Dieser Artikel erläutert Tonizität; zur Erklärung der früher in der Medizin verwendeten Begriffe Hypertonizität und Hypotonizität siehe Arterielle Hypertonie und Arterielle Hypotonie.
Tonizität (von altgriechischτόνοςtónos, deutsch ‚Spannung‘, ‚Anspannung‘; früher: Tonicität), auch als „effektive Osmolarität“ bezeichnet, ist ein qualitatives Maß für den Unterschied im osmotischen Druck zwischen zwei Lösungen bezogen auf einen Zelltyp (mit seiner jeweiligen Semipermeabilität). Tonizität besitzt im Gegensatz zu Osmolarität und Osmolalität keine Einheit. Die „Tonizität [beschreibt] das osmotische Verhalten.“ Die Tonizität ist die effektive Osmolalität. Tonizität ist ein physiologischer oder klinischer Begriff für den in einer Lösung aufrechterhaltenen osmotischen Druckzustand. Wenn semipermeable Membranen vorliegen (zum Beispiel am Auge), ist Tonizität synonym für den osmotischen Druck. Synonyme sind der osmotische Gradient und die effektive Osmolarität.
Bedeutung
Schematische Darstellung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) in einem umgebenden Medium (schwarz dargestellt), das in Bezug auf das zellinnere Zytoplasma hyper-, iso- oder hypotonisch ist.
Der Begriff Tonizität findet häufig Verwendung in der biologischenMedizin und in der Biochemie bei der Beschreibung des Verhaltens von Zellen (das Zytoplasma ist „Lösung I“), die durch ihre Zellmembran („semipermeable Membran“) von einer sie umgebenden Flüssigkeit („Lösung II“) getrennt sind. Da die Tonizität als Unterschied des osmotischen Druckes beschrieben wird, wird sie nur durch gelöste Stoffe hervorgerufen, die – bei Einstellung eines Gleichgewichts – die Membran nicht durchqueren können. Gelöste Stoffe, die sich frei durch die Membran bewegen können, haben keinen Einfluss auf die Tonizität.
Tonizität ist eine moderne wissenschaftliche Wortbildung zum Adjektivtonisch beziehungsweise zum SubstantivTonus. Der Ursprung ist das altgriechische τόνος (tónos) mit den Bedeutungen „Spannung, Anspannung, Zug; gespannte Saite“. Das dazugehörige Verb war τείνειν (teínein) „spannen, ausstrecken“. Daraus entwickelten sich lateinisch tonus „Spannung; Ton“ und griechisch/lateinisch τονικός tonikos / tonicus „die Spannung betreffend, kräftigend“. Neuzeitliche substantivische Bildungen sind französisch la tonicité, englisch the tonicity und deutsch die Tonizität.
Begriffe
Die Tonizität wird in verschiedenen Begriffen benannt: hyperton, isoton und hypoton. Die Tonizität von menschlichen Körperflüssigkeiten wird vor allem von Natriumionen beeinflusst.
Hypertonizität
Der Begriff hyperton (syn.hypertonisch; altgriechischὑπέρ‚über‘ und τόνοςtónos, deutsch ‚Spannung‘, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:
Eine Lösung hat einen höheren osmotischen Druck als ein Vergleichsmedium.
Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat einen höheren osmotischen Druck als das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).
Isotonizität
Der Begriff isoton (syn. isotonisch; von griech. ἴσοςísos, deutsch ‚gleich‘ und τόνοςtónos, deutsch ‚Spannung‘, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:
Eine Lösung hat denselben osmotischen Druck wie ein Vergleichsmedium.
Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat denselben osmotischen Druck wie das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).
In der Medizin bedeutet isotonisch:
Eine Lösung hat denselben osmotischen Druck wie das menschliche Blut, zum Beispiel die isotonische Kochsalzlösung.
Hypotonizität
Der Begriff hypoton (syn. hypotonisch; griech. ὑπόhypo, deutsch ‚unter‘ und τόνοςtónos, deutsch ‚Spannung‘, ‚Anspannung‘) bedeutet in der Biochemie und Biologie:
Eine Lösung hat einen geringeren osmotischen Druck als ein Vergleichsmedium.
Eine Zelle (genauer: das Zytoplasma, das Medium innerhalb einer Zelle) hat einen geringeren osmotischen Druck als das sie umgebende Medium (die Flüssigkeit außerhalb der Zelle).
↑Hans Walter Striebel: Die operative Intensivmedizin. Sicherheit in der klinischen Praxis. Schattauer, Stuttgart / New York 2008, ISBN 978-3-7945-2480-8, S. 123 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).