Igor Torkar

Igor Torkar (1962)

Igor Torkar (eig. Boris Fakin, * 13. Oktober 1913 in Kostanjevica na Krasu, Österreich-Ungarn; † 1. Januar 2004 Ljubljana, Slowenien) war ein slowenischer Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker und Publizist.

Leben und Werk

Aus dem slowenischen Küstenland stammend, wuchs Boris Fakin teilweise in Maribor und in Ribnica in Unterkrain auf. Er maturierte in Ljubljana und studierte daselbst am chemischen Institut der Technischen Fakultät. Ideologisch linksstehend, war Fakin bereits als Student politisch aktiv. Unter dem Pseudonym Igor Torkar veröffentlichte er erste Gedichte u. a. in den Zeitschriften Sodobnost und Modra ptica. Während des Krieges im slowenischen Widerstand tätig, fiel Torkar Ende 1943 den Nazis in die Hände und wurde u. a. im Konzentrationslager Dachau interniert. Nach dem Krieg machte er kurzzeitig Karriere im Industrieministerium in Ljubljana, wurde jedoch im April 1948 verhaftet und anschließend im Zuge der sog. Dachauer Prozesse (Dachauski procesi) als angeblicher Gestapospion zu acht Jahren Haft verurteilt. 1952 vorzeitig aus der Haft entlassen und für zwei Jahre mit Berufs- und Publikationsverbot belegt, wurde Torkar 1971 juristisch rehabilitiert. Von 1954 bis zur Pensionierung 1976 unterrichtete er Materialtechnologie an der Akademie der bildenden Künste in Ljubljana. Er war Mitglied des Slowenischen Schriftstellerverbands (DSP) und des Slowenischen PEN-Zentrums. Als produktiver und vielgelesener Autor wurde Torkar insgesamt fünfmal für den großen Prešeren-Preis vorgeschlagen, den er allerdings nie erhielt.

In Torkars umfangreichem dichterischem Werk mischt sich intime Lyrik mit Protest und Satire. In seinen frühen Stücken Velika preizkušnja (Die große Prüfung, 1946) und Pisana žoga (Der bunte Ball, 1955) thematisierte Torkar die Traumen des Kriegs und ihre Folgen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen; Pisana žoga wurde auf verschiedenen jugoslawischen Bühnen inszeniert, erschien in Buchform (auch in Übersetzungen) und wurde als Fernsehspiel für den tschechischen und für den slowenischen Rundfunk bearbeitet. In seinen gesellschaftskritischen Stücken Balada o črnem noju (Die Ballade vom schwarzen Vogel Strauß, 1965) und Zlata mladina (Die goldene Jugend, 1970) widmete sich Torkar dem Thema einer desorientierten und von der Elterngeneration im Stich gelassenen Jugend. Torkar zählt auch zu den ersten slowenischen Autoren, die ab den frühen 1960er Jahren Fernsehspiele verfassten.

Seine bedeutenden Romane schrieb Torkar ab den 1970er Jahren. In seinem bekanntesten Werk Umiranje na obroke (1984, dt. Sterben auf Raten, 1991) befasste sich der Autor als einer der ersten Literaten mit den bis zum Tod Titos tabuisierten Dachauer Prozessen, das Buch erlebte 1996 die sechste Auflage, wobei die dritte Auflage mit Stellungnahmen aus einer Umfrage und dokumentarischem Material versehen war. Sein ins Surreale gehender Roman Smrt na počitnicah (1998, dt. Wenn der Tod Ferien macht, 2001) ist ein Roman über die Epoche, die den Autor und seine Generation prägte.

Werke

Stücke (Auswahl)

Romane (Auswahl)

Essayistik (Auswahl)

Fernsehspiele

Hörspiele

Literatur

Commons: Igor Torkar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bil je Kraševec po duši. In: Primorske novice. 11. November 2013, abgerufen am 18. November 2020.
  2. 1 2 3 Janko Kos; Ksenija Dolinar; Andrej Blatnik: Slovenska književnost. Cankarjeva založba, Ljubljana 1996, S. 475.
  3. ↑ Slavko Kremenšek: Slovensko študentsko gibanje 1919-1941. Mladinska knjiga, Ljubljana 1972, S. 196, 214, 306, 307, 391, 394, 412, 418.
  4. ↑ Martin Ivanič (Hrsg.): Dachauski procesi. (Raziskovalno poročilo z dokumenti). Komunist, Ljubljana 1990, S. 152.
  5. ↑ Martin Ivanič (Hrsg.): Dachauski procesi. (Raziskovalno poročilo z dokumenti). Komunist, Ljubljana 1990, S. 141.
  6. ↑ Julia Schuster: Slowenische Gefängnisliteratur von 1945 bis 1960. Diplomarbeit, Graz 2013, S. 75.
Personendaten
NAME Torkar, Igor
ALTERNATIVNAMEN Fakin, Boris
KURZBESCHREIBUNG slowenischer Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker und Publizist
GEBURTSDATUM 13. Oktober 1913
GEBURTSORT Kostanjevica na Krasu, Österreich-Ungarn
STERBEDATUM 1. Januar 2004
STERBEORT Ljubljana, Slowenien