Der Husband Stitch oder auch Gentleman's Stitch ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem eine oder mehr Nähte mehr als nötig angelegt werden, um den Damm einer Frau zu vernähen, der während der Geburt gerissen oder geschnitten wurde. Der Zweck soll darin bestehen, die Öffnung der Vagina zu verengen und dadurch das Vergnügen ihres männlichen Sexualpartners beim Geschlechtsverkehr zu steigern. Dieser Effekt ist jedoch größtenteils unbelegt.
Während das Vernähen des Perineums medizinisch notwendig sein kann, ist eine zusätzliche Naht nicht erforderlich und kann zusätzliche Beschwerden oder Schmerzen verursachen. Die erstmalige Verwendung des Begriffs in der medizinischen Literatur ist in der „Transactions of the Texas State Medical Association“ aus dem Jahr 1885 zu finden. Im Buch „What Women Want to Know“ (1958), einem Buch eines amerikanischen Gynäkologen, wird dieser Begriff ebenfalls verwendet.
Systematische epidemiologische Studien zur Häufigkeit des sogenannten „Husband Stitch“ liegen bislang nicht vor; die Forschung weist vielmehr auf eine begrenzte Datenlage und das Fehlen quantitativer Erhebungen hin. Ein Grund hierfür ist, dass der Eingriff medizinisch nicht standardisiert oder offiziell definiert ist und daher in klinischen Datenbanken nicht gesondert erfasst wird.
Gleichzeitig ist die Praxis im Kontext geburtshilflicher Maßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit Episiotomien, in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert. So beschreibt eine Studie zur Geburtshilfe in Brasilien den sogenannten „ponto do marido“ als zusätzliche Naht, die über die medizinisch notwendige Versorgung hinausgehen kann und mit dem Ziel einer Verengung der Vaginalöffnung vorgenommen wird.
Neuere Arbeiten kombinieren historische Quellen, ethnografische Daten und Erfahrungsberichte, um die Existenz der Praxis trotz fehlender quantitativer Erhebungen zu belegen. Eine Studie auf Basis von Interviews, Feldbeobachtungen und einem mehrjährigen Aufbau eines „kulturellen Archivs“ argumentiert explizit gegen die Einordnung als bloße „urban legend“ und dokumentiert verschiedene Formen der Durchführung, einschließlich Fällen ohne informierte Zustimmung der Patientin. Dabei wird hervorgehoben, dass entsprechende Eingriffe häufig erst über ihre gesundheitlichen Folgen (z. B. Schmerzen oder Komplikationen) rekonstruiert werden können und daher empirisch schwer erfassbar sind.
In der Forschung wird das Phänomen daher überwiegend als schwer quantifizierbar, aber durch qualitative, historische und diskursanalytische Evidenz gestützt beschrieben und im Kontext von Medikalisierung, geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen und reproduktiver Ungerechtigkeit diskutiert.
Die vierte Staffel der Comedyserie jerks. startete Ende 2020 mit einer Doppelfolge mit dem Titel Gentleman's Stitch.