| Hydrogenimonas thermophila | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Gattung | ||||||||||||
| Hydrogenimonas | ||||||||||||
| Takai, Nealson & Horikoshi 2004 | ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Art | ||||||||||||
| Hydrogenimonas thermophila | ||||||||||||
| Takai, Nealson & Horikoshi 2004 |
Hydrogenimonas thermophila ist die Typusart der Gattung Hydrogenimonas und der Familie Hydrogenimonadaceae [Hydrogenimonaceae] in der Ordnung Campylobacterales (Klasse Epsilonproteobacteria [„Campylobacteria“]). Es handelt sich um thermophile Bakterien, die bei thermalen Schloten im Indischen Ozean gefunden wurden.
Im Rahmen des japanischen „SUGAR-Projects“ wurden systematisch Tiefseeproben entnommen und mikrobiologisch untersucht. „SUGAR-Project“ steht für „Subground Animalcule Retrieval“. Zu diesem Zweck wurde die Shinkai 6500 eingesetzt, ein bemanntes Tiefsee-U-Boot mit einer Tauchtiefe von über 2000 m. Dabei wurden Proben im Indischen Ozean im zentralindischen Rücken im Kairei Field in einer Tiefe von 2421 m in der Nähe eines schwarzen Rauchers, einer heißen Quelle am Meeresboden, entnommen. Mit einer speziellen Technik, von den Autoren ‚in situ colonization system‘ genannt, wurden die Bakterien angereichert. Nach Analyse der ribosomalen RNA wurde vermutet, dass die Proben mehrere unbekannte Arten von ε-Proteobakterien enthielten. Es konnte darunter ein als EP1-55-1% bezeichneter Bakterienstamm isoliert und charakterisiert werden, den Takai et al. als Referenzstamm der neuen Spezies Hydrogenimonas thermophila bestimmten.
Es handelt sich um sehr bewegliche (motile) Stäbchen-Bakterien mit einer endständigen (polaren) Geisel. Sie haben einen Durchmesser von 0,7 bis –1,0 μm und eine Länge von 1,5 bis 3,5 μm. Unter anaeroben Bedingungen in einem MMJH-Medium werden die Bakterien unbeweglich und gehen in eine kugelige Ruheform über. Diese Formveränderung ist charakteristisch für Hydrogenimonas thermophila und kann zur Unterscheidung von anderen Arten herangezogen werden. Die Bakterien leben bei gemäßigter (mesophil) oder hoher (thermophil) Temperatur. Die Vermehrung findet bei Temperaturen zwischen 35 und 65 °C (Optimum 55 °C) und einen pH-Wert von 4,9 bis 7,2 (Optimum 5,9) statt. Unter guten Bedingungen teilen sich die Bakterien alle 70 Minuten.
Zur Energiegewinnung wird Wasserstoff oxidiert. Auch elementarer Schwefel oder Thiosulfat kann als Elektronendonor dienen. Als Elektronenakzeptor kann es molekularen Sauerstoff, Nitrate oder elementaren Schwefel verwenden. Als Kohlenstoffquelle dient Kohlendioxid. Nitrate und Ammonium werden als Stickstoffquelle verwendet, Nitrite und molekularer Stickstoff nicht. Wenn Nitrate als einziges Oxidationsmittel vorhanden waren, so wurde von Hydrogenimonas thermophila Nitrat verbraucht und Ammonium produziert. Hydrogenimonas thermophila wächst nicht unter normalen, heterotrophen Bedingungen. Takai et al. testeten Hefeextrakt, Pepton, Tryptophan, verschiedene organische Säuren und Zucker ohne Erfolg.
Durch Extraktion und Erzeugung von Fettsäuremethylestern konnte der Anteil verschiedener Fettsäuren bestimmt werden:
Die Zusammensetzung ähnelt der von Sulfurimonas autotrophica.
Die Gewinnung der Proben erfolgte mit dem speziell für diesen Zweck entwickelten in-situ colonization system. Dabei wurde ein Stahlrohr mit 5 mm großen Löchern und einem porösen Bimsstein-Substrat gefüllt drei Tage lang in einem schwarzen Raucher deponiert. Das Wasser dieser Unterseequelle hatte eine Austrittstemperatur von über 250 °C. Das Rohr wurde dann mit einem Unterseeboot geborgen und das Material mit sterilisiertem, synthetischem Seewasser unter Zusatz von Natriumsulfid unter einer Stickstoffatmosphäre transportiert. Die weitere Kultivierung erfolgte im MMJHS-Medium unter einem Gas aus Wasserstoff (80 %), Kohlendioxid (19 %) und Sauerstoff (1 %) bei 55 °C. Bei mehr als 2 % Sauerstoff erfolgte kein Wachstum mehr. Die Bakterien sind also anaerob bis mikroaerob. Eine hohe Kalziumkonzentration fördert das Wachstum.
Hydrogenimonas thermophila ist sensibel gegenüber verschiedenen Antibiotika. Takai et al. testen Chloramphenicol, Streptomycin, Kanamycin, Ampicillin und Rifampicin.
Der folgenden Liste der Arten der Gattung Hydrogenimonas liegen als Quellen zugrunde:
Die Liste folgt dabei in erster Linie der LPSN, mit Ergänzungen nach der Taxonomie des NCBI und der GTDB (Stand 16. Januar 2024):
Familie Hydrogenimonadaceae Waite et al. 2020(L,N) „Hydrogenimonaceae“ Garrity et al. 2004(L)
Der Gattungsname Hydrogenimonas leitet sich ab von neulateinisch hydrogenum ‚Wasserstoff‘ (wörtlich ‚Wasser erzeugend‘ – zusammen mit Sauerstoff – altgriechisch ὕδωρ húdōr & γεννάω gennaō), sowie lateinisch monas ‚Einheit‘, ‚Einzeller‘. Hydrogenimonas deutet also auf einen Wasserstoff-verstoffwechselnden Einzeller hin.
Das Art-Epitheton thermophila setzt sich zusammen aus altgriechisch θερμός thermós, deutsch ‚warm‘, „heiß“ und der femininen Form phila von neulateinisch philus ‚Freund‘, ‚liebend‘ (aus altgriechisch φίλος philos, deutsch ‚liebend‘). thermophila ist bedeutet also eine hitzeliebende (Bekterienart).