Horst Hiller

Horst Bruno Hiller (* 30. Oktober 1931 in Parchwitz, Landkreis Liegnitz, Provinz Niederschlesien; † 17. Oktober 2010 in Bad Salzungen) war ein deutscher Physiker und Autor.

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung 1951 in Schmalkalden studierte Horst Hiller Physik an der Universität Jena. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Strahltriebwerke der Technischen Universität Dresden. An der TU Dresden promovierte er 1961 und war dann dort am Institut für Technische Mechanik tätig.

Frühzeitig beschäftigte Hiller sich mit der elektronischen Datenverarbeitung. Außerdem begann er mit der Veröffentlichung von Büchern über die allgemeine Naturwissenschaft und ihre Geschichte. Erstmals kam von ihm 1964 ein Buch in der Bundesrepublik heraus. Seit 1965 war Hiller dann in Instituten der Industrie in der DDR tätig und arbeitete u. a. auf dem Gebiet der Rechentechnik. Während seiner Tätigkeit am Institut für Datenverarbeitung in Dresden, dessen Großrechner für astrophysikalische Modellrechnungen genutzt wurde, erhielt er 1971 als Mitglied des Kollektivs „Dynamotheorie des Magnetfeldes“ zusammen mit Max Steenbeck, Karl-Heinz Rädler und Fritz Krause den Nationalpreis der DDR I. Klasse für Wissenschaft und Technik.

Wegen seines zweiten 1974 in Westdeutschland erschienenen Buches wurde Hiller stark kritisiert. Ein gemeinsam mit seiner Ehefrau 1977 unternommener Fluchtversuch scheiterte. In einem nichtöffentlichen Prozess wurde ihm vom Ministerium für Staatssicherheit Geheimnisverrat angedichtet, weil er die am Institut für Datenverarbeitung erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen angeblich in seinem Kopf nach Westdeutschland transportieren wollte. Ehemalige Kollegen traten in der Verhandlung als anklagestützende Gutachter auf. Das Urteil nach dem berüchtigten Paragraphen 97 lautete auf 8 Jahre 6 Monate Zuchthaus. Bis 1983 verbrachte Hiller die Zeit als Gefangener im Zuchthaus Brandenburg, bevor er von der Bundesregierung freigekauft wurde. Sein Versuch, den von Ulbricht erhaltenen Nationalpreis aus Protest gegen seine überlange Inhaftierung im Zuchthaus Brandenburg/Havel zurückzugeben, war an der Konfiszierung der Briefe an Erich Honecker durch das Ministerium für Staatssicherheit gescheitert. In der Bundesrepublik war er später Mitarbeiter bei Siemens in Karlsruhe und beschäftigte sich dort mit Computergrafik. Über sein Leben und seine Haftzeit in der DDR berichtete er in mehreren Erinnerungsbüchern, außerdem über seine Kindheit in Schlesien. Die kurz vor 1990 geschriebenen Bücher über seine alten Heimatländer Sachsen und Thüringen zeugen von ungewöhnlicher Detailschärfe und größter Vertrautheit mit den Kulturlandschaften seiner frühen und mittleren Jahre.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Jörg Bernhard Bilke: Bürgerliche Existenz vernichtet. In: Der Stacheldraht. Nr. 4, 2013, S. 18 (uokg.de [PDF]).
  2. ↑ Hiller, Horst Bruno. In: Albrecht Dieckmann (Hrsg.): Liegnitzer Lebensbilder des Stadt- und Landkreises. Bd. 1 (= Beiträge zur Liegnitzer Geschichte, Bd. 31). Henske-Neumann, Hofheim/Taunus 2001, S. 251–255, ISBN 3-9806640-2-3 (mit allen biografischen Daten).
  3. ↑ Fritz Krause & Horst Hiller: Zur Dynamotheorie stellarer und planetarer Magnetfelder III. Über die Lösung der Eigenwertprobleme und die Berechnung der Feldgrößen. Astronomische Nachrichten, 291, 287 (1969)
  4. ↑ Bernd Helmbold: Forschungstechnologien und Wissenschaftspolitik in der Biografie des Physikers Max Steenbeck (1904–1981). Dissertation. Friedrich Schiller-Universität Jena 2016, S. 59, 191 (PDF).
Personendaten
NAME Hiller, Horst
ALTERNATIVNAMEN Hiller, Horst Bruno (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Physiker und Autor
GEBURTSDATUM 30. Oktober 1931
GEBURTSORT Parchwitz, Landkreis Liegnitz, Provinz Niederschlesien
STERBEDATUM 17. Oktober 2010
STERBEORT Bad Salzungen