Hildegard Jadamowitz

Hildegard „Hilde“ Jadamowitz (geboren am 12. Februar 1916 in Berlin-Neukölln; gestorben am 18. August 1942 in Berlin-Plötzensee) war eine deutsche kommunistische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Am 4. Oktober 1912 hatte der katholische Bügler Paul Johannes Joseph (Hans) Jadamowitz (1889–1960) in Berlin die hochschwangere jüdische Putzmacherin Margarete Wolff (1893–1933) geheiratet. Denn bereits am 30. Oktober 1912 wurde in Berlin-Neukölln Beatrice geboren, die ältere Schwester von Hildegard. Am 21. August 1914 starb in Berlin-Neukölln im Alter von zwei Monaten ihre andere Schwester, die vor ihr bereits den Namen Hildegard erhalten hatte.

Hildegard Jadamowitz wuchs zusammen mit ihrer Schwester Beatrice bei ihrer jüdischen Großmutter Friederike (Rachel) Wolff (geb. Stentsch; 1863–1935) auf, ihre Eltern hatten sich nach ihrer Geburt getrennt, aber nicht scheiden lassen.

Nach dem Abschluss einer Neuköllner Schule, der heutigen Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, im Jahre 1929, in der sie drei Schulklassen übersprungen hatte, war sie lange Zeit arbeitslos. Sie trat als Fünfzehnjährige 1931 in den Kommunistischen Jugendverband ein.

Am 27. März 1933 starb ihre Mutter im Alter von nur 39 Jahren in Berlin-Prenzlauer Berg im Hufeland-Hospital, sie wohnte zu dieser Zeit in der Prenzlauer Allee 63.

Ab 1933 arbeitete Hildegard als Fabrikarbeiterin und Verkäuferin. Sie besuchte Abendkurse, um sich als Sprechstundenhelferin ausbilden zu lassen. Ebenfalls ab 1933 war sie Mitglied der KPD-Betriebszelle in der Lorenz AG in Tempelhof.

Am 13. Dezember 1935 starb in Berlin-Neukölln ihre Großmutter Friederike Wolff, die zu dieser Zeit in der Kaiser-Friedrich-Straße 164 (heute Sonnenallee 157) wohnte.

Ab 1935 wirkte sie in der illegalen „Internationalen Arbeiterhilfe“ in Berlin mit. Dort lernte sie ihren späteren Verlobten Werner Steinbrinck kennen, den sie aber nicht heiraten konnte, da sie als „Mischling ersten Grades“ galt.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Beatrice beteiligte sie sich an Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe um Joachim Franke. Im Frühjahr 1936 wurde sie unter dem Verdacht der Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet, musste aber mangels Beweisen nach neun Monaten in Untersuchungshaft freigesprochen werden.

Nach ihrer Freilassung arbeitete sie als Arzthelferin und wechselte als Hilfskraft in eine Praxis für Radiologie und Strahlenmedizin nach Tegel. Sie bereitete sich dort weitgehend autodidaktisch auf die Prüfung zur Röntgenassistentin vor. Sie nutzte ihre Anstellung, um politisch Verfolgten zu helfen, versorgte sie mit Geld, Lebensmitteln und Medikamenten und beteiligte sich an Sabotageakten.

Über ihren Verlobten Werner Steinbrinck erhielt sie Kontakt zu weiteren Widerstandsgruppen, insbesondere zur Uhrig-Römer-Gruppe und zur Herbert-Baum-Gruppe. Am 18. Mai 1942 war sie am Brandanschlag auf die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjet-Paradies“ im Berliner Lustgarten beteiligt. Am 22. Mai 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet und am 16. Juli mit mehreren anderen Mitgliedern der Gruppe um Herbert Baum vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode durch Enthaupten verurteilt. Um 5.15 Uhr am Morgen des 18. August 1942 wurde sie – 12 Minuten nach ihrem Verlobten – im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. Zuletzt lebte sie am Tile-Brügge-Weg 111 in Tegel.

Ihr Vater Hans Jadamowitz starb 1960 in Berlin-Pankow. Ihre Schwester Beatrice Jadomowitz lebte nach der Befreiung 1945 ebenfalls in der DDR, war Mitglied der SED und Kaderleiterin in einem Betrieb. Sie starb 1993 in Berlin.

Ehrungen

Gedenktafel an der ehemaligen Rütli-Oberschule (heute Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli)

In Altthymen in der Stadt Fürstenberg/Havel in Brandenburg, auf dem früheren Gut Mühlenhof, gab es von 1946 bis 1965 ein Kinderheim, das nach ihr benannt worden ist.

1956 erhielt der Kindergarten Stalinallee-Süd den Namen Hildegard Jadamowitz, heute die Kita Kita Entdeckerland in der Hildegard-Jadamowitz-Straße 1.

Seit 1957 ist in Berlin-Friedrichshain eine Straße nach Hildegard Jadamowitz benannt.

1976 wurde der Kinderkrippe Bohnsdorf in Berlin-Treptow der der Ehrenname „Hilde Jadamowitz“ gegeben.

Außerdem erinnern Gedenktafeln am Berliner Lustgarten, an der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli in Neukölln und der Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee an sie.

In der Gedenkstätte der Sozialisten ist ihr Name auf der großen Porphyr-Gedenktafel verzeichnet.

Gedenken

Der Berliner Gedenkstein im Lustgarten

Heute erinnern nur noch zwei der Baum-Gruppe gewidmete Gedenksteine in Berlin namentlich auch an Hildegard Jadamowitz.

Literatur

Commons: Hildegard Jadamowitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 StA Charlottenburg von Berlin, Nr. 3504/1942
  2. ↑ Margot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum und Kampfgefährten. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1978, S. 137.
  3. ↑ Cristina Fischer: Nicht einen Augenblick aufgegeben. In: junge welt. 12. Februar 2026, abgerufen am 13. Februar 2026.
  4. ↑ Hildegard Jadamowitz. In: Gedenkstätte Plötzensee. Abgerufen am 30. Dezember 2023.
  5. ↑ Beatrice Jadamowitz Kommunistin, als „Halbjüdin“ verfolgt, auf antifaschistinnen-aus-anstand.de
  6. ↑ Kindergarten Hildegard Jadamowitz auf Seite 6 am 6. Dezember 1956 In: Neues Deutschland
  7. ↑ Kinderkrippe Hilde Jadamowitz auf Seite 8 am 27. Mai 1976 In: Neues Deutschland
  8. ↑ Widerstandsgruppe um Herbert Baum Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 10. August 2026.
  9. ↑ Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 12. Juni 2024.
  10. ↑ Dana Schulze, Karin Manke: Streifzüge durch Treptow. Stapp Verlag Berlin 1997, S. 120.
Personendaten
NAME Jadamowitz, Hildegard
ALTERNATIVNAMEN Jadamowitz, Hilde
KURZBESCHREIBUNG deutsche kommunistische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus
GEBURTSDATUM 12. Februar 1916
GEBURTSORT Berlin-Neukölln
STERBEDATUM 18. August 1942
STERBEORT Berlin-Plötzensee