Hugo Juhn

Hugo Juhn (* 9. Oktober 1886 in Wien; † wahrscheinlich vor 1945) war ein österreichischer Schauspieler, Sänger (Operette) und Spielleiter (Theaterregisseur). Er war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen in Österreich-Ungarn sowie der Tschechoslowakei und Rumänien tätig und arbeitete als Theaterpädagoge auch mit Kindern.

Leben und Wirken

Über Juhns Leben ist außerhalb dokumentierter Bühnentätigkeit und seiner Registrierung als Shoah-Opfer in den zugänglichen Quellen wenig überliefert. Für das Jahr 1913 ist sein Wohnort in der Waldgasse 3 im Wiener Bezirk Favoriten nachgewiesen. Zu dieser Zeit war er als darstellendes Mitglied für Schauspiel und Operette am Favoritner Volkstheater gemeldet. Sein letzter freiwilliger Wohnort war Mährisch-Ostrau.

In der Spielzeit 1911 gehörte der Schauspieler noch dem Ensemble des Stadttheaters Leitmeritz in Böhmen an. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wechselte Juhn vom Favoritner Volkstheater an das Stadttheater Eger (Cheb). Dort spielte er vorwiegend komische Rollen und Charakterrollen, darunter den Wachtmeister Hofstetter sowie den Zanga in Franz Grillparzers Der Traum ein Leben. Am 8. Februar 1915 wurde für ihn in Eger eine eigene Benefizvorstellung als Bauer Colmar ausgerichtet. Nach einem Engagement im ungarischen Ödenburg (Sopron) im Jahr 1916 trat er am 3. Dezember 1917 am Stadttheater in Troppau (Opava) in Henrik Ibsens Drama Die Wildente in der Rolle des „dicken Herrn“ auf.

Im Sommer 1918 wurde er an das Stadttheater Salzburg unter der Direktion von Paul Blasel verpflichtet. Neben schauspielerischen Aufgaben übernahm er dort auch die Spielleitung für Emmerich Kálmáns Operette Die Csárdásfürstin. Im Dezember 1918 erhielt er in Salzburg eine Benefizvorstellung. In der Spielzeit 1919/1920 gehörte er dem Ensemble des Stadttheaters Preßburg (Bratislava) an, wo er unter anderem den Engelhofer in Possen von Johann Nestroy darstellte.

Parallel war Juhn theaterpädagogisch engagiert und studierte Aufführungen mit ortsansässigen Kindern ein, die er als Benefizveranstaltungen selbst inszenierte, am Pressburger Stadttheater beispielsweise das Märchenspiel Dornröschen, an dem 100 Kinder mitwirkten.

In den 1920er-Jahren folgten wechselnde Engagements. Im Sommer 1927 war er Mitglied des Ensembles am Stadttheater Marienbad (Mariánské Lázně) unter der Regie von Felix Knüpfer. Im März 1929 absolvierte er mit dem Wiener Novitäten-Ensemble des Residenz-Theaters Gastspiele im siebenbürgischen Mediasch mit Siegfried Geyers Komödie Wie der Herr, so der Diener und Das entfesselte Weib von Curt Goetz.

Im August 1931 wirkte Juhn neben Adolf Winds als Spielleiter an einer Open-Air-Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals Jedermann mit. Einen weiteren Auftritt hatte er im September 1931 am Deutschen Theater Mährisch-Ostrau (Ostrava) in Walter Hasenclevers Drama Kommt ein Vogel geflogen.

An dieser Bühne stand Juhn auch im folgenden Jahr nachweislich im festen Engagement: Im Frühjahr 1932 wirkte er im Ensemble des Intendanten Rudolf Zeisel an mehreren aufeinanderfolgenden Inszenierungen mit. Im März und April 1932 spielte er in Karl Gustav Vollmoellers musikalischem Lustspiel Cocktail (Bühnenmusik von Ralph Benatzky), am 1. April in der Abschiedsvorstellung des Schwanks Die spanische Fliege sowie am 4. April als Frosch in einer Inszenierung von Goethes Faust.

Nachdem am 10. September 1933 unter dem Titel „Abschiedsabend Hugo Juhn“ nach achtjährigem Engagement in Marienbad ein letzter „lustiger“ Auftritt zum 25jährigen Bühnenjubiläum des „engagierten Schauspielers“ angekündigt wurde sind keine weiteren Auftritte dokumentiert. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) führt ihn als nicht überlebendes Shoah-Opfer. Laut Yad Vashem wurde er im Rahmen des Nisko-Plans am 17. Oktober 1939 von Mährisch-Ostrau nach Nisko deportiert.

Einzelnachweise

  1. ↑ Suchabfrage nach Hugo Juhn in der Datenbank der NS-Opfer des DÖW.
  2. ↑ Stadttheater Eger: Benefizvorstellung Hugo Juhn. In: Egerer Anzeiger, Februar 1915.
  3. ↑ Hugo Juhn – Actor in „Die Wildente“ (Stadttheater in Troppau, 3rd December 1917). In: IbsenStage (University of Oslo), Contributor ID 461427.
  4. ↑ Theaterzettel: Die Csardasfürstin. Spielleiter: Hugo Juhn. In: Salzburg Museum: Sammlung-Online, Inventar-Nr. BIB TZ 17030.
  5. ↑ https://www.epa.oszk.hu/06300/06389/00144/pdf/EPA06389_grenzbote_1919_16225.pdf
  6. ↑ Ensembleliste Stadttheater Marienbad 1927. Zeitgenössisches Theaterregister.
  7. ↑ Wiener Novitäten-Ensemble in Mediasch (März 1929). In: Mediascher Zeitung, 37. Jahrgang, Nr. 10, vom 9. März 1929, S. 3.
  8. ↑ Theaterbericht August 1931: Jedermann von Hofmannsthal. Winds und Spielleiter Juhn. Digitalisierte historische Zeitschriften, Biblioteka Śląska, Document ID: iii602842-1931.
  9. ↑ Expresionistické drama v Deutsches Theater v Moravské Ostravě (Diplomarbeit, Universität Brünn). In: Theses.cz.
  10. ↑ Theaterplakat zu diversen Inszenierungen in Mährisch-Ostrau 1932 (März bis April 1932). Institut für Theaterwissenschaft, Freie Universität Berlin, Collection Josef Ambach, Digitalisierungssignatur: IFT_OBJ_JA000033.
  11. ↑ Abschiedsabend Hugo Juhn. In: Westböhmische Tageszeitung, 10. September 1933, S. 6 (online bei ANNO).
  12. ↑ Eintrag zu Hugo Juhn in der Datenbank der Opfer der Schoa bei Yad Vashem.
Personendaten
NAME Juhn, Hugo
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Schauspieler, Sänger (Operette) und Spielleiter (Theaterregisseur)
GEBURTSDATUM 19. Jahrhundert
STERBEDATUM 20. Jahrhundert