Hutebaum

Hutebuche am Mathesberg in der Rhön

Ein Hutebaum, auch Weidbaum, ist ein im Zusammenhang mit intensiver Beweidung (Hute) entstandener Baum.

Hutebaum im Windsor Park

Entstehung

Die charakteristische Form eines Hutebaums entsteht dadurch, dass die jungen Bäume früher auf einer Weide oder in einem Hutewald wuchsen und ihre Triebe immer wieder von Weidetieren (beispielsweise Kühe und Ziegen) oder von Wildtieren (vor allem Rehen und Hirschen) abgefressen wurden (Verbiss). Dadurch hatten sie keinen Haupttrieb mehr, sie entwickelten immer wieder neue Triebe und wuchsen eher buschförmig in die Breite als in die Höhe. Daher werden sie in diesem Stadium auch als „Kuhbusch“ bezeichnet. Erst wenn ein solcher Busch so groß ist, dass die Tiere nicht mehr seine Mitte erreichen können, wachsen die inneren Triebe ungestört in die Höhe. Sobald mehrere Triebe gleichzeitig in die Höhe gewachsen sind, bilden sie Stämme. Zunächst wachsen diese Teilstämme relativ separat. Erst ab einem gewissen Alter verwachsen die Teilstämme zu einem einzigen mächtigen Stamm. Außer durch den Verbiss leiden die jungen Pflanzen auch durch den Tritt der Tiere, durch Wind und durch Schnee.

Sprachlicher Aspekt

Das Wort Hute (Hude) für Weide allgemein oder auch nur für eine bestimmte Weideform ist aus der Alltagssprache verschwunden. Im Duden von 1996 erscheint der Begriff nicht mehr. Ein ähnliches Schicksal haben die Wortszusammensetzungen mit Hute erlitten, doch halten sie sich hartnäckiger als das Stammwort. 1996 findet sich im Duden noch Hutweide mit dem Zusatz Gemeindeweide, auf die das Vieh täglich getrieben wird, bei Knaur 1973 Hutung, Hutweide, mit dem Zusatz für geringwertige Weide. Bei Pfohl (1911) ist das Wort Hut noch in der Bedeutung Weiderecht aufgeführt. In dem durch seine Vollständigkeit ausgezeichneten Deutsch-Ungarischen Wörterbuch von Előd Halász (1994) findet sich Huter als Hüter bzw. Viehhüter, Hutgeld als Lohn für den Hirten, Hutgerechtigkeit als Hutrecht, Hutung, Hutwald und Hutweide. Der Begriff Hutebaum fehlt jedoch auch hier.

Obwohl auch Fichte, Ahorn, Esche, Linde und Ulme als Hutebäume angegeben werden, findet man als Wortzusammensetzungen mit Baumarten nur Huteeiche, Hutebuche, Weidbuche und Weidebuche. Diese Ausdrücke haben sich als Fachwörter einerseits und andererseits regional erhalten, teilweise mit der Tendenz zum Eigennamen für ganz konkrete Bäume. Dass sich im Sprachgebrauch regionale Unterschiede ergeben, ist nicht verwunderlich. Robert Gradmann (Pflanzenleben der Schwäbischen Alb) verwendet z. B. den Begriff Weidbuche, nicht aber Hutebuche, in der Rhön dagegen scheint der Begriff Hutebaum verbreitet.

Abrundend zur Sprachproblematik sei dem Register von H. Küster (Geschichte des Waldes) entnommen, dass dort Hudewald und Hutwald auf mehr als 13 Seiten, Hudeeiche auf 6 Seiten, aber Huteeiche nie, Hudebuche auf einer Seite und Weidbuche auf drei, und Weidbaum auf einer Seite angeführt werden.

Bedeutungsvarianz

Hutebuchen-Infotafel in Mittenwald
Bild 1: Huteeichen auf den früher als Waldweide genutzten Weiden des Gestüts Beberbeck bei Kassel
Bild 2: Weidbuche aus 13 Stämmen. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die "Äste" nicht durch Verzweigung entstanden sind, sondern eigenständige Stämme darstellen
Bild 3: junger Kuhbusch, überall durch Verbiss gestutzt
Bild 4: Im Zentrum wird der Busch nicht mehr verbissen
Bild 5: Der Verbiss beschränkt sich auf die unteren Teile
Bild 4: Gruppe von durch Stockausschlag entstandenen eng aufeinanderstehenden Buchen mit der Tendenz zu verwachsen
Bild 6: Baum, bei dem sichtbar wird, dass verschiedene Stämme einen Stumpf überwachsen haben und einen gemeinsamen Stamm bilden

Da schon der Begriff Hute nicht eindeutig ist, darf man erwarten, dass auch Hutebaum in verschiedenen Bedeutungen benutzt wird. Diese lassen sich in der Regel nur aus dem Kontext erschließen, da sie ja nicht in Form einer Definition angegeben werden. Es finden sich folgende Bedeutungen für Hutebaum:

Biologischer Aspekt

In gewissen Gebieten will man im Interesse des Arten- und Biotopschutzes das Aufkommen des Waldes verhindern, in anderen Gegenden hat man dagegen das Problem der Zerstörung des Baumbestandes durch intensive Beweidung im Auge. In beiden Fällen sind die Kenntnisse über Weidbäume von doppelter Bedeutung.

Naturdenkmal Hutebaum

Hutebäume haben einen großen Stammumfang, eine ausladende Krone und in der Regel ein hohes Alter. Dadurch erwecken sie Aufmerksamkeit, vor allem wenn sie exponiert stehen. Häufig dokumentieren sie auch Ortsgeschichte.

Durch die Bewirtschaftungsform des Niederwaldes mit gleichzeitiger Waldweide wurde die Entstehung von Hutebäumen gefördert, heute sind sie als seltene Relikte häufig als Naturdenkmale gekennzeichnet und geschützt.

Siehe auch

Literatur

Commons: Waldweide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien