Horst-Peter Wolff

Horst-Peter Wolff (* 29. Mai 1934 in Magdeburg; † 15. Dezember 2017) war ein deutscher Krankenpfleger, Pflegehistoriker, Sachbuchautor und Verleger.

Leben

Nach einer Lehre und Tätigkeit als Kraftfahrzeugmechaniker sowie Tätigkeit als Gesundheitshelfer im Deutschen Roten Kreuz (DRK) in seiner Heimatstadt Magdeburg absolvierte Wolff zwischen 1954 und 1956 eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Schon ab 1957 begann er mit einer Lehrtätigkeit an der „Medizinischen Fachschule in Magdeburg“. Auch übernahm er federführend die dortige DRK-Grundorganisation. 1961 bestand er die Qualifizierungsprüfung als Lehrer. 1967 bis 1971 arbeitete er am „Institut für Weiterbildung mittlerer medizinischer Fachkräfte“ in Potsdam. 1970 folgte schließlich der Hochschulabschluss als Diplom-Medizinpädagoge. Von 1971 bis 1979 übernahm Wolff die „Bezirksakademie des Gesundheits- und Sozialwesens“ sowie die „Abteilung Krankenpflege“ in der Medizinischen Fachschule Magdeburg, in der er zuvor bereits tätig gewesen war. Wolff initiierte die Gründung von „Arbeitsgemeinschaften in den medizinisch wissenschaftlichen DDR-Gesellschaften für Sozialhygiene“, so zum Beispiel 1972 die Sektion Medizinpädagogik, 1977 folgte die Geschichte der Medizin, 1979 Geschichte der Krankenpflege. 1978 erfolgte die externe Dissertation zum Doktor der Pädagogik mit einer Arbeit zum Thema „Grundzüge einer Geschichte der Medizinpädagogik im 18. und 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Territoriums der DDR.“ Zwischen 1980 und 1987 war Wolff Direktor der „Medizinischen Fachschule am Klinikum Berlin-Buch“. Von 1982 an war Wolff zwanzig Jahre lang auch Lehrbeauftragter für die „Geschichte der Medizinfachberufe“ und „Geschichte der Pflege“ am „Institut für Medizin- und Pflegepädagogik sowie Pflegewissenschaft“ der Medizinischen Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität zu Berlin. Direkt nach der „Wende“ nahm Wolff Kontakt auf mit der Frankfurter Pflegehistorikerin Hilde Steppe, die seinerzeit die „Sektion Historische Pflegeforschung“ der „Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft“ leitete. Er strebte eine Zusammenarbeit mit der Sektion an.

Wolff stellte fest, dass in der Geschichtsschreibung der Krankenpflege eine Biografik der jeweils handelnden Akteure und Akteurinnen fehlte. Er begann deshalb mit der Sammlung von Kurzbiografien. Daraus entstand im Laufe der Zeit das zunächst dreibändige „Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history“ (1997, 2001, 2004), das später von Hubert Kolling weitergeführt werden sollte. Die weiteren Autoren und Autorinnen an diesem Lexikon arbeiteten auf ehrenamtlicher Basis so auch der Medizinhistoriker Volker Klimpel. 1993 eröffnete Wolff, gemeinsam mit seiner Ehefrau Jutta Wolff, in Qualzow (später: Fürstenberg) ein privates Forschungsinstitut für Pflegegeschichte. Aus diesem Forschungsinstitut sind, abseits universitärer Institutionen und Förderung, unter der Autoren- und Herausgeberschaft von Horst-Peter Wolff und Horst-Peter Wolff/Jutta Wolff zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze, Broschüren und Bücher hervorgegangen. Horst-Peter Wolff führte dieses Forschungsinstitut bis zum Jahr 2004. Der Schwerpunkt der Forschungen lag auf der internationalen Biografik in der Pflege sowie auf der Pflegegeschichte in der vormaligen „Deutschen Demokratischen Republik“. Das Ehepaar Wolff publizierte hierbei die hellblaue Reihe „Schriften aus dem Institut für Pflegegeschichte“. Der finanzielle Aufwand innerhalb eines Selbstverlags war immens. In der hellblauen Reihe entstanden unter anderem wissenschaftliche Studien zu namhaften Persönlichkeiten in der Pflegegeschichte wie Erna von Abendroth, Georg Streiter oder Marie Cauer. Bis zum Jahr 2001 waren bereits 16 Hefte erschienen. Wolff publizierte auch zahlreiche medizin- und pflegehistorische Artikel in Fachzeitschriften. 1994 erschien das Lehrbuch für die pflegeberufliche Grundausbildung „Geschichte der Krankenpflege“, das Wolff zusammen mit seiner Ehefrau geschrieben hatte. 2008 folgte das Lehrbuch „Krankenpflege. Einführung in das Studium ihrer Geschichte.“ Ebenfalls 2008 erschien das Buch „Akteure im Gesundheitswesen in der Geschichte Magdeburgs.“ Mit dem 2012 erschienenen Buch „Zur Magdeburger Medizinchronik und ihren Akteuren“ wandte Wolff sich noch einmal seiner Heimatstadt zu. Das Archiv, das Wolff in den vielen Jahren aufgebaut hatte, übergab er in jüngere Hände an seine Schülerin Traudel Weber-Reich in Göttingen. Wolff hatte deren Promotion zur Pflegegeschichte in Göttingen gemeinsam mit Peter Schneck betreut. Am 15. Dezember 2017 verstarb Wolff nach kurzer schwerer Krankheit.

Sammlung Wolff

Die „Sammlung Wolff“, inzwischen verwaltet von Traudel Weber-Reich in Göttingen, beinhaltet Forschungsliteratur sowie diverses überliefertes Schriftgut mit seltenen Originaldrucken, Abzeichen, Bild- und Filmmaterial sowie digitale Datenträger die Geschichte der Krankenpflege und der Medizin betreffend. Wolff begann mit der systematischen Sammeltätigkeit bald nach der Gründung der DDR und setzte diese auch nach der „Wende“ fort. Die Sammlung reicht bis in das 21. Jahrhundert hinein.

Veröffentlichungen (Auswahl)

in der Reihenfolge des Erscheinens

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

Einzelnachweise

  1. ↑ Birgit Trockel, Irmgard Notthoff, Margret Knauser (Hrsg.): Who is who in der Pflege. Deutschland – Schweiz – Österreich. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 1999, S. 547–549.
  2. 1 2 3 Hubert Kolling: Nachruf. Zum Gedenken an Dr. päd. Horst-Peter Wolff. In: Geschichte der Pflege. Das Journal für historische Forschung der Pflege- und Gesundheitsberufe. 7. Jg., Heft 1, 2018, S. 23–25.
  3. ↑ Hubert Kolling: (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte ‚Who was who in Nursing history‘. Band neun. hpsmedia, Hungen 2020, S. 286–291.
  4. ↑ Walburga Haas: Nachlass Hilde Steppe. Bestandsübersicht. Dokumentationsstelle Pflege Bibliothek University of Applied Science, Frankfurt am Main. Signatur O160 Korrespondenz Steppe mit Wolff.
  5. ↑ Hubert Kolling: Renommierter Pflegehistoriker ist tot. In: Die Schwester Der Pfleger. Fachzeitschrift für die Pflege. 57. Jg., Heft 7, Juli 2018, S. 6.
  6. ↑ Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, S. 25.
  7. ↑ Volker Klimpel: Zugeeignet. Medizinhistorische und andere Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten. Dr. Reinhard Kaden Verlag, Heidelberg 2018, S. 165–167.
  8. 1 2 Sammlung Wolff bei Traudel Weber-Reich in Göttingen
Personendaten
NAME Wolff, Horst-Peter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Krankenpfleger, Medizinpädagoge, Verleger, Sachbuchautor
GEBURTSDATUM 29. Mai 1934
GEBURTSORT Magdeburg
STERBEDATUM 15. Dezember 2017