Ignaz Vinzenz Zingerle

Ignaz Vinzenz Zingerle

Ignaz Vinzenz Zingerle Edler von Summersberg (* 6. Juni 1825 in Meran, Südtirol, Kaisertum Österreich; † 17. September 1892 in Innsbruck, Tirol, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Literaturwissenschaftler, Germanist, Volkskundler und Schriftsteller.

Leben

Ignaz Vinzenz Zingerle war Sohn des Meraner Kaufmanns Bartlmä Tobias Zingerle und Neffe des katholischen Theologen und Orientalisten Pius Zingerle. Er besuchte das Benediktinergymnasium Meran. Um die Hochschulreife zu erhalten, belegte er Philosophiekurse, zunächst von 1842 bis 1843 in Trient und dann von 1843 bis 1844 in Innsbruck.

Zusammen mit Franz Josef Vonbun und dem Brixner Theologieprofessor Franz Bole gründete er 1843 die literarische Vereinigung Aurora in Innsbruck. Ihre Mitglieder gaben sich „Ritternamen“. Sie versammeln sich wöchentlich zweimal, um einander Gedichte oder Aufsätze vorzutragen. Sie lasen Klassiker und Romantiker, an deren Geburts- und Todestagen Aurora Feste begeht. Zudem machten sie Ausflüge und hielten Zechgelage.

Im Herbst 1844 begann er, in Brixen Theologie zu studieren. Er trat vorübergehend dem Benediktinerkloster Marienberg bei und kehrte dann nach Brixen zurück, wo er 1847 die niederen Weihen erhielt.

1848 wurde er Lehrer am Gymnasium in Innsbruck, 1858 Direktor der Universitäts-Bibliothek in Innsbruck. 1859 erhielt Zingerle die Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Innsbruck. Zingerle war korrespondierendes Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften.

Zingerle veröffentlichte Gedichte und publizierte literaturhistorische und historische Schriften. Zusammen mit seinem Bruder Josef Zingerle sammelte er Tiroler Märchen und Sagen, nach dem Vorbild von Wilhelm Grimm und Karl Simrock.

Aus seiner zweiten Ehe mit Anna Maria von Kripp zu Krippach und Prunnberg stammten die Söhne Oswald Zingerle und Wolfram Zingerle. Sein Schwiegersohn war der Historiker Franz von Wieser.

„Walther-Akademie“

Schloss Summersberg

Zingerle erstand 1880 das Schloss Summersberg in Gufidaun aus dem 14. Jahrhundert und gründete die „Walther-Akademie“. Der Kunsthistoriker Carl Kraus beschreibt die „Walther-Akademie“ als „eine Art Artusrunde in symbolischer Zwölferzahl, bei der man unter anderem Rezitationen in mittelalterlichen Sprachen abhielt“. Mitglieder waren u. a. Karl von Blaas, Professor für Historienmalerei an der Wiener Akademie, Robert Ruß, Wiener Landschafts- und Architekturmaler, Georg Mader, Innsbrucker Historienmaler, sowie die beiden jungen Genre- und Historienmaler Franz Defregger und Alois Gabl. Parallel dazu hatten die Damen einen „Minnehof“. 1890, beim Eintritt in den Ruhestand, verlieh ihm Kaiser Franz Joseph das Adelsprädikat Edler von Summersberg.

Wirkung

Sein Nachlass wird im Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck aufbewahrt und verwaltet.

Schloss Summersberg wird heute noch von den Nachkommen Ignaz Vinzenz Zingerles bewohnt, kann aber nicht besichtigt werden.

Seit 1959 erinnert der Zingerleweg im „Volkskundlerviertel“ in Berlin-Kladow an ihn.

Werke

Lyrik und Erzählungen

Volkskundliche und Germanistische Schriften

Literatur

Commons: Ignaz Vinzenz Zingerle – Sammlung von Bildern
Wikisource: Ignaz Vinzenz Zingerle – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. 1 2 Ignaz Vinzenz Zingerle. In: Lexikon LiteraturTirol. Forschungsinstitut Brenner-Archiv, abgerufen am 29. November 2025.
  2. ↑ Nachlass Zingerle Ignaz – Universität Innsbruck. Abgerufen am 29. November 2025.
Personendaten
NAME Zingerle, Ignaz Vinzenz
ALTERNATIVNAMEN Zingerle Edler von Summersberg, Ignaz Vinzenz
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Literaturwissenschaftler, Germanist, Volkskundler und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 6. Juni 1825
GEBURTSORT Meran, Südtirol, Kaisertum Österreich
STERBEDATUM 17. September 1892
STERBEORT Innsbruck, Tirol, Österreich-Ungarn