Leer Stadt Horstmar | ||
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| Koordinaten: | 52° 7′ N, 7° 18′ O | |
| Höhe: | 73 m ü. NN | |
| Fläche: | 26,5 km² | |
| Einwohner: | 3277 (1. Nov. 2023)[Ohne Beleg] | |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1969 | |
| Postleitzahl: | 48612 | |
| Vorwahlen: | 02551, 02552, 02554, 02555, 02556, 02558 | |
Lage von Leer in Nordrhein-Westfalen
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Leer (2014) | ||
Leer (plattdeutsch Leer) ist ein Stadtteil der Stadt Horstmar im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen.
Die ehemalige Gemeinde Leer (Westfalen) liegt in der Münsterländer Parklandschaft, die von einem Kontrast von Sandböden und Feuchtgebieten abwechslungsreich geprägt ist.
Der Ort besitzt keine eigene Vorwahl, sondern hat je nach Lage die Vorwahlen der Nachbargemeinden erhalten.
Seit der Gebietsreform Ende der 1970er Jahre, gehören zu Leer die Bauerschaften Alst, Haltern und Ostendorf.
Der Leerbach entspringt südöstlich von Leer am Osthang des Schöppinger Berges. Seine Quelle ist als Naturdenkmal ausgewiesen.
Der Ortsname ist seit dem 10. Jahrhundert in zahlreichen Schreibweisen überliefert, darunter Leheri, Leri, Liere, Lere, Leyre und Leer. Während ältere Forschung den Namen vom altsächsischen Hleri („umzäunter Weideplatz“) ableitete, geht die neuere Ortsnamenforschung von einer Grundform Lēri beziehungsweise Leri aus. Der Ortsname bezeichnet demnach eine „Stelle am oder im lichten Wald“ beziehungsweise eine Lichtung. Diese Deutung entspricht sowohl den ältesten überlieferten Namensformen als auch der historischen Lautentwicklung.
Die ältesten bekannten Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Leers stammen aus dem frühen Mittelalter. Im Jahr 1910 wurde nahe Schmeddings Mühle ein Reihengräberfeld entdeckt. Archäologische Untersuchungen legten rund zwanzig Bestattungen aus dem 7. und 8. Jahrhundert frei. Zu den Beigaben gehörten unter anderem ein Sax, eine Spatha, Lanzenspitzen, ein silberner Armreif, Glasperlen und Keramik. Der Fund eines Denars Karls des Großen (792–814) belegt, dass das Gräberfeld bis in die karolingische Zeit genutzt wurde. Die Funde dokumentieren den Übergang von heidnischen zu christlichen Bestattungssitten und zählen zu den bedeutendsten frühmittelalterlichen Bodenfunden im Raum Horstmar.
Spätestens ab 890 gehörte Leer zum Besitz der Abtei Werden. Die Werdener Heberegister nennen den Ort als Curtis Leheri, einen zentralen Fron- und Verwaltungshof der klösterlichen Grundherrschaft. Von hier aus wurden zahlreiche abhängige Höfe im westlichen Münsterland verwaltet. Die Register überliefern neben den ältesten Namensformen des Ortes auch mehrere Bewohner namentlich, darunter den Villicus Nizzo sowie Macco, Hrodger und Levico.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Curtis Leheri wird durch die umfangreichen Naturalabgaben deutlich. Überliefert sind unter anderem Getreide, Vieh, Fische sowie jährlich 24 Wollmäntel. Zudem werden sieben Weberinnen genannt, die für die Herstellung von Wollstoffen verantwortlich waren. Diese Angaben belegen, dass der Herrenhof nicht nur Verwaltungszentrum, sondern zugleich ein bedeutender wirtschaftlicher und handwerklicher Mittelpunkt der Werdener Grundherrschaft war.
Hochmittelalter
Ende des 12. Jahrhunderts entstand die steinerne Pfarrkirche St. Cosmas und Damian, deren erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1217 stammt. Sie gehörte zunächst als Filialkirche zur Urpfarrei Schöppingen und entwickelte sich im Laufe des Hochmittelalters zu einer eigenständigen Pfarrkirche.
Seit dem 13. Jahrhundert sind die Ritter von Leer urkundlich nachweisbar. Angehörige der Familie standen unter anderem im Dienst der Äbtissin von Herford und der Grafen von Tecklenburg und nahmen Verwaltungs- und Vogteifunktionen wahr. Als ursprünglicher Adelssitz gilt der Abdinghof (Curtis Leheri) im Bereich der heutigen Kirche.
Im 14. Jahrhundert treten daneben die Herren von Gronlo (später Grollo) auf, die auch bis zum Jahr 1451 im Besitz des Burgmannshofes im benachbarten Horstmar waren. Mehrere Urkunden nennen zeitgleich Angehörige beider Familien, was auf eng miteinander verbundene Adelslinien schließen lässt. Spätestens im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Grollenburg im Norden des Dorfes zum neuen Mittelpunkt der adeligen Herrschaft in Leer, während der ältere Abdinghof seine Bedeutung verlor.
Frühe Neuzeit
Die Reformation führte in Leer zu jahrzehntelangen konfessionellen Auseinandersetzungen. Nach dem Tod des Pfarrers Johann Suttorp beanspruchten sowohl das katholische Hochstift Münster als auch die protestantischen Grafen von Bentheim-Steinfurt das Besetzungsrecht der Pfarrstelle. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts standen sich der katholische Pfarrer Bernhard Morrien und der reformatorisch gesinnte Heinrich Hovedt gegenüber.
Der Konflikt eskalierte mehrfach. Zeitweise wurde die Kirche gewaltsam in Besitz genommen und der katholische Pfarrer aus dem Pfarrhaus verdrängt. Die Auseinandersetzung endete erst nach mehreren Entscheidungen münsterischer und kaiserlicher Stellen zugunsten Morriens.
Achtzigjähriger Krieg
Bereits während des Spanisch-Niederländischen Krieges wurde das Kirchspiel Leer mehrfach von Truppen heimgesucht. Im November 1591 plünderten niederländische Reiter das Dorf. Bereits im Januar 1592 folgten spanische Truppen mit weiteren Überfällen. Während des folgenden Dreißigjährigen Krieges zog 1622 das protestantische Heer Ernsts von Mansfeld durch das westliche Münsterland und verwüstete Leer so sehr, dass den Bauern nicht mal das Saatkorn blieb. Auf dem Weg zur Schlacht bei Stadtlohn (1623) marschierten die Truppen Christians von Braunschweig und des Feldherrn Tilly durch die Region. Wiederholte Einquartierungen, Plünderungen, Kontributionsforderungen und Pestepidemien belasteten die Bevölkerung schwer. Die Auswirkungen des Krieges waren noch Jahrzehnte später sichtbar; die Personenschatzung von 1660 verzeichnete zahlreiche wüste und verarmte Hofstellen.
Siebenjähriger Krieg (1756–1763)
Obwohl im Kirchspiel Leer keine Kampfhandlungen stattfanden, war die Bevölkerung durch Kontributionen, Einquartierungen und umfangreiche Lieferungen von Lebensmitteln und Fuhrdiensten für die Truppen stark belastet. Überlieferten Kontributionsrechnungen belegen regelmäßige Kriegssteuern sowie zusätzliche Umlagen und Darlehen zur Finanzierung des Krieges. Die wirtschaftlichen Folgen wirkten noch lange über das Kriegsende hinaus.
Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg blieb das Kirchspiel Leer von größeren Bodenkämpfen verschont. Im Ortsteil Haltern befand sich am Ende des Krieges ein Stab der V2-Einheiten; aus den Drosten Tannen wurden V2-Raketen gestartet. Zur Aufklärung und Bekämpfung der Abschussstellungen kam es zu alliierten Bombenangriffen im Raum Leer. Zudem stürzten mehrere alliierte und deutsche Flugzeuge im Gemeindegebiet ab. Am 30. März 1945 besetzten alliierte Truppen das Kirchspiel. Der Krieg forderte zahlreiche Gefallene und Vermisste.
Am 1. Juli 1969 wurde Leer in die Stadt Horstmar eingegliedert.
Vom Münsterländer Schneechaos am 25. und 26. November 2005 blieb auch Leer nicht verschont. Mehrmals an diesen Tagen war die Stromversorgung komplett unterbrochen, bis sie dann abends am 26. November 2005 für die meisten Bewohner wieder sichergestellt war. Am 28. November 2005 wurden große Teile Leers dann evakuiert, weil ein Strommast umzukippen drohte.
In der Liste der Baudenkmäler in Horstmar sind für Leer dreizehn Baudenkmäler aufgeführt.