Hydnora longicollis

Hydnora longicollis

Herbarexemplar von Hydnora longicollis aus dem Muséum national d’histoire naturelle, Paris

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Magnoliids
Ordnung: Pfefferartige (Piperales)
Familie: Hydnoraceae
Gattung: Hydnora
Art: Hydnora longicollis
Wissenschaftlicher Name
Hydnora longicollis
Welw.

Hydnora longicollis ist eine blattgrünlose Pflanzenart aus der Gattung Hydnora innerhalb der Familie der Hydnoraceae.

Beschreibung, Ökologie und Phänologie

Wie alle Arten der Gattung Hydnora ist auch bei Hydnora longicollis keine Photosynthese und dementsprechend kein Chlorophyll mehr vorhanden. Diese Art ist ein unterirdisch wachsender, ausdauernder Wurzelparasit ohne Blätter oder Sprossachsen.

Rhizom

Das Rhizom ist bei einem Durchmesser von 1 bis 3 Zentimetern im Querschnitt vier- bis sechskantig und hat. Die Oberfläche des Rhizoms ist ledrig, und braun bis dunkel-braun. Das Rhizom verläuft waagrecht im Boden, meist in geringer Tiefe. Manchmal verzweigt es sich dichotom oder dreifach. Auf dem Rhizom sitzen zahlreiche seitliche Tuberkel, die in deutlichen parallelen Linien angeordnet sind. Diese Linien entsprechen den Kanten im Rhizomquerschnitt. Aus den Tuberkeln können sich Blüten oder Haustorien entwickeln. Das Rhizom-Innere ist fleischig und von kräftigem Rot.

Blüten

Die Blüten sind meist drei-, selten vierzählig. Die Blüte wächst nur teilweise über die Bodenoberfläche hinaus. Die Blüte besitzt zwei Blütenkammern: eine andrözische Kammer und unter dieser die gynözische Kammer. Die innere Oberfläche der Kammern ist glatt. Die Blütenhülle (Perianth) ist außen ledrig und braun und ähnelt häufig dem Boden. Die Gesamtlänge beträgt 5,1 bis 14,5 Zentimetern. Das Perianthgewebe ist fleischig. Die Blütenröhre weist einen Durchmesser von 1,2 bis 2,7 Zentimetern auf, ist innen rosafarben und wird später dunkler zu orangefarben und rot im Verlauf mehrerer Tage.

Die rosafarbenen Tepalen messen von der Spitze bis zum Punkt, wo sie mit den anderen Tepalen verwachsen, eine Länge von 0,9 bis 2,4 Zentimetern auf. In der Mitte der Länge sind sie 1,2 bis 2,7 Zentimeter breit. Die Tepalen sind elliptisch-lanzettlich, an der Spitze nach innen gebogen, an der Spitze jedoch nicht mit den anderen verschmolzen. Die Seiten der Tepalen sind mit Setae von bis zu 2 mm Länge besetzt, die Setae bedecken praktisch die gesamten Seitenflächen. Die dorsale Kante ist mit deutlich größeren Setae von bis zu 4 mm Länge besetzt. Pro Tepal gibt es einen Osmophor, der in der Tepalenhöhlung eingesenkt ist. Dieser ist schwammig und zunächst weiß, wird jedoch im Verlauf der Zeit braun/grau. Er verbreitet einen fäulnisartigen Geruch.

Die Antherenlappen sind verwachsen und w-förmig, sie bilden einen Antherenring mit einer zentralen Öffnung, die 1,0 bis 2,1 Zentimeter weit ist. Der Ring ist gestreift und in zahlreiche horizontale Pollensäcke unterteilt. Der Pollen ist bisulcat. Der Fruchtknoten steht unterständig, ist unilokulär und besitzt zahlreiche Samenanlagen. Der Fruchtknoten misst 1,7 bis 3,3 Zentimeter im Durchmesser. Die Narbe ist gelappt und polsterartig, sie sitzt am Grund der gynözealen Kammer und ist 1,0 bis 1,8 mm im Durchmesser.

Die Früchte verbleiben unter der Erde; es sind gewundene bis kugelige Beeren mit ledrigem Perikarp. Der Durchmesser beträgt 3 bis 5 Zentimeter. Jede Frucht bringt tausende Samen hervor, die im weißen „Fruchtfleisch“ eingebettet sind. Die schwarz-braunen Samen sind bei einem Durchmesser von 0,7 bis 1,2 Millimetern kugelig.

In Angola wurde Hydnora longicollis hauptsächlich im Januar in Blüte beobachtet, während sie in Namibia zwischen Februar und April blüht. Vereinzelt wurden Blüten das ganze Jahr über beobachtet, was darauf hindeutet, dass die Blüte von ausreichendem Regenfall abhängt. Man nimmt an, dass die Fruchtreife mehrere Monate beansprucht.

Vorkommen

Euphorbia damarana, der Hauptwirt von Hydnora longocollis, an ihrem natürlichen Standort

Hydnora longicollis ist vom südwestlichen Angola bekannt sowie aus der Region Erongo in Namibia. In Namibia ist ihr Verbreitungsgebiet eng an das ihrer Wirtspflanze Euphorbia damarana gebunden. Aus Angola sind nur wenige Funde bekannt, die meisten davon aus der sandigen, küstennahen Namibe Provinz. Ein neuerer Fund stammt aus der weiter Inland gelegenen Huila Provinz. Ihr Verbreitungsgebiet überschneidet sich praktisch nicht mit dem von Hydnora visseri oder Hydnora africana.

Als Wirtspflanze ist Euphorbia damarana bestätigt. Einzelne Berichte gibt es zu Euphorbia gariepina und Euphorbia virosa.

Systematik

Die Erstbeschreibung erfolgte 1869 als Varietät Hydnora africana Welw. var. longicollis und Art Hydnora longicollis Welw. durch Friedrich Welwitsch. Sebastian A. Hatt et al. haben 2024 diese Art Hydnora longicollis Welw. in ihrer Gattungsrevision bestätigt.

Das Artepitheton longicollis bedeutet „langer Hals“ und bezieht sich wahrscheinlich auf die relativ lange Perianthröhre dieser Art, auch wenn dies ein eher variables Merkmal ist.

Die Hydnora longicollis gehört zur Untergattung Hydnora innerhalb der Gattung Hydnora.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin. Band 79, S. 459–514, 2024. doi:10.1007/s12225-024-10193-5
Commons: Hydnora longicollis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien