Hippolyte Michaud

Hippolyte Michaud: Selbstporträt im Dreiviertelprofil nach rechts (Autoportrait de trois-quarts à droite)

Hippolyte Michaud (* 20. August 1823 in Beaune; † 5. September 1886 in Beaune) war ein französischer Maler, der vor allem für seine Genreszenen, Porträts und Stillleben bekannt ist. Er war zeitweise Konservator des Musée des Beaux-Arts de Beaune.

Leben

Hippolyte Michaud wurde in Beaune im Département Côte-d’Or geboren. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht gesichert. Während das Thieme-Becker-Lexikon 1813 nennt, geben Händlerbeschreibungen und die Museumsdokumentation 1823 an. Er war Schüler von Anatole Devosge in Dijon. Nach Angaben aus dem Kunsthandel besuchte er ab 1840 die École des Beaux-Arts in Dijon. 1843 wechselte er nach Paris in das Atelier von Léon Cogniet. 1846 stellte er erstmals auf dem Salon aus. Danach kehrte er nach Beaune und später nach Dijon zurück. 1853 hatte er mit dem Gemälde Le corps meurt, l’esprit reste (zu Deutsch etwa: Der Körper stirbt, der Geist bleibt) seinen ersten Erfolg. Das Werk wurde vom französischen Staat erworben und befindet sich heute im Musée des Beaux-Arts in Beaune. 1860 unternahm er eine Reise nach Italien. Auf dem Salon von 1865 zeigte er das Gemälde La mansarde, das ebenfalls vom Staat angekauft wurde. 1867 stellte er auf dem Salon ein Stillleben mit dem Titel Divers fruits des vignes de Beaune aus. 1871Hippolyte Michaud wurde Konservator des Musée des Beaux-Arts in Beaune. Michaud starb am 5. September 1886.

Werk

Hippolyte Michaud: Zuschauer im Theater (Spectateurs au théâtre), Rijksmuseum, Amsterdam

Hippolyte Michaud malte Genrebilder, Porträts und Stillleben. Laut Thieme-Becker (1930) befanden sich im Musée des Beaux-Arts de Dijon die Gemälde Le Corps meurt et l’Esprit reste, ein Stillleben, ein Selbstbildnis, Nach dem Ball, Die drei Lebensalter sowie eine Studie mit Frauen und Geschmeide. Drei Bilder besaß das Rijksmuseum in Amsterdam, zwei das Musée des Beaux-Arts in Beaune. Für die Karmeliterkapelle in Dijon schuf er ein Herz-Jesu-Bild.

La Mansarde

La Mansarde ist ein Ölgemälde, das im Jahr 1865 entstand. Es wurde für den Pariser Salon von 1865 geschaffen und befindet sich heute im Musée des Beaux-Arts de Beaune in Beaune, Frankreich. Mit einer Größe von 212 × 300 cm ohne Rahmen ist es das größte Gemälde der Museumssammlung.

Das Gemälde zeigt einen unter dem Dach gelegenen Künstlerraum, der weitgehend im Halbdunkel liegt. Im Vordergrund befinden sich typische Arbeitsutensilien eines Malers, darunter eine Zeichenmappe, ein Hocker, eine Palette und Pinsel. Im Hintergrund ist ein Bett zu sehen, über dem ein Frauenporträt hängt. Durch ein geöffnetes Dachfenster fällt ein diagonaler Lichtstrahl in den Raum. Innerhalb dieser Lichtzone sind mehrere Figuren dargestellt: eine allegorische Gestalt mit einem Lorbeerzweig, ein sich umarmendes Paar, ein Putto mit einem Weinkelch sowie eine betende Figur.

Die Komposition verbindet die Darstellung eines bescheidenen Künstlerateliers mit allegorischen Figuren. Der Lorbeerzweig steht dabei für den Ruhm, während das Liebespaar und der Putto mit dem Weinkelch auf sinnliche Themen verweisen. Die betende Gestalt wird als Symbol der Hoffnung beschrieben. Das Zusammenspiel dieser Figuren mit dem Lichteinfall ist ein wesentliches Element der Bildgestaltung.

Hippolyte Michaud fertigte mehrere Vorzeichnungen für das Gemälde an, die heute ebenfalls im Musée des Beaux-Arts de Beaune aufbewahrt werden. Laut Angaben des Museums war ursprünglich ein Hochformat vorgesehen. Während des Entstehungsprozesses entschied sich der Künstler jedoch für eine horizontale Komposition. In der endgültigen Fassung wurde ein in den Vorstudien dargestelltes Violoncello weggelassen.

Über sein Gemälde schrieb der Künstler Folgendes: J’ai voulu représenter dans ce rayon de soleil les grandes passions qui éclairent ou assombrissent la mansarde – la poésie – la douleur – l’amour – la gaieté bachique – la prière ou l’ardent désir – l’extase ou la quiétude – au chevet de la couche, un portrait de femme comme on rêve l’Égérie du lieu. (Ich wollte in diesem Sonnenstrahl die großen Leidenschaften darstellen, die die Mansarde erhellen oder verdunkeln – die Poesie – den Schmerz – die Liebe – die bacchantische Fröhlichkeit – das Gebet oder das brennende Verlangen – die Ekstase oder die Stille – am Kopfende des Bettes ein Frauenporträt, wie man sich die Muse dieses Ortes erträumt.)

La Mansarde wurde 1865 im Pariser Salon ausgestellt. Der französische Schriftsteller und Kunstkritiker Théophile Gautier äußerte sich anerkennend über das Werk. 1867 erwarb der französische Staat das Gemälde für 1200 Francs. Im folgenden Jahr wurde es dem Musée des Beaux-Arts de Beaune als Leihgabe überlassen. 2007 ging das Gemälde in das Eigentum des Museums über.

Literatur

Commons: Hippolyte Michaud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ir ead visu lien. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (französisch).
  2. 1 2 3 Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 24. E. A. Seemann, Leipzig 1930, S. 510.
  3. ↑ Musée des Beaux-Arts de Beaune - Série « Trésors cachés » : « La Mansarde » : un chef-d'œuvre de lumière et de mélancolie - Toute l'actualité de Beaune et du Pays Beaunois gratuite en un 1 clic. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (französisch).
Personendaten
NAME Michaud, Hippolyte
KURZBESCHREIBUNG französischer Genre-, Porträt- und Stilllebenmaler
GEBURTSDATUM 20. August 1823
GEBURTSORT Beaune
STERBEDATUM 5. September 1886
STERBEORT Paris