auf ihn. Das änderte sich erst ab der dritten Auflage (1958). Vgl. dazu: Bernhard Großfeld (Hrsg.): Rechtsvergleicher. Verkannt, vergessen, verdrängt. Lit, Münster 2000, S. 160–161.
Personendaten
NAME Trimborn, Hermann
ALTERNATIVNAMEN Trimborn, Hermann Josef (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Amerikanist, Ethnologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 15. Mai 1901
GEBURTSORT Bonn
STERBEDATUM 29. August 1986
STERBEORT Bonn