


Hohenhonnef (früher auch Heilstätte Rheinland und Sanatorium Rheinland) ist eine ehemalige Lungenklinik in Bad Honnef, einer Stadt im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen.
Das Gelände der ehemaligen Lungenklinik liegt oberhalb der Stadt am Ende der Bergstraße (Hausnummern 110–114) auf etwa 205 m ü. NHN auf einem kleinen Plateau (Terrassenrest) am südlichen Fuß der Augusthöhe (240,8 m ü. NHN) an der Ostseite der niedrigeren Reichenberger Höhe, einer Randanhöhe des Siebengebirges, die naturräumlich jedoch noch den Honnefer Terrassenhügeln als einer Untereinheit des Rheinwesterwälder Vulkanrückens (Niederwesterwald) zugeordnet wird.
Die Klinik wurde 1891/92 auf Initiative von Wilhelm August Bredt von der „Heilanstalt Hohenhonnef AG“ im Stil der französischen Schlossarchitektur des 17. Jahrhunderts (klassizistischer Barock) erbaut. Mit dem Entwurf war das Leipziger Architekturbüro Pfeifer & Händel beauftragt. Auf den Bauantrag vom Februar 1891 hin wurde im Mai die Baugenehmigung erteilt. Vorab entstand eine Zufahrtsstraße zu dem Bau- und künftigen Klinikgelände in Verlängerung der Bergstraße. Der erste Bauabschnitt umfasste das Hauptgebäude einschließlich eines Speisesaaltraktes, einen Wirtschaftstrakt, eine Brunnenanlage, einen Kuhstall sowie ein Wasch- und Wäschereigebäude. Im Nachgang entstanden 1896 ein Wohnhaus für die Dienstboten sowie 1896/97 nach einem Entwurf des Architekten Ottomar Stein zwei Villen für den Chefarzt (Bergstraße 115) und den Direktor der Heilanstalt. 1897 betrug die Zahl der jährlichen Gäste etwa 800, die der Angestellten (ohne Ärzte und Hilfskräfte) 79.
Die Lungenklinik stand unter der Leitung des Chefarztes Ernst Meissen (1854–1924), der zuvor Oberlehrer bei Peter Dettweiler war. Sie trug zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt bei, war aber auf Selbstversorgung – einschließlich eigener Postanstalt und Hochreservoir für die Wasserversorgung – ausgerichtet. Sie verfügte über vier Terrassen für Luft- und Sonnenbäder, eine für Freilichtkuren verwendete Hallenanlage, Gartensäle sowie Arztwohnhäuser. Das viergeschossige Hauptgebäude nahm ursprünglich 82 Patientenzimmer sowie mehrere Freizeiträume auf. Außerdem bestand eine evangelische Hauskapelle, während für die katholischen Patienten wöchentlich eine Messe in der nahegelegenen Fuchshardtkapelle gehalten wurde. Zu der Lungenklinik gehörte auch eine Großwäscherei im unterhalb gelegenen Schmelztal.
Auf einen Beschluss von 1912 zurückgehend wurde das Kellergeschoss mit dem Ziel der Einrichtung einer größeren Ambulanz ausgebaut. Von 1912 bis 1914 wurde die als zu steil geltende Fahrstraße nach Hohenhonnef durch eine neue mit weitgehend geänderter Trassierung ersetzt. 1914 löste sich die Heilanstalt Hohenhonnef AG auf, worauf die Klinik an die Landesversicherungsanstalt Rheinland verkauft und im November 1914 neu als „Heilstätte Rheinland“ eröffnet wurde. Sie brachte dort Tuberkulosekranke unter. 1914 erhielt die Klinik auch eine katholische Hauskapelle. 1922 erfolgte ein Umbau des Chefarzthauses, 1929 des Beamtenwohnhauses. Als „Sanatorium Rheinland“ entwickelte sich die Einrichtung zu einer modernen Fachklinik und wurde zusätzlich zur Forschungsanstalt. 1956 wurde das Hauptgebäude um einen dreistöckigen Neubau mit einer Liegehalle und einer Wäscherei im Untergeschoss erweitert, die die bisherige im Schmelztal ersetzen sollte. 1959 wurde Hohenhonnef als Ersatz für die bisherige unzureichende Wasserversorgung durch zwei Brunnen im Schmelztal durch eine neue Druckleitung zum Hochbehälter auf der Augusthöhe direkt an das städtische Wasserleitungsnetz angeschlossen. Eine abermalige Erweiterung des Hauptgebäudes um einen fünfgeschossigen Bauteil an der Rückfront für Speise- und Büroräume erfolgte 1961. Zu dieser Zeit bestand auch eine Busverbindung von Hohenhonnef ins Stadtzentrum und zum Bahnhof. Zum Jahresende 1977 wurde das Sanatorium Rheinland aufgrund des Rückgangs stationärer TBC-Heilbehandlungen geschlossen. Die ehemalige Klinik ist seit 1979 Standort eines Rehabilitationszentrums für Behinderte mit dem Namen Hohenhonnef GmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft der Cornelius-Helferich-Stiftung. Das historische Hauptgebäude steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz, die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef erfolgte am 25. Oktober 1983. Im Oktober 2014 führte ein Brand zu erheblichen Schäden am Dachstuhl des Altbaus.
In Hohenhonnef starb der armenische Mineraloge Andreas Arzruni (1847–1898). An die Zeit der Nutzung als Lungenklinik erinnern eine Episode aus der Novelle Wen die Götter lieben der Schriftstellerin Clara Viebig und die Erzählung Der Himmel auf Erden des Honnefer Heimatdichters Franzjosef Schneider.
Koordinaten: 50° 39′ 0″ N, 7° 14′ 25″ O