Hulda Zwingli ist eine Kunstfigur, hinter der ein Kollektiv von rund einem Dutzend Frauen aus der Schweizer Kulturszene steht. Die Gruppe thematisiert Genderungleichheit sowie mangelnde Diversität und Transparenz im Kunstbetrieb, insbesondere im Raum Zürich. Sie nutzt soziale Medien, insbesondere Instagram, als Plattform für ihre Kritik. Darüber hinaus erlangte das Kollektiv 2023 durch die Mitwirkung bei einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich Bekanntheit.
2019 veröffentlichten Swissinfo und das Schweizer Fernsehen erstmals eine Statistik zum Geschlechterverhältnis bei Schweizer Kunstausstellungen, basierend auf Daten von 80 Museen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nur 26 % der Einzel- und 31 % der Gruppenausstellungen waren in dieser Zeit Frauen gewidmet. Die Veröffentlichung veranlasste eine Gruppe von Kunstschaffenden am Frauenstreik am 14. Juni 2019 in Zürich Kunst im öffentlichen Raum mit Foto-Aktionen kritisch zu hinterfragen. Ein Jahr später, am Frauenstreik am 14. Juni 2020, wurde das Kollektiv offiziell gegründet und ein Instagram-Konto angelegt, das seither als Kanal genutzt wird.
Hulda Zwingli ist sowohl ein Kollektiv als auch eine Kunstfigur. Das Kollektiv wird von etwa einem Dutzend Frauen aus der Schweizer Kulturszene gebildet. Der Name bezieht sich auf die Schweizer Kunstsammlerin Hulda Zumsteg und den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli. Er weist darauf hin, dass sich die Mitglieder als potenzielles Publikum von Kunst, als Zürcherinnen und als Direktbetroffene der Versäumnisse der öffentlichen Kunstfinanzierung sehen. Das Kollektiv agiert über die Kunstfigur Hulda Zwingli, die Interviews gibt und auf Instagram postet. Sie wird durch ein Porträt von Zwinglis Tochter Regula Gwalther-Zwingli, dem eine violette Venussymbol-Brille hinzugefügt wurde, personifiziert.
Das Kollektiv tritt anonym auf. Laut eigenen Angaben bestünden in der kleinen Schweizer Kunstszene Abhängigkeiten, die offene Kritik erschweren. Gleichzeitig verschaffe die Anonymität Macht.
Die Kritik von Hulda Zwingli knüpft an Linda Nochlins 1971 erschienenen Artikel Why have there been no great women artists? und die Guerilla Girls an, die in den 1980er-Jahren in den USA gegründet wurden. So kritisiert das Kollektiv die Geschlechterungleichheit in der Kunstwelt und setzt sich für mehr Transparenz und Diversität ein. Besonderes Augenmerk liegt auf der Kunst im öffentlichen Raum, da sie von öffentlichen Geldern finanziert, im Gegensatz zu Museumskunst von allen gesehen wird und meistens von Männern stamme. Das Kollektiv fordert von öffentlichen Stellen deshalb Transparenz und Quoten für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Ebenfalls kritisiert Hulda Zwingli die Ankaufspraxis und Ausstellungspläne von Schweizer Museen und weist darauf hin, dass sich weibliche Künstlerinnen nach wie vor nur schwer in der Kunstwelt durchsetzen können.
Hulda Zwingli kommuniziert ihre Kritik über Beiträge, Fotos und Kommentare auf der Plattform Instagram. Die Inhalte stammen unter anderen von Spaziergängen durch Zürich, bei denen das Kollektiv Fragen zu Kunst im öffentlichen Raum stellt, oft auf Kartonschildern.
2022 stellte Hulda Zwingli Posts aus ihrem Instagram-Account in den Schaffhauser Kunstkästen aus. Im selben Jahr forderte das Kollektiv, dass das Kunsthaus Zürich eine Ausstellung von historischen Künstlerinnen organisiert. Ein Jahr später wurde Hulda Zwingli eingeladen, Werke aus der Sammlung des Kunsthaus Zürichs für die «ReCollect!»-Ausstellungsreihe auszuwählen. Die Ausstellung wurde von Mirjam Varadinis kuratiert. Während über einem Jahr wurden Werke von Helen Dahm, Sophie Schäppi oder Margherita Osswald-Toppi und von zeitgenössischen Künstlerinnen wie Elisabeth Eberle, Ursina Roesch oder Mary Kelly gezeigt. Das eindringlichste Werk der Ausstellung listete die Namen männlicher Künstler der bisher 1481 Ausstellungen des Museums auf und markierte die 60 Frauen mit Einzelausstellungen.
2024 waren Werke von Hulda Zwingli, die sich auf Arbeiten von Meret Oppenheim bezogen, in einer Berner Galerie zu sehen. Zudem führte das Kollektiv im Kunstmuseum Basel einen Workshop zum Potenzial von sozialen Medien durch und war Teil eines vom Fotomuseum Winterthur organisierten Online-Talks zu Feministischem Aktivismus auf Sozialen Medien.
2025 war Hulda Zwingli Teil der Ausstellung «In Frauenhand | In Her Hand» der Zentralbibliothek Zürich.