Hill Museum & Manuscript Library

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Die Hill Museum & Manuscript Library (Abkürzung hmml) ist eine gemeinnützige Einrichtung auf dem Campus der Saint John’s University in Collegeville, Minnesota, USA. Sie fotografiert und katalogisiert Handschriften aus Bibliotheken und Archiven auf der ganzen Welt und stellt die Aufnahmen online bereit. Zudem verwahrt sie Rara, Kunstwerke und die Handschrift der Saint John’s Bible der Universität.

Geschichte

Gründung

Die Gründung steht im Zusammenhang mit der Benediktinerabtei Saint John’s Abbey und der gleichnamigen Universität in Collegeville. Angesichts der Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg und der Sorge vor einem Atomkrieg in Europa stellten sich die Verantwortlichen der Abtei und der Universität die Frage, wie sich die Zerstörung des kulturellen Erbes verhindern ließe. Oliver Kapsner OSB und Abt Baldwin Dworschak OSB erkannten in der Mikroverfilmung von Klosterhandschriften ein geeignetes Vorhaben für Saint John’s. Das Projekt wurde als Programm der Saint John’s University unter dem Namen Monastic Manuscript Microfilm Library (MMML) aufgenommen. Die Verfilmungsarbeiten begannen im April 1965 in Österreich unter Kapsners Leitung. Sie betrafen zunächst Bibliotheken benediktinischer Klöster in Österreich und Deutschland. Zu den frühen Beständen gehörte die armenische Sammlung der Mechitaristen in Wien.

1975 erhielt die Einrichtung den Namen Hill Monastic Manuscript Library. Damit wurde die Familie Hill aus Minnesota geehrt, deren Stiftung in den Anfangsjahren wesentliche finanzielle Unterstützung leistete. Im Jahr 2005 erfolgte die Umbenennung in Hill Museum & Manuscript Library. Als Begründung nennt die Einrichtung die Betreuung und Präsentation der Saint John’s Bible sowie der Rara- und Kunstsammlungen der Universität.

Erweiterung des Tätigkeitsfeldes

Getatchew Haile beim Lesen von Ge'ez-Handschriften im Hill Museum & Manuscript Library

Nach den Anfängen in Österreich weitete die Einrichtung ihre Arbeit auf Handschriftenbestände in anderen europäischen Ländern sowie in Afrika, im Nahen Osten und in Südindien aus. In Äthiopien entstand die Ethiopian Manuscript Microfilm Library (EMML) mit mehr als 9000 verfilmten Handschriften. Als Kurator für äthiopische Handschriften wird in einer Veröffentlichung der Catholic Near East Welfare Association Getatchew Haile genannt.

Seit 2003 ist Columba Stewart OSB, Mönch der Saint John’s Abbey, Exekutivdirektor. In diesem Jahr ging die Einrichtung eigenen Angaben zufolge von der Mikroverfilmung, zuvor in Schwarzweiß, zur digitalen Farbfotografie über. Seither liegt ein Schwerpunkt auf Handschriften aus Regionen, die durch Krieg, politische Instabilität oder andere Gefahren bedroht sind. Genannt werden unter anderem Projekte zu den Handschriftensammlungen der Altstadt von Jerusalem und zu Familienbibliotheken aus Timbuktu. Der Katalog der Saint John’s University verzeichnet für das Studienjahr 2021/22 Arbeiten an Standorten im Libanon, im Irak, in der Jerusalemer Altstadt, in Indien, in Ägypten, in Mali, in Äthiopien und auf Malta. Die Aufnahmen vor Ort werden laut der Einrichtung von lokalen Technikern durchgeführt, die von ihr ausgebildet, beaufsichtigt und bezahlt werden. Dabei werden Originalhandschriften nicht aus den besitzenden Bibliotheken entfernt.

Gebäude

Die Einrichtung befindet sich im Untergeschoss der Alcuin Library auf dem Campus der Saint John’s University. Die Alcuin Library wurde von 1964 bis 1966 nach Plänen von Marcel Breuer errichtet und ist nach Alcuin von York benannt. Als Teil des von Breuer und seinem Büro geplanten Ausbaus des Campus umfasst sie einen großen Lesesaal, dessen Dach laut dem Bildarchiv des MIT auf zwei Betonstützen ruht. Der keilförmige Anbau im Untergeschoss, in dem sich die Einrichtung befindet, wurde 1975 hinzugefügt und beherbergt das Bush Center. Die Quellen zur Urheberschaft sind uneinheitlich: Die MIT-Bilddatenbank Dome nennt Marcel Breuer, die SAH Archipedia hingegen Hamilton Smith als Entwerfer des Bush Centers beziehungsweise der Hill Monastic Manuscript Library im Jahr 1974.

Im Jahr 2000 wurde die Bibliothek erweitert, wodurch mehr Raum für die Einrichtung entstand. Zwischen 2015 und 2017 wurde die Alcuin Library umgebaut. Die Einrichtung selbst nennt zudem eine Renovierung im Jahr 2014.

Sammlung und Tätigkeit

Meister von Rouen (zugeschrieben): Heimsuchung Mariens, Miniatur im Stundenbuch nach dem Gebrauch von Rouen, um 1450–1475, Pigmente und Gold auf Pergament, fol. 52r, Hill Museum & Manuscript Library, Rare Book and Manuscript Collection

Die Bestände der Einrichtung sind Fotografien beziehungsweise Mikrofilme von Handschriften, keine Originale. Die Angaben zum Umfang unterscheiden sich je nach Quelle und Datum: So nennt eine Veröffentlichung der CNEWA nach etwa 40 Jahren Tätigkeit mehr als 30 Millionen Seiten. Die Seite The Clio nennt 135.000 Handschriften mit 45 Millionen Seiten (abgerufen 2015). Ein Vortrag aus dem Jahr 2016 nennt mehr als 150.000 Handschriften, davon 50.000 seit 2003 im Nahen Osten, in Indien und Afrika. Ein undatiertes Firmenprofil der Einrichtung nennt rund 486.000 Handschriften, die in Zusammenarbeit mit mehr als 1500 Einrichtungen weltweit entstanden sind. Die Einrichtung bezeichnet ihre Sammlung selbst als die weltweit größte Sammlung von Handschriftenfotografien.

Museum, Rara und Kunst

Zum Museumsbereich gehören die Zimelien- und Kunstsammlung der Universität, darunter die Arca Artium Collection, sowie die Saint John’s Bible. Letztere wurde im Jahr 1998 von der Saint John’s Abbey und University in Auftrag gegeben. Laut einer Publikation der Einrichtung zählen zu den Ausstellungsräumen die Saint John’s Bible Gallery, die Genesis Gallery und die Culhane Gallery.

Online-Zugang

Die digitalisierten Handschriften und Katalogdaten werden über das Portal vHMML (Reading Room und Museum) bereitgestellt. Die Nutzung ist kostenlos.

Commons: Hill Museum & Manuscript Library – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Home - Saint John’s Bible. Abgerufen am 22. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 History. Abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Saint John's Abbey. 9. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Äthiopische Handschriften | Orientabteilung | Staatsbibliothek zu Berlin. Abgerufen am 22. Oktober 2026.
  5. ↑ HMML Museum. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  6. ↑ Virtual Hill Museum & Manuscript Library. Abgerufen am 22. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).