Igor Sergejewitsch Gusenko

Igor Gusenko, 1946

Igor Sergejewitsch Gusenko, auch Gouzenko, (russisch Игорь Сергеевич Гузенко; * 13. Januar 1919 in Rogatschewo, Oblast Moskau; † 25. Juni 1982 in Mississauga, Kanada) war ein sowjetischer Kryptograf an der sowjetischen Botschaft in Ottawa in Kanada. Er stand im Mittelpunkt der Gusenko-Affäre.

Leben

Gusenko war der Sohn armer Bauern und studierte Architektur. Im Zweiten Weltkrieg war er Pionieroffizier und trat dann dem militärischen Geheimdienst GRU der Roten Armee bei. Als ziviler Chiffrierexperte war er ab Juni 1943 dem Militärattaché an der sowjetischen Botschaft in Ottawa, Oberst Nikolai Iwanowitsch Sabotin, zugeteilt, der in Kanada einen Spionagering aufgebaut hatte. Gusenko und seiner Frau gefiel es in Kanada, und vor seiner geplanten Rückkehr in die Sowjetunion ging er mit seinen Dokumenten, die ihn als Überläufer glaubwürdig machen sollten, zuerst zur kanadischen Zeitung Ottawa Journal und bat um Weitervermittlung und Schutz. Dort wies man ihn zunächst ab. Erst am nächsten Morgen wurde er in Polizeischutz genommen, nachdem Angehörige der sowjetischen Botschaft seine Wohnung durchsucht hatten.

Guesenko deckte sowjetische Spionage-Aktivitäten zur Erlangung von Informationen über Kernwaffen auf, indem er den Westalliierten am 5. September 1945 als Überläufer 109 Geheimdokumente, teilweise von Josef Stalin unterzeichnet, übergab. Durch ihn wurde erstmals bekannt, dass sowjetische Schläfer-Agenten jahrelang getarnt lebten, bevor sie aktiv wurden. Zu den von ihm aufgedeckten Agenten gehörte auch der britische, in Kanada am alliierten Atombombenprojekt beschäftigte Physiker Alan Nunn May, der der Sowjetunion sogar Proben von Uran-Isotopen übergab. Dieser wurde im März 1946 verhaftet und zu zehn Jahren schwerer Arbeit verurteilt, kam aber schon 1952 wieder frei.

Gusenkos Wohnung in Ottawa, in der er 1945 lebte

Auch der kanadische Kommunist Fred Rose wurde im Zuge der Affäre mit Anschuldigungen konfrontiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs veränderte die Gusenko-Affäre die Haltung der Westalliierten zur Sowjetunion, begünstigte einen Konfrontationskurs und damit den Kalten Krieg.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Alan Nunn May, 91, Pioneer In Atomic Spying for Soviets. New York Times, 25. Januar 2003, abgerufen am 14. Februar 2012.
  2. ↑ Adeline Vasquez-Parra: Histoire du Québec des origines à nos jours. Éditions Tallandier, Paris 2025, ISBN 979-1-02106190-3, S. 250.
Personendaten
NAME Gusenko, Igor Sergejewitsch
ALTERNATIVNAMEN Gouzenko, Igor Sergejewitsch; Гузенко, Игорь Сергеевич (russisch)
KURZBESCHREIBUNG sowjetischer Kryptograph
GEBURTSDATUM 13. Januar 1919
GEBURTSORT Rogatschewo, Oblast Moskau
STERBEDATUM 25. Juni 1982
STERBEORT Mississauga, Kanada