Ignaz Reichel

Ignaz Maria Reichel (* 3. Mai 1908 in Wien; † 27. Jänner 1990) war ein österreichischer Offizier, zuletzt im Dienstgrad eines General der Artillerie des Bundesheeres. Er war der erste eigenständige Kommandant des Militärkommandos Niederösterreich und von 1968 bis 1973 Befehlshaber der Gruppe I.

Leben

Ignaz Reichel wurde am 3. Mai 1908 als uneheliches Kind der Maria „Marie“ Filomena Reichel (* 29. November 1865 in Obervellach; † 1941) in Wien-Währing geboren und am 11. Mai 1908 auf den Namen Ignaz Maria getauft. Seine Mutter war seit dem 18. August 1905 verwitwet, nachdem sie am 8. Oktober 1902 als 36-Jährige den 79-jährigen Witwer Ignaz Einspieler (1823–1905) geheiratet hatte.

Am 11. Oktober 1948 heiratete Ignaz Reichel kirchlich in der Pfarre St. Jakob sowie am 16. Oktober 1948 standesamtlich in Wien-Penzing eine Hedwig Komers (* 14. Jänner 1910; † 14. Jänner 1977).

Militärische Laufbahn

Während des Zweiten Weltkriegs diente Reichel als regulärer Wehrmachtsoffizier im Feld. In dieser Zeit festigten sich auch die engen Verbindungen innerhalb des österreichischen Offiziersnetzwerks, insbesondere zu Erwin Fussenegger (dem späteren ersten Generaltruppeninspektor der Zweiten Republik), als dessen enger Vertrauter und „Getreuer“ Reichel zeitlebens galt. Nach der Aufstellung des Bundesheeres der Zweiten Republik übernahm Reichel 1956 als Oberst des Generalstabsdienstes das Kommando über die neu formierte 2. Brigade (später 2. Jägerbrigade) in Wien, die er bis 1962 führte.

Am 1. Jänner 1963 wurden in Österreich territoriale Militärkommanden eingeführt. Die Aufgaben des Militärkommandanten von Niederösterreich hatte bis dahin der Kommandant der 3. Brigade, Franz Zejdlik, in Personalunion wahrgenommen; mit der Neuordnung wurde die Funktion erstmals eigenständig mit Brigadier Reichel besetzt. Zu seinen Aufgaben zählten unter anderem die Vertretung des Bundesheeres im Bundesland und die Traditionspflege. 1968 übergab er das Kommando an Brigadier Zejdlik.

Am 3. Oktober 1968 übernahm Reichel als Generalmajor die Führung der Gruppe I mit Sitz in Wien-Hütteldorf, die für Wien, Niederösterreich und das nördliche Burgenland zuständig war. Im November 1969 leitete das Gruppenkommando I unter seiner Führung die Großübung „Bärentatze“ im Raum Amstetten; sein Stellvertreter war Brigadier Anton Leeb, Chef des Stabes Oberst dG Karl Wohlgemuth und G3 Oberst dG August Ségur-Cabanac. Zuletzt im Dienstgrad eines Generals der Artillerie, führte Reichel die Gruppe I bis zur Umgliederung des Heeres 1973 und trat anschließend in den Ruhestand.

Reichel engagierte sich zudem in der wehrpolitischen Vereinsarbeit. Nach dem Tod des Gründers und ersten Präsidenten der Österreichischen Offiziersgesellschaft, Emil Liebitzky, im April 1961 leitete er interimistisch die Offiziersgesellschaft Wien, bis eine außerordentliche Vollversammlung die Nachfolge regelte.

Am 27. Jänner 1990 starb Reichel 81-jährig und wurde am sechs Tage später am Friedhof Hietzing (Gruppe 58, Nummer 320) beerdigt.

Beförderungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Stefan Bader: An höchster Stelle … Die Generale des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik. Gra&Wis, Wien 2004, ISBN 3-902455-02-0, S. 284–287 (PDF).
  2. ↑ Marie Einspielers Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 2. Oktober 2026
  3. 1 2 3 Taufbuch Wien-18., Währing, tom. LIV, fol. 87 (Faksimile), abgerufen am 2. Oktober 2026
  4. ↑ Taufbuch Wien-18., Weinhaus, tom. V, fol. 129 (Faksimile), abgerufen am 2. Oktober 2026
  5. ↑ Hedwig Reichels Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 2. Oktober 2026
  6. ↑ Richard Hufschmied: Die „Gründungsväter“ des Bundesheeres der Zweiten Republik und die Traditionsbünde. In: Heidemarie Uhl, Richard Hufschmied, Dieter A. Binder (Hrsg.): Gedächtnisort der Republik. Das Österreichische Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2024, ISBN 978-3-205-20905-8, S. 248 (hier dokumentiert als „ehemaliger Wehrmachtsoffizier und Getreuer Fusseneggers“).
  7. 1 2 3 Chronik der ÖOG 1960–2010. Österreichische Offiziersgesellschaft, abgerufen am 1. Oktober 2026.
  8. 1 2 Horst Pleiner: Von der „Herbstübung 1965“ zur „Bärentatze“. In: Truppendienst. 7. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2026.
  9. ↑ Ignaz Reichels Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 2. Oktober 2026
Personendaten
NAME Reichel, Ignaz
ALTERNATIVNAMEN Reichel, Ignaz Maria (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG österreichischer General der Artillerie
GEBURTSDATUM 3. Mai 1908
GEBURTSORT Wien, Österreich-Ungarn
STERBEDATUM 27. Januar 1990