
Als Dilatation bezeichnet man in der Geometrie eine Kollineation einer affinen Ebene oder eines affinen Raumes, mit der Eigenschaft, dass
Dilatationen sind spezielle Affinitäten. Genauer gilt:

In der synthetischen Geometrie nennt man zentrische Streckungen auch Homothetien. Sie haben dort einen direkten Bezug zur affinen Form des großen Satzes von Desargues (siehe Bild). Parallelverschiebungen nennt man auch Translationen. Sie haben Bezug zur affinen Form des kleinen Satzes von Desargues. Die Hintereinanderausführung zweier Translationen ist immer auch eine Translation. Die analoge Aussage gilt für Homothetien nicht. Zum Beispiel ist die Hintereinanderausführung zweier Punktspiegelungen eine Translation und keine Homothetie. Alle Dilatationen bilden eine Gruppe und alle Translationen eine Untergruppe davon. Bettet man die zugrunde liegende Ebene/Raum in eine projektive Ebene/Raum ein, so wird aus einer Dilatation eine Zentralkollineation mit der Fern-Gerade/-Hyperebene als Achse. Genauer: aus einer Translation bzw. Homothetie wird dann eine Elation bzw. Homologie, je nachdem, ob das Zentrum auf der Achse liegt oder nicht.
In einem euklidischen Raum lässt sich
beschreiben. Während Translationen Streckenlängen invariant lassen, verlängert oder verkürzt eine zentrische Streckung Strecken um denselben Faktor. In der oberen Figur des zweiten Bildes wird das blaue Dreieck durch eine zentrische Streckung an dem Punkt auf das grüne Dreieck abgebildet. In der unteren Figur geht das blaue Dreieck durch eine Translation in das (kongruente) grüne Dreieck über. Dilatationen gehören zu den Ähnlichkeitsabbildungen.
Man beachte: Achsenaffinitäten sind keine Dilatationen.
Die Definition der linearen Algebra ist für desarguesche affine Ebenen äquivalent zur Definition der synthetischen Geometrie, für nichtdesarguesche Ebenen ist nur die synthetische Definition sinnvoll und insofern eine Verallgemeinerung. Es gibt auch für höherdimensionale affine Geometrien rein geometrische Definitionen, die aber dann äquivalent zur Definition der linearen Algebra sind.
Sei ein Körper oder Schiefkörper, ein Vektorraum bzw. Linksvektorraum über , dessen Dimension über mindestens 2 ist, ein affiner Raum über , dessen Verbindungsvektoren bilden. Dann heißt eine Affinität Dilatation, wenn ein Skalar existiert, so dass für zwei Punkte stets gilt. Der durch die Dilatation eindeutig bestimmte Skalar heißt Streckfaktor von . Für ist eine Translation.
Sei eine affine Ebene. Eine Kollineation, also eine geradentreue Bijektion heißt Dilatation, wenn eine der folgenden äquivalenten Bedingungen erfüllt ist:
Zu einer mindestens zweidimensionalen affinen Geometrie heißt
Beachte, dass für Ebenen über nicht archimedisch geordneten Körpern die Streckfaktoren auch „unendliche“ Zahlen sein können.
In einem mindestens zweidimensionalen affinen Raum über einem Teilkörper der reellen Zahlen , in dessen -Vektorraum der Verbindungsvektoren ein Skalarprodukt erklärt ist, gilt:


Im Folgenden ist stets eine mindestens zweidimensionale affine Geometrie. Die Abbildungen zu den Konstruktionen in diesem Abschnitt können auch räumlich verstanden werden: Die (bis zu vier) Vorgabepunkte liegen stets in einer gemeinsamen Ebene der Geometrie, in der auch das Zentrum liegt, sofern es existiert. Zu Vorgaben, die nicht in einer gemeinsamen Ebene liegen, existiert keine Dilatation. Soll nun zu einem weiteren Punkt der Bildpunkt konstruiert werden, so liegen wieder alle an der Konstruktion beteiligten Punkte in einer Ebene, die allerdings nicht die durch die Vorgabepunkte bestimmte sein muss. Insgesamt spielen sich alle hier beschriebenen „Konstruktionen“ in einem höchstens dreidimensionalen affinen Teilraum der Geometrie ab.
Ist ein Punkt-Bildpunktpaar und ein Fixpunkt gegeben, dann existiert nur dann eine Dilatation mit , wenn
Im 2. Fall existiert genau eine Dilatation mit der geforderten Eigenschaft: Die Identität des Raumes. Im 3. Fall existiert mindestens die Identität, die die geforderte Eigenschaft hat, im Allgemeinen gibt es weitere zentrale Dilatationen mit der geforderten Eigenschaft, im 1. Fall existiert höchstens eine Dilatation mit der geforderten Eigenschaft. Ist eine desarguesche Geometrie, so existiert eine solche Dilatation, ist eine affine Translationsebene, dann existiert sie genau dann, wenn kommensurabel sind. Die Konstruktion kann so erfolgen, wie weiter unten beim „Hauptfall“ beschrieben. Vergleiche auch die Abbildung rechts.
Sind vier verschiedene Punkte der Geometrie, dann existiert nur in folgenden Fällen eine Dilatation mit

Der 3. Fall kann durch folgende Konstruktion auf einen der anderen Fälle zurückgeführt werden:
Damit hat man nun ein Trapez und damit entweder den 1. oder den 2. Fall der obigen Fallunterscheidung (mit an der Stelle von ). Eine Dilatation erfüllt die ursprünglichen Vorgaben unabhängig von der Wahl des Hilfspunktes genau dann, wenn sie erfüllt.

Im 1. Fall muss die Dilatation eine nichtidentische Translation, also fixpunktfrei sein, vergleiche die Abbildung rechts. Zu einem beliebigen Punkt (sonst verwende ) kann der Bildpunkt so konstruiert werden: Die Parallele zu durch schneidet die Parallele zu durch in
Der Konstruktionstext zeigt, dass die Dilatation im Falle ihrer Existenz durch die Vorgaben eindeutig bestimmt ist. Sie existiert für den 1. Fall stets, wenn
Es existieren auch affine Ebenen, die in keiner Richtung beliebige Parallelverschiebungen zulassen: die affinen Ausschnitte von projektiven Ebenen der Lenz-Klasse I.
Im 2. Fall ist die Dilatation im Falle ihrer Existenz zentral. Vergleiche die Abbildung zum „Hauptfall“ oben in diesem Abschnitt.
Für einen beliebigen Punkt (sonst verwende ) konstruiert man den Bildpunkt so:
Aus dem Konstruktionstext folgt, dass höchstens eine Dilatation die Vorgaben erfüllen kann. Für Vorgaben, die dem Hauptfall entsprechen, existiert stets eine Dilatation, falls