Hiserle von Chodau (alternative Schreibweise: Hießerle, Hieserle, Hisserle, Hyserle, Hyzrle von Chodov bzw. Chodowa; tschechisch Hýzrlové z Chodů) war ein bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts blühendes, altes böhmisches Adelsgeschlecht, welches 1611 in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde.
Geschichte
Palais in Prag, zeitweise im Besitz von Ferdinand Ernst Hiserle von Chodau Monstranz Prager Sonne
Stammsitz der Familie soll seit der Zeit der Hussitenkriege der Ort Ober-Chodau im Elbogener Kreis sein. Die Hiserle von Chodau waren wappenverwandt mit den Rauschengrüner von Aich, den Winkler von Künsperg und den Plick von Plickenstein, Neudek und Tescheditz. 1556 gehörte den Brüdern Lukas, Niklas und Adam Hyzrle das Gut Kondratic im Kaurimer Kreis. 1576 erscheint Johann Hyzrle von Chodov als Herr auf Cholupic im Kaurimer Kreis. Am 19. Juli 1611 erlangten die Brüder, der Oberst Heinrich und der Vizekämmerer der böhmischen Landtafel Bernhard Hießerle von Chodaw, den erblichen Freiherrenstand. 1623 erwarb Heinrich Hyzrle das der Familie Hodegovsky nach der Schlacht am Weißen Berg von der königlichen Kammer eingezogene Gut Elischau im Prachiner Kreis. Bernhard Hiserle von Chodowa fungierte 1651 als königlicher Landrechtsbeisitzer. Des letzteren Tochter Ludmilla Eva Franziska Hiserle Freiin von Chodau, Frau des Grafen Wilhelm Albrecht I. Kolowrat-Krakowsky, stiftete für die Loretokapelle in Prag eine kostbare Monstranz, die erst nach ihrem Tod 1699 vollendet wurde. Ihr Bruder Ferdinand Ernst Hiserle Freiherr von Chodau, Herr auf Drahobus und Cakovic im Leitmeritzer Kreis diente als kaiserlicher Rat, Kreishauptmann, sowie Obersteuereinnehmer. 1656 bekleidete er das Amt des Kammer- und Hoflehensrechtbeisitzers. Des Weiteren war er königlicher Kammerrat, 1676 zweiter königlicher Landtags-Kommissar, 1687 Vizepräsident und schließlich 1692 Präsident der königlichen Kammer. 1687 gehörte Ernst Freiherr von Hiserle von Chodau die Herrschaft Chodau im Elbogener Kreis. Der kaiserliche Kämmerer Franz Michael Hiserle von Chodau war kurzzeitig verheiratet mit Maximiliane Gräfin von Lamberg, der späteren Mätresse des sächsischen Kurfürsten August des Starken und darauf des polnischen Prinzen Alexander Benedikt Sobieski. Im Siebenjährigen Krieg nahmen preußische Truppen den Domherren von Leitmeritz Joseph Bernhard Freiherr Hiserle von Chodau als Geisel nach Leipzig. 1768 war dieser Kanoniker und Assessor des Konsistoriums, sowie Senior-Kapitular der dortigen Kathedrale St. Stephan. Das Geschlecht dürfte nach der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erloschen sein.
Wappen
Blasonierung: Von Silber und Rot gespalten mit einer abwärts gekrümmten Forelle in verwechselter Tinktur. Kleinod: Auf der Krone zwei gekrümmte Forellen in Silber und Rot. Helmdecken: In Rot und Silber.
RomanFreiherr von Procházka: Hi(e)serle von Chodau In: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Band 1, Verlag Degener, Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, S. 113 ff.