Hymnus ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu weiteren Bedeutungen siehe Hymnos.
Ein Hymnus (altgriechischὕμνοςhýmnos, deutsch ‚Tongefüge‘, lateinischhymnus) oder eine Hymne (femininum, sekundär aus dem Plural Hymnen entstanden) war in der Musik der griechischen Antike ursprünglich ein feierlicher Preis- und Lobgesang, der sich an die Götter richtete. Im Frühmittelalter wurde der Begriff als Lehnwort ins Lateinische übernommen und erhielt in der christlichen Kirchenmusik die feste Bedeutung „Lob Gottes mit Gesang“ bzw. „Gesang mit Lob Gottes“. Daraus entstand die Hymne als Gedichtform als geistliches Lied oder religiöses, lyrisches Gedicht (im Unterschied zur epischen, didaktischen und profanen Dichtung). Hymnen sind Ausdruck hoher Begeisterung und Verehrung.
In der Hymnologie werden geistliche Hymnen und andere Kirchenlieder erforscht. Es werden zudem liturgische, außerliturgische und griechische (bzw. syrische) Hymnen unterschieden. Außerdem steht Hymne kurz für eine Nationalhymne oder ähnliche Gesänge.
In der modernen Forschung wird der Begriff Hymnos/Hymnus auch auf andere Preislieder des Altertums für Götter und Heilige angewandt. So versteht man in der alttestamentlichenBibelwissenschaft unter Hymnus eine Psalmengattung mit einem festen zweiteiligen Formschema. Auf eine Einführung, die zum Lob JHWHs auffordert, folgt das Hauptstück, in dem Anlass und Inhalt des Lobgesangs genannt werden.
In der religiösen Musik des Christentums wurde der griechische Begriff Hymnos dagegen bereits von den Zeitgenossen verwendet und als Hymnus auch ins Lateinische übernommen. In der Kirchenmusik der Alten Kirche und des Mittelalters bezeichnet er eine einstimmige, vielstrophige Form des geistlichen Liedes, die bis heute Verwendung im Stundengebet der römisch-katholischenLiturgie und anderer christlicher Konfessionen findet; ein Hymnus ist Bestandteil jeder Hore. Als das „klassische Maß“ gilt seit Ambrosius von Mailand ein Hymnus mit acht Strophen.
In der Dichtung ist die Hymne ein der Ode vergleichbares Gedicht (Lobeshymne), siehe auch Hymne (Gedichtform). Ein solches Gedicht ist oft in freien Rhythmen verfasst, ohne Reim und ohne festen Strophenbau.
Seit Friedrich Gottlieb Klopstock bezeichnete man als Hymne ein feierlich-getragenes Gedicht mit ernstem, begeisterndem oder besinnlichem Inhalt.
Es gibt auch Trauerhymnen, beispielsweise den Zyklus Dresden von Rudolf Mauersberger mit dem Trauerhymnus Wie liegt die Stadt so wüst.
Außerdem gibt es Unternehmenshymnen, Vereinshymnen, Clubhymnen, Parteihymnen, Partyhymnen usw.
Bei Studentenverbindungen haben Farben- oder Bundeslieder eine vergleichbare Funktion.
In den Rezensionen des journalistischenFeuilletons werden uneingeschränkt positive Urteile über Künstler und ihre Werke als (Lobes)-Hymnen bezeichnet (das Gegenteil ist der Verriss).
Jan Maarten Bremer, William D. Furley: Greek Hymns. Volume I: The Texts in Translation. Volume II: Greek Texts and Commentary. Mohr Siebeck, Tübingen, 2001 (Studien und Texte zu Antike und Christentum, Bd. 9–10), ISBN 3-16-147527-5 (Bd. 1), ISBN 3-16-147553-4 (Bd. 2). Rezension: Andrew Faulkner, in: Bryn Mawr Classical Review 2002.05.36 online
Hymns Ancient and Modern Editorial Board (Hrsg.), Hymns Ancient and Modern. New Standard Version Full Music Edition, Church House Publishing, London 2003, ISBN 978-0907547372.
↑Hymne. In: Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 19. Januar 2020.
↑Clemens Blume: Hymnus. In: Michael Buchberger (Hrsg.): Kirchliches Handlexikon. Ein Nachschlagebuch über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. Band 1: A–H. Allgemeine Verlags-Gesellschaft, München 1907, Sp. 2064 f.