Horst Denkler studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Berlin und Münster, wo er 1963 promoviert wurde. Er war ab 1964 als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Frankfurt am Main und ab 1965 an der Universität Mannheim beschäftigt, 1968 ging er an die University of Massachusetts Amherst und war dort von 1970 bis 1973 Professor of German. 1973 wurde er als Professor für Neuere deutsche Literatur an die Freie Universität Berlin berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 lehrte und forschte. Danach ging er noch für zwei Jahre nach Polen an die Universität Opole, wo er 2002 die Verdienstmedaille der Universität erhielt.
Denklers Kindheit war vom angepassten Leben in der Zeit des Nationalsozialismus geprägt, seine Jugend von der deutschen Vergangenheitsbewältigung der Nachkriegszeit. 1976 gab er sich davon absetzend zusammen mit Karl Prümm in kritischer und polemischer Absicht den Sammelband Die deutsche Literatur im Dritten Reich heraus. Seither versuchte er literarische Traditionszusammenhänge zwischen dem Expressionismus der Weimarer Zeit und der Literatur der Nachkriegszeit zu erforschen, was bei der dafür notwendigen umfassenden Lektüre von NS-Literaten und der Literaten der inneren Emigration für ihn mit „Frustration, Überdruß und Unbehagen“ verbunden war, im Ergebnis aber zu einigen Differenzierungen bei der im Fokus stehenden „deutschen verlorenen Generation“ führte.
Drama des Expressionismus. Programm – Spieltext – Theater. Fink, München 1967, (2., verbesserte und erweiterte Auflage. ebenda 1979, ISBN 3-7705-1763-6; zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1963: Das Drama des Expressionismus im Zusammenhang mit den expressionistischen Programmen und Theaterformen.).
Georg Kaiser. Die Bürger von Calais. Drama und Dramaturgie. Oldenbourg, München 1967.
als Herausgeber: Einakter und kleine Dramen des Expressionismus (= Reclams Universal-Bibliothek. 8562–8564). Reclam, Stuttgart 1968, (In italienischer Sprache: Il Teatro dell'espressionismo. Atti unici e drammi brevi. de Donato, Bari 1973).
Walter Hasenclever (1890–1940). In: Rheinische Lebensbilder. Bd. 4, 1970, ISSN0080-2670, S. 251–272.
als Herausgeber: Gedichte der „Menschheitsdämmerung“. Interpretationen expressionistischer Lyrik. Fink, München 1971.
als Herausgeber: Der deutsche Michel. Revolutionskomödien der Achtundvierziger (= Reclams Universal-Bibliothek. 9300–9305). Reclam, Stuttgart 1971, ISBN 3-15-009300-7.
als Herausgeber: Alfred Brust: Dramen. 1917–1924. Fink, München 1971.
Restauration und Revolution. Politische Tendenzen im deutschen Drama zwischen Wiener Kongreß und Märzrevolution. Fink, München 1973.
als Herausgeber mit Volker Meid: Ernst Elias Niebergall: Datterich. Des Burschen Heimkehr, oder der tolle Hund (= Reclams Universal-Bibliothek. 9776). Reclam, Stuttgart 1975, ISBN 3-15-009776-2.
als Herausgeber mit Sigrid Bauschinger und Wilfried Malsch: Amerika in der deutschen Literatur. Neue Welt, Nordamerika, USA. Reclam, Stuttgart 1975, ISBN 3-15-010253-7.
als Herausgeber mit Karl Prümm: Die deutsche Literatur im Dritten Reich. Themen – Traditionen – Wirkungen. Reclam, Stuttgart 1976, ISBN 3-15-010260-X.
als Herausgeber mit Claus Kittsteiner: Berliner Straßenecken-Literatur 1848/49. Humoristisch-satirische Flugschriften aus der Revolutionszeit (= Reclams Universal-Bibliothek. 9856). Reclam, Stuttgart 1977, ISBN 3-15-009856-4.
als Herausgeber mit Irmgard Denkler: August von Platen: Die verhängnißvolle Gabel. Der romantische Oedipus (= Reclams Universal-Bibliothek. 118). Neudruck der Erstausgabe. Reclam, Stuttgart 1979, ISBN 3-15-000118-8.
als Herausgeber: Romane und Erzählungen des bürgerlichen Realismus. Neue Interpretationen. Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-010292-8.
als Herausgeber mit Bernd Balzer, Wilhelm Große und Ingrid Heinrich-Jost: Adolf Glaßbrenner: Unterrichtung der Nation. Ausgewählte Werke und Briefe in drei Bänden (= Ilv-Leske-Republik. 10–12). Informationspresse, Köln 1981.
als Herausgeber mit Irmgard Denkler: Adolf Streckfuß: 1848. Die März-Revolution in Berlin. Ein Augenzeuge erzählt (= Ilv-Leske-Republik. 14). Leske, Köln 1983, ISBN 3-921490-24-3.
mit Bernd Balzer, Hartmut Eggert, Günther Höltz: Die deutschsprachige Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Vorgeschichte und Entwicklungstendenzen. Iudicium-Verlag, München 1988, ISBN 3-89129-210-4.
als Herausgeber mit Hans Otto Horch: Conditio Judaica. Judentum, Antisemitismus und deutschsprachige Literatur. 3 Bände. Niemeyer, Tübingen 1988–1989–1993.
Neues über Wilhelm Raabe. Zehn Annäherungsversuche an einen verkannten Schriftsteller (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte. 46). Niemeyer, Tübingen 1988, ISBN 3-484-32046-X.
Wilhelm Raabe. Legende – Leben – Literatur. Niemeyer, Tübingen 1989, ISBN 3-484-10651-4.
als Herausgeber mit Walter Delabar und Erhard Schütz: Spielräume des einzelnen. Deutsche Literatur in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Weidler, Berlin 1999, ISBN 3-89693-141-5.
als Herausgeber mit Carsten Würmann: „Alles=gewendet!“ Zu Arno Schmidts „Die Schule der Atheisten“. Aisthesis, Bielefeld 2000, ISBN 3-89528-278-2.
Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der „verlorenen Generation“ des Dritten Reiches (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte. 127). Niemeyer, Tübingen 2006, ISBN 3-484-32127-X.
Literatur
Julia Bertschik, Elisabeth Emter, Johannes Graf (Hrsg.): Produktivität des Gegensätzlichen. Studien zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Festschrift für Horst Denkler zum 65. Geburtstag. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-10826-6 (Bibliographie zu Horst Denkler S. 307–314).