| IRIS-T SLM | |
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IRIS-T-SLM-Starter auf Basis eines MAN SX45 8×8 10 t | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Flugabwehrlenkwaffe |
| Heimische Bezeichnung | IRIS-T SLM |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Diehl Defence |
| Entwicklung | 2007 |
| Indienststellung | 2022 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht | 110 kg |
| Antrieb | Feststoffraketentriebwerk |
| Geschwindigkeit | 1020 m/s (Mach 3) |
| Reichweite | 40 km |
| Dienstgipfelhöhe | 20 km |
| Ausstattung | |
| Lenkung | GPS, INS, 2-Weg Datenlink |
| Zielortung | Infrarotsuchkopf |
| Gefechtskopf | 11,4 kg Splittergefechtskopf |
| Zünder | Aufschlag- und Näherungszünder |
| Waffenplattformen | Lastkraftwagen |
| Listen zum Thema | |
IRIS-T SLM ist ein bodengestütztes Flugabwehrraketen-System. Es verwendet eine abgeänderte Ausführung des IRIS-T-Luft-Luft-Lenkflugkörpers. Entwickelt wurde IRIS-T SLM von Diehl Defence in multinationaler Zusammenarbeit. IRIS-T SLM steht für Infra Red Imaging System – Tail/Thrust Vector Controlled, Surface Launched Medium Range.
IRIS-T SLM entstand auf Grund einer Forderung des Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Dieses forderte ein ergänzendes System zum Medium Extended Air Defense System (MEADS). Während MEADS Luftziele auf eine Distanz von bis zu 100 km bekämpfen soll, ist IRIS-T SLM auf die Verteidigung von Punktzielen ausgelegt. IRIS-T SLM kann auch als kostengünstiger Lenkflugkörper in MEADS integriert oder zusammen mit MEADS im Sensorverbund eingesetzt werden. Die Entwicklung begann im Jahr 2007 als multinationales Projekt unter der Federführung von Diehl Defence. Weitere Partnerländer sind Norwegen, Schweden, Griechenland sowie Italien. Der erste ungelenkte Testflug eines IRIS-T-SLM-Lenkflugkörpers fand im Oktober 2009 auf der Overberg Test Range in Südafrika statt. Die Testschießen mit dem ersten kompletten Prototyp wurden ab Mai 2012 durchgeführt. Im Dezember 2012 konnte erstmals ein Zielflugkörper erfolgreich bekämpft werden. Nachdem die Testserie der Entwickler im Jahr 2015 abgeschlossen war, erfolgten ab 2017 die Tests bei der Bundeswehr. Im Jahr 2022 war IRIS-T SLM einsatzbereit. Im Jahr 2023 errichtete Diehl Defence zusammen mit der Bundeswehr ein Ausbildungszentrum auf dem Truppenübungsplatz Todendorf in Schleswig-Holstein. Dort haben andere Nationen die Möglichkeit, ihre Soldaten im Umgang mit dem IRIS-T-Flugabwehrsystem zu trainieren. IRIS-T SLM wird auch auf dem internationalen Markt angeboten. Dort steht sie in Konkurrenz zum Sky Sabre (Vereinigtes Königreich) und MICA VL (Frankreich).
Diehl Defence arbeitet gegenwärtig an einer Integration der IRIS-T SLM in das Mk 41 Vertical Launching System von Lockheed Martin. Im November 2025 vereinbarten Diehl und Lockheed Martin eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Integration von IRIS-T SLM sowohl in das Mk-41-System als auch in das Aegis-Kampfsystem zu prüfen.
Diehl Defence testete im Rahmen der Maritime Firing Exercise 2025 „Andøya“ erfolgreich den ersten navalisierten IRIS-T-SLM-Systemdemonstrator. Die Integration erfolgte auf dem C-Deck der Fregatte „Baden-Württemberg“ (Typ F125). Damit gelang erstmals die Erprobung einer navalisierten Variante des Luftverteidigungssystems mit einem IRIS-T-Flugkörper. Die Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse wurde als Träger ausgewählt, um deren unzureichende Luftverteidigung durch die IRIS-T SLM teilweise zu beheben.
IRIS-T SLM ist ein allwetterfähiges, taktisches Flugabwehrraketen-System zur Abwehr von Hubschraubern, Flugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen, Marschflugkörpern sowie eingeschränkt für ballistische Kurzstreckenraketen. Das IRIS-T-SLM-System besteht hauptsächlich aus folgenden Komponenten: einem Tactical Operations Center (TOC), einem Radar sowie mehreren Startern (Launcher) für die Lenkflugkörper. Alle Komponenten sind auf standardisierten 20-Fuß-ISO-Containerrahmen montiert und lassen sich somit auf den verschiedenen Typen von Lastkraftwagen transportieren. Zudem ist durch diese Containerlösung der Transport auf Schiffen, Eisenbahnwaggons oder in Flugzeugen möglich. Unter anderem ist IRIS-T SLM mit den Transportflugzeugen C-130 und A400M luftverladbar.
Das Tactical Operations Center (TOC) ist der zentrale Feuerleitstand einer IRIS-T-SLM-Feuereinheit. Von hier aus führen die Operateure den Feuerkampf, wobei sie auch Anweisungen von einem übergeordneten Gefechtsstand erhalten können. Die Anbindung an die weiteren Systemelemente erfolgt über Funkverbindung oder Lichtwellenleiter. Zudem bietet das TOC die zur Anbindung an übergeordnete Führungs- oder Informationsstrukturen notwendigen Datenschnittstellen und Kommunikationsmöglichkeiten. Diese nach außen führende Anbindung kann real-time oder non-real-time erfolgen.


Das Radar ist der Hauptsensor der IRIS-T-SLM-Feuereinheit. Es wird zur Luftraumüberwachung eingesetzt und stellt gleichzeitig die Zielerfassung und Zielverfolgung sicher. In der aktuellen Konfiguration ist IRIS-T SLM mit dem 3D-Multifunktionsradar TRML-4D von Hensoldt ausgestattet. Das Radar verwendet eine Active-Electronically-Scanned-Array-Antenne (AESA) mit Galliumnitrid (GaN)-Leistungsverstärker. Die Radarantenne lässt sich im Azimut um 360° drehen und arbeitet im G-Band. Das Radar moduliert zeitgleich mehrere digital geformte Strahlen und ist für die Luftzielerkennung im Nah- und Fernbereich sowie für die zeitgleiche Waffenzuweisung konzipiert. Es ist in der Lage, verschiedene Arten von Luftzielen zu erkennen, zu verfolgen und zu klassifizieren, wobei der Schwerpunkt auf kleinen, schnellen und niedrig fliegenden und/oder manövrierenden Marschflugkörpern und Flugzeugen sowie schwebenden Hubschraubern liegt. Die installierte Radarreichweite beträgt 250 km bei einer maximalen Einsatzhöhe von 30 km. Das Radar kann Ziele mit einem minimalen Radarquerschnitt von 0,01 m² erfassen und begleiten. Ein Ziel von der Größe eines Kampfflugzeuges kann auf eine Distanz von rund 120 km erfasst werden. Die Erfassungsreichweite für eine überschallschnelle Rakete beträgt rund 60 km. Zeitgleich können bis zu 1500 Ziele im 3D-Modus begleitet werden. Das Radar verfügt über ein eigenes Freund-Feind-Erkennungs-System (IFF).
Weiter kann auch das bei der 2014 durchgeführten Schießkampagne verwendete 3D-Multifunktionsradar CEAFAR von CEA Technologies verwendet werden. Dies ist ein Schiffsradar, welches für den fahrzeugbasierten Einsatz umgebaut wurde. Als Fahrzeug kann zum Beispiel ein MAN SX45 mit der Antriebsformel 8×8 verwendet werden. Auch CEAFAR verwendet eine Active Electronically Scanned Array-Antenne (AESA) und arbeitet im S/X-Band.
Daneben kann auch das Saab Giraffe 1X als Hauptsensor verwendet werden. Z. B. verwenden die Schwedischen Streitkräfte diesen Radartyp mit ihren IRIS-T-SLS-Systemen.
Der Starter ist das unbemannte Startgerät. Dieser ist mit acht IRIS-T-SLM-Lenkflugkörpern bestückt. Die Lenkflugkörper befinden sich in Transport- und Abschussbehältern und werden vertikal aus diesen gestartet. Alle Starter sind mit Waffenleitrechner, Generator und Antennen ausgerüstet, sodass sie bis zu 20 km vom TOC entfernt aufgestellt werden können. Der Starter ist zehn Minuten nach Erreichen der Stellung vollautomatisch ausnivelliert und feuerbereit. Um eine Mehrfachzielbekämpfung zu gewährleisten, können die Lenkflugkörper in schneller Schussfolge gestartet werden. Der Nachladevorgang dauert etwa 15 Minuten.

IRIS-T SLM verwendet eine abgeänderte Ausführung des IRIS-T-Luft-Luft-Lenkflugkörpers. Von diesem Lenkflugkörper wurde das Sensorenpaket mit dem abbildenden Infrarotsuchkopf übernommen. Dabei wurde auf die abgerundete, transparente Lenkflugkörperspitze eine neue Ogive aufgesetzt (ähnlich einer ballistischen Haube). Diese schützt den empfindlichen Infrarotsuchkopf vor der Reibungshitze, die beim Flug entsteht. Der Splittergefechtskopf wurde modifiziert und erzeugt nun leichte wie auch schwere Splitter. Dem hinzugefügt wurde ein verbessertes inertiales Navigationssystem, ein GPS-Empfänger sowie ein 2-Weg Datenlink. Hinzu kommt ein neues Feststoffraketentriebwerk von Nammo mit einem größeren Durchmesser sowie einem deutlich höheren spezifischen Impuls. Weiter kommt eine Schubvektorsteuerung zur Anwendung. Das etwa erste Viertel des Lenkflugkörpers hat einen Durchmesser von 127 mm. Der Rest des Lenkwaffenrumpfes weist einen größeren Durchmesser auf. Am Rumpf des Lenkflugkörpers sind zwei Gruppen von Lenk- und Steuerflügeln angebracht. Im hinteren Bereich befinden sich vier trapezförmige Steuerflügel. Auf mittlerer Länge des Flugkörperrumpfs sind vier langgezogene Stabilisierungsflächen angebracht.
Nachdem das Multifunktionsradar die Zieldaten ermittelt hat, werden diese ans Navigationssystem des IRIS-T-SLM-Lenkflugkörpers weitergegeben. Dann kann der Lenkflugkörper vertikal aus dem Transport- und Abschussbehälter gestartet werden. Der Lenkflugkörper wird an den voraus errechneten Kollisionspunkt des Zieles und der Lenkwaffe verschossen. Das Feststoffraketentriebwerk beschleunigt den Lenkflugkörper auf rund 1020 m/s (3672 km/h, Mach 3). Während des Marschfluges wird der Lenkflugkörper weiter über den Datenlink mit Daten des Überwachungsradars versorgt. Die Steuerung erfolgt in dieser Flugphase hierbei mittels Global Positioning System und dem inertialen Navigationssystem. Für den Endanflug wird die Ogive an der Lenkflugkörperspitze abgesprengt und der Infrarotsuchkopf wird freigelegt. Nachdem dieser aktiviert wurde, wird auch der Aufschlag- und Radar-Näherungszünder eingeschaltet. Der Endanflug erfolgt nach dem Prinzip der Proportionalnavigation. Wird das Flugziel direkt getroffen, wird der Sprengkopf durch den Aufschlagzünder zur Detonation gebracht. Bei einem Vorbeiflug erfolgt die Gefechtskopfzündung durch den Näherungszünder. Wird das Ziel verfehlt, zerstört sich die Lenkwaffe nach einer bestimmten Flugzeit durch Selbstzerlegung.

IRIS-T SLS steht für IRIS-T Surface-Launched Short Range. Diese Variante verwendet den unveränderten, auch im Luftkampf eingesetzten Lenkflugkörper IRIS-T. Gemäß Hersteller sollen mit dem IRIS-T SLS dieselben Ziele bekämpft werden können wie mit der IRIS-T SLM. Der horizontale Kampfbereich liegt bei etwa 12 km bei einem vertikalen Einsatzbereich von bis zu rund 6 km.
Dies ist die Standardvariante wie oben beschrieben. Der horizontale Kampfbereich liegt bei etwa 40 km bei einem vertikalen Einsatzbereich von bis zu 20 km.
IRIS-T SLX steht für IRIS-T Surface-Launched Extended Range. Diese Variante wurde auf der ILA 2024 vorgestellt. Der horizontale Kampfbereich soll bei etwa 80 km liegen und der vertikale Einsatzbereich bei rund 25 km.

IRIS-T HYDEF steht für IRIS-T Hypersonic Defence. Diese Variante befindet sich aktuell in der Entwicklung und soll zur Bekämpfung von Hyperschallwaffen eingesetzt werden. Der horizontale Kampfbereich liegt bei etwa 100 km bei einem vertikalen Einsatzbereich von bis zu rund 50 km.
Die Kosten für eine IRIS-T-SLM-Feuereinheit, bestehend aus Feuerleitstand, Radar und Startern, werden einheitlich mit ca. 140 Mio. Euro angegeben. Die Kosten für einen Flugkörper liegen je nach Schätzung im Bereich von 250.000 Euro über 400.000 Euro bis zu 560.000 Euro.
Nach dem Überfall auf die Ukraine wurde Anfang Juni 2022 der Ukraine die Lieferung des Waffensystems in der Variante IRIS-T SLM zugesichert und am 11. Oktober 2022 das erste der zugesagten Systeme übergeben. Im April 2023 erfolgte die Lieferung des zweiten Systems. Das dritte System wurde im Oktober 2023 an die Ukraine übergeben. Das vierte System sollte bis Ende 2023 an die Ukraine geliefert werden. Der ukrainische Botschafter in Deutschland gab in der Folge die Kosten für eines dieser Systeme, bestehend aus Multifunktionsradar, Starter, Tactical Operations Center (TOC) sowie Lenkflugkörpern, mit 140 Millionen Euro an. Dem ukrainischen Verteidigungsministerium zufolge erzielt IRIS-T SLM eine Trefferquote von rund 90 %. Spätere Angaben von Diehl Defence selbst aus dem Jahr 2026 sprechen von "über 95 %".
Russischen Medien zufolge soll am 7. Juni 2023 eine IRIS-T-Radareinheit von einer russischen Lancet-Drohne zerstört worden sein. Dies wird durch das ukrainische Verteidigungsministerium dementiert. Die erste unabhängig bestätigte Zerstörung eines Teilsystems einer IRIS-T-SLM-Feuereinheit wurde mit der Vernichtung eines IRIS-T-SLM-Starters am 14. Juli 2024 dokumentiert. Laut Bundeskanzler Olaf Scholz wurden von den IRIS-T-SLM- bzw. IRIS-T-SLS-Systemen bis September 2024 250 russische Marschflugkörper, Drohnen und Raketen abgeschossen. Mit der sich in Entwicklung befindenden Variante IRIS-T HYDEF soll laut Hersteller auch die russische Ch-47M2 Kinschal-Hyperschallwaffe bekämpft werden können.