Ignaz Lengelacher

Ignaz Lengelacher (* 25. Juli 1698 bei Peißenberg, Oberbayern; † um 1780 in Baden) war ein aus dem Herzogtum Bayern stammender Bildhauer des Barock, der vor allem in Südmähren tätig war.

Atlantenportal im Innenhof von Schloss Nikolsburg

Leben und Werk

Über Ignaz Lengelachers Herkunft und Ausbildung ist nur wenig bekannt. Ab 1717 ist er als Mitarbeiter in den Werkstätten von Giovanni Stanetti, Lorenzo Mattielli und Giovanni Giuliani nachweisbar, wo er an der skulpturalen Ausstattung der Gärten des Belvedere in Wien mitwirkte. Um 1723 trat er in die Dienste des Fürsten Walther Franz Xaver Anton von Dietrichstein und arbeitete vor allem für Schloss Nikolsburg in der Markgrafschaft Mähren.

Für Nikolsburg und dessen Umgebung schuf Lengelacher ein breites Spektrum barocker Bauplastik und Dekorationen, darunter Vasen, Putten, Reliefs, Büsten und Tierfiguren. Zu seinen bedeutenderen Arbeiten zählt die Dreifaltigkeitssäule bei der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Nikolsburg, die als Grablege der Familie Dietrichstein diente. Auch der Toraschrein der ehemaligen Synagoge von Nikolsburg wird mit seinem Umkreis in Verbindung gebracht.

Ein wiederkehrendes Motiv in Lengelachers Werk war die Figur des heiligen Johannes Nepomuk. Von ihm stammen unter anderem Nepomuk-Statuen in Wolframitz (1728), Neumühl (1731) und Kanitz (1735). Eine 1740 entstandene hölzerne Statue des Heiligen, ursprünglich ebenfalls in Nikolsburg, befindet sich heute in der Mährischen Galerie in Brünn. Charakteristisch für Lengelachers Arbeiten ist, dass er Komposition und Ausdruck jeweils dem konkreten Aufstellungsort anpasste. Neben Johannes Nepomuk gehörte auch der heilige Florian zu den von ihm bevorzugt dargestellten Heiligen.

In den frühen 1730er Jahren arbeitete Lengelacher an der Kirche von Unterwisternitz, wo er Seitenaltäre schuf, die Kanzel ausgestaltete und den Hochaltar mit einer Figur des Erzengels Michael entwarf. Es folgten Arbeiten für die Benediktinerkirche St. Peter und Paul in Raigern, für die er unter anderem Hochaltar, Kanzel und Orgelchor gestaltete. Daneben übernahm er zahlreiche kleinere Aufträge in Südmähren und den angrenzenden Gebieten. 1745 schuf er den Hochaltar der Pfarrkirche St. Veit in Laa an der Thaya.

1754 ließ Lengelacher aus nicht näher bekannten Gründen den Bestand seiner Werkstatt versteigern und kehrte in den deutschen Südwesten zurück. Er ließ sich in Karlsruhe nieder und wurde Hofbildhauer der Markgrafschaft Baden. Zu seinen späteren Arbeiten gehörten Dekorationen für das Schloss Rastatt. Sein Todesjahr ist nicht genau bekannt; angenommen wird ein Tod um 1780.

Familienverhältnisse

Lengelachers Neffe war der Bildhauer Joachim Günther (1720–1789), der einige Zeit bei ihm in Mähren mitarbeitete. Lengelacher hatte zumindest eine Tochter, die den Maler Joseph Melling (1724–1796) heiratete, der ebenfalls am badischen Hof wirkte.

Literatur

Commons: Ignaz Lengelacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Lengelacher, Ignaz
KURZBESCHREIBUNG aus Bayern stammender Bildhauer des Barock
GEBURTSDATUM 25. Juli 1698
GEBURTSORT bei Peißenberg, Herzogtum Bayern
STERBEDATUM um 1780
STERBEORT Baden