Der Huttonvireo (Vireo huttoni) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).
Der Vogel kommt von British Columbia in Kanada bis Guatemala in Zentralamerika vor.
Der Lebensraum zur Brutzeit umfasst immergrüne Wälder und baumbestandene Flächen mit Unterholz und einigermaßen geschlossenem Kronendach. Während des Vogelzuges werden Waldgebiete entlang von Flüssen, in Parks, Höfen und Gärten mit breitblättrigen Bäumen gesucht. Als Winterquartier wird ein ähnliches Habitat wie das Brutgebiet bevorzugt aber auch Auwälder.
Die Art ist mit 10–12cm groß und einem Gewicht von 9 bis 15g. ein kleiner Vireo. Die Oberseite ist grünlich oliv bis olivgrau, die Unterseite matt gelblichweiß etwas gelbbraun bis grauoliv überhaucht. Die Außenfahnen der Konturfedern und der Steuerfedern tragen grünlich gelbe bis gelblich weiße Ränder. Die Flügel haben zwei weißliche bis gelbliche Binden. Hinzu kommt ein breiter blass weißlicher bis gelblicher Augenring, über dem Auge unterbrochen und blasse Zügel. Der Oberschnabel ist schwärzlich, der Unterschnabel heller, besonders an der Basis, die stämmigen Beine und Füße sind blaugrau bis dunkelgrau. Die Geschlechter unterscheiden sich nur während der Brutsaison durch den Brutfleck beim Weibchen und die Verdickung der Kloake beim Männchen. Die Iris ist dunkelbraun.
Der Vogel ähnelt dem Rubingoldhähnchen (Corthylio calendula), hat aber einen dickeren Schnabel, breiteren Augenring und zwei deutliche Flügelbinden, erscheint großköpfiger mit kurzem Nacken und hat deutlich dickere Beine. Der Cassinvireo (Vireo cassinii) hat eine weißere Kehle, mehr Kontrast im Gefieder und einen nicht unterbrochenen weißen Augenring sowie weiße Zügel, was ein brillenartiges Bild ergibt. Der Braunaugenvireo (Vireo bellii) hat schmalere und weniger deutliche Flügelbinden, ist an Kehle und Brust heller und hat einen schmalen Augenring. Manchmal kann der Huttonvireo auch mit Vertretern der Gattung Empidonax verwechselt werden, die aber einen flachen und breiten Schnabel aufweisen, eine aufrechtere Haltung haben und aus dem Flug heraus mit schnelleren Bewegungen jagen.
Geografische Variation
Es werden zahlreiche Unterarten anerkannt:
Die verschiedenen Unterarten können in zwei Gruppen eingeteilt werden:
Gruppe huttoni (polytypisch):
V. h. obscurusAnthony, 1890 – äußersten Südwesten Kanadas südlich entlang des Westens der USA bis Nordwestkalifornien, hell grünlich olivfarbener Rücken, Scheitel und Nacken gleich wie der Mantel gefärbt, Bürzel in ähnlicher Färbung, Augenring und ziemlich schmale Flügelbinden gelblich, Steiß matt gelblich, Flanken oliv gelbbraun, Steuerfedern mit gelb-oliven Rändern, kurze Flügel unter 66 mm
V. h. parkesiRea, 1991 – Nordwestkalifornien südlich bis Marin County, wie V. h. obscurus, aber Oberseite weniger grünlich, mehr gelblich olivfarben, Bürzel heller und mehr abgesetzt, Steiß heller gelb. Populationen im südwestlichsten Teil Oregons und im nordwestlichsten Teil Kaliforniens sind dem V. h. obscurus noch ähnlicher
V. h. sierraeRea, 1991 – Norden und Zentrum der Sierra Nevada in Ostkalifornien, wie V. h. obscurus, aber insgesamt blasser, Scheitel und Nacken blass grau und gegen den blass gelbgrünen Mantel abgesetzt, Steiß gelblich weiß, Flanken ohne graue Anteile
V. h. huttoniCassin, 1851, Nominatform, – Westkalifornien bis Monterey, nach Süden entlang der Küste bis Santa Barbara County sowie Insel Santa Rosa und Santa Cruz, wie V. h. obscurus, aber Oberseite weniger olivfarben, mehr eindeutig grün, Steiß weißer und weniger gelb, Flanken matter und gelber, weniger olivfarben, Flügelbinden cremeweiß und breiter. Mit eingeschlossen ist der Vireo mailliardorumJoseph Grinnell, 1903
V. h. oberholseriBishop, 1905 – Südkalifornien, Nordwesten Mexikos (Norden Baja Californias), wie V. h. huttoni, aber Scheitel und Nacken schiefergrau, Steiß sehr weiß, Steuerfedern mit matt blassoliven Rändern
V. h. unittiRea, 1991 – Santa Catalina Island im Südwesten Kaliforniens, wie V. h. obscurus, aber Rücken weniger grünlich, mehr grau bis olivfarben, Flanken oliv bis grau ohne hellere grüne oder gelbe Anteile, Steuerfedern mit matt olivfarbenen Rändern, Flügelbinden grau, jeweils weniger gelblich
V. h. cognatusRidgway, 1903 – Süden Baja Californias, im Westen Mexikos, wie V. h. huttoni, aber Rücken weniger grün, mehr grau olive, Steiß gelbbraun, heller
Gruppe stephensi (polytypisch):
V. h. stephensiBrewster, 1882 – Südwesten der USA (Arizona, Südwesten New Mexicos) südlich über Sierra Madre Occidental bis Zacatecas in Zentralmexiko, wie V. h. huttoni, aber blasser und größer, Flügel über 66 mm, Rücken matt olivgrau, Steiß matt oliv gelbbraun, Flanken gelblich überhaucht, Augenring, Flügelbinden und Ränder der Steuerfedern gelblich weiß.
V. h. carolinaeBrandt, 1938 – Südwesten von Texas und Ostmexiko, wie V. h. stephensi, aber Oberseite etwas dunkler und grüner, weniger olivfarben
V. h. pacificusA. R. Phillips, 1966 – Südwesten Mexikos (Nayarit bis Südwesten Jaliscos), wie V. h. stephensi, aber farbenfroher, mehr gelb am Bürzel, den Rändern der Steuerfedern und am Kopf, sonst dunkler und kleiner, Flügel unter 66 mm
V. h. mexicanusRidgway, 1903 – Südmexiko (Bundesstaat Mexiko bis Norden Oaxacas), wie V. h. huttoni, aber insgesamt dunkler, Rücken olivgrau bis olivbraun, Steiß zweifarbig, Brust, Seiten und Flanken dunkler als Unterseite
V. h. vulcaniGriscom, 1930 – Südwesten Guatemalas, wie V. h. mexicanus, aber farbenfroher, Scheitel grüner, weniger olivfarben
Die vorgeschlagene Unterart V. h. insularisRhoads, 1893 wird als Syn. für V. h. obscurus angesehen, in der Datenbank Avibase als separat geführt.
Stimme
Die Lautäußerungen zeigen eine beträchtliche Variabilität sowohl zwischen den Individuen als auch zwischen verschiedenen Gebieten innerhalb des Lebensraumes. Typisch ist eine monotone Folge von nasalen und pfeifenden zweisilbigen Lauten wie zu-wee.....zu-wee.....zu-wee.....zu-wee..…, die mitunter minutenlang wiederholt wird. Häufig ist auch eine abfallende Folge zu hören zee-ooo.....zee-ooo.....zee-ooo.....zee-ooo......
Lebensweise
Die Art lebt monogam, die Unterart V. h. stephensi ist ein Teilzieher in Arizona und New Mexico. Nach der Brutzeit wurden Höhenwanderungen im Spätsommer und Herbst in Oregon, Arizona und Kalifornien beschrieben.
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnentieren, die langsam und gründlich gesucht werden bevorzugt auf Blattoberflächen, aber auch an Blüten, Früchten, Baumrinden und Zweigen. Vom Untergrund und in der Luft jagt die Art auch aus dem Flug heraus.
Die Brutzeit liegt in Kalifornien zwischen Anfang Februar und Anfang August, weiter nördlich scheint sie etwas später zu liegen. Das Gelege besteht aus 1 bis 5 Eiern, die sofort nach der ersten Eiablage bebrütet werden von beiden Elternvögeln.
Hauptsächliche Nesträuber sind wahrscheinlich Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), Rundschwanzhabicht (Accipiter cooperii), der Gnomenzwergkauz (Glaucidium gnoma) sowie Kalifornienhäher (Aphelocoma californica), Diademhäher (Cyanocitta stelleri), die Amerikakrähe (Corvus brachyrhynchos) und vielleicht auch das Nördliche Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus).
Gefährdungssituation
Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).
Literatur
J. Cassin: Vireo huttoni. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 5, S.150, 1851, Biodiversity Library
12Huttonvireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 7. Januar 2026.
↑P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
12345J. N. Davis: Hutton’s Greenlet (Vireo huttoni), version 1.0. In: P. G. Rodewald (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Vireo huttoni
↑J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
↑AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
↑A. R. Phillips: The Known Birds of North and Middle America Part II: Bombycillidae; Sylviidae to Sturnidae; Vireonidae., 1991, ISBN 0-9617402-1-3ISBN 978-0-9617402-1-4
↑C. Cicero und N. K. Johnson: Genetic differentiation between populations of Hutton's Vireo (Aves: Vireonidae) in disjunct allopatry. In: Southwestern Naturalist Band 37, S.344–348, 1992,
↑A. W. Anthony: Vireo huttoni obscurus. In: Zoe: a biological journal, Band 1, Nummer 10, S.308, 1891, Biodiversity Library
A. M. Rea: Vireo huttoni parkesi. In: The known birds of North and Middle America, Band 2, S.184, 1991