
Ikkimel (* 18. Mai 1997 in Berlin-Tempelhof; bürgerlich Melina Gaby Strauß) ist eine deutsche Rapperin. Sie startete ihre Karriere 2022 und erreichte mit ihrem zweiten Album 2026 den ersten Platz der Charts in Deutschland und Österreich. Ihre Musik wird dem Genre des Fotzenrap zugeordnet. Ikkimels Texte sind provokant und enthalten viel sexualisierte Sprache aus weiblicher Perspektive. Ihre Kunstfigur und vor allem ihre Texte sind Gegenstand einer medialen Debatte darüber, inwieweit sie als feministisch einzustufen seien: Diskutiert wird, ob sie eine intelligente Kritik an der gesellschaftlichen Schlechterstellung vieler Frauen sind oder ob sie vielmehr den in der Kunst verbreiteten männlichen Blick auf Frauen als Sexualobjekte reproduziert und damit eine patriarchale Struktur fortschreibt. Ikkimel sieht es als ihre Verantwortung als Person des öffentlichen Lebens, auch politisch gegen Rechts Stellung zu beziehen, und steht der Partei Die Linke nah.
Strauß besuchte das Beethoven-Gymnasium in Berlin-Lankwitz. Nach dem Abitur absolvierte sie einen Kombinations-Bachelor in Deutscher Philologie und Sozial- und Kulturanthropologie mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Danach begann sie den Masterstudiengang Sprachwissenschaften und arbeitete ab 2018 im dortigen Labor für Gehirn- und Sprachforschung (Brain Language Laboratory).
Nach dem Tod ihres Vaters startete sie ihre Rap-Karriere unter dem Künstlernamen Ikkimel . Das Pseudonym setzt sich zusammen aus „Ikki“ (aus berlinerisch icke = ich) und „Mel“ (von Melina).
„Ich hab immer gern Rap gehört und Party gemacht, gerne gefreestyled [sic!] mit Freunden etc. Anfang Corona ist mein Vater gestorben an Blutkrebs. Das war nach Jahren der Pflege dann der Punkt[,] wo ich dachte[,] man lebt nur einmal. Ich scheiß jetzt auf alles und mach einfach das[,] was mir Spaß macht.“
2021 erhielt sie eine Förderung der Initiative Musik.
Sie veröffentlichte ihre ersten Singles 2022 und ließ im Mai 2023 ihre erste EP Aszendent Bitch folgen. 2023 wurde sie vom Musiklabel Four Music unter Vertrag genommen, woraufhin sie mit der Single Keta und Krawall debütierte und Platz 89 der deutschen Charts erreichte. Der Track Bezahlen von der 2024 erschienenen EP Hat sie nicht gesagt wurde im gleichen Jahr von der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) in einem Radio-Wahlwerbespot zur der Europawahl verwendet.
Am 14. Februar 2025 erschien ihr Debütalbum Fotze. Von der Kritik wurde es überwiegend lobend besprochen. Am 15. Mai 2026 veröffentlichte Ikkimel ihr zweites Album mit dem Namen Poppstar, welches in Deutschland und Österreich den ersten Platz der Chartplatzierungen erreichte. Wie schon zuvor behandelt sie Themen wie weibliche Selbstbestimmung, Kritik am Patriarchat sowie – stetig wiederkehrend – Sexualität.
Als musikalische Einflüsse nennt Ikkimel unter anderen Blümchen, Peter Fox und Frauenarzt. Einer Kommentatorin der ZEIT gemäß „hält sich Ikkimel an klassische Rap-Topoi: Sex, Geld, Drogen“. Zudem gilt ihr Ikkimel als „Partyrap, wie früher von Frauenarzt oder Deichkind“.
Medien sowie Ikkimel selbst bezeichnen ihre Musik als sogenannten Fotzenrap, ein Musikgenre, zu dem unter anderem auch Shirin David oder Zsá Zsá gezählt werden sowie als Vorläufer der 2010er Jahre bspw. Lady Bitch Ray oder SXTN. Die Texte dieses Genres sind stark sexualisiert, provokant und Gegenstand einer medialen Debatte darüber, inwieweit sie als feministisch einzustufen seien. Melina Strauß verortete ihre politische Haltung als „auf jeden Fall feministisch“, aber inwieweit ihre Kunstfigur Ikkimel feministisch sei, beantwortete sie nicht eindeutig, sondern betonte, dass sie ihre Kunst ungern erkläre.
Im Fotzenrap wird sexistische Sprache durch eine weibliche Perspektive gegen sich selbst gewendet bzw. umgedeutet. Befürworter sehen in Ikkimels Schaffen eine feministische, humoristische Reaktion auf die schlechte gesellschaftliche Stellung vieler Frauen sowie auf anzügliche Texte von Männern, während andere es als eine „sich selbst und alle Männer sexualisierende und degradierende Schande“ ansehen. Eine Kommentatorin der taz erklärt: „Ikkimel ist mehr als reine Provokation. Die studierte Sozial- und Kulturanthropologin steht für antikonservative Rollenbilder, für Provokation als politisches Mittel. Indem sie traditionelle Männlichkeitsbilder ironisch hinterfragt, schamlos über Sex rappt und sexistische Sprache aus einer radikal weiblichen Perspektive heraus umdeutet, verkörpert sie für viele junge Frauen eine neue Form weiblicher Selbstbestimmung“. Eine Kommentatorin der Zeit erkennt an: „Das subversive Potenzial gegenüber einer frauenverachtenden Kultur entfaltet sich dort, wo sie übersteigert, parodiert und entfremdet wird.“ SXTN-Sängerin Juju kritisierte Ikkimel und andere Künstlerinnen dafür, ihre stilistische Vorarbeit zu nutzen, ohne diese entsprechend zu würdigen. Heidi Süß merkte außerdem an, dass v. a. hellhäutige und freizügige Sängerinnen wie Ikkimel Erfolgsaussichten haben. Die Rapperin Ebow warf ihr vor, häufig das Schaffen anderer zu kopieren; zudem bezeichnete sie Ikkimels Management als white dudes („weiße Typen“).
Einige Kommentatoren und Kunstschaffende fragen, ob sie im Zuge dessen nicht doch den männlichen Blick weiblicher Sexualität reproduziere, und werfen ihr vor, sich selbst und alle Männer zu sexualisieren. So äußerte sich Alice Schwarzer deutlich ablehnend und erklärte, „mit Feminismus hat das nichts zu tun“. Darüber hinaus wird Ikkimel dafür kritisiert, selbst ein „Produkt“ des Patriarchats zu sein, da ihr Management größtenteils aus Männern besteht. Ihr Schaffen sei kein „gelebter Feminismus“. Ebenso wird ihr vorgeworfen, schlecht damit umgehen zu können, wenn sie selbst mit ihrer Kunstfigur konfrontiert wird. Nele Kaiser veröffentlichte für die Technische Universität Dresden einen Beitrag, in dem sie Argumente für und gegen eine Einordnung von Ikkimels Musik als feministisch darlegte. So argumentiert sie u. a., Ikkimels Musik ignoriere „patriarchale Probleme“ nicht nur, sondern reproduziere sie, schließt ihren Beitrag jedoch mit der Frage, „ob man den Feminismus immer auf Krampf in dieser Musik suchen muss“. Julian Theilen von der Welt konstatiert, „[a]m Ende steht man also etwas ratlos da“. Im Nachrichtenportal watson wird resümiert, dass Befürwortende die „Selbstbestimmung von Frauen“ in den Texten hervorheben, Kritikerinnen und Kritiker dagegen die teilweise „diskriminierenden Zeilen“ und die „Übernahme sexistischer Klischees“ anprangern würden, letztendlich die meisten Einschätzungen aber irgendwo „in der ambivalenten Mitte“ seien.
Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 trat sie im ZDF-Morgenmagazin auf, was aufgrund der Unterschiedlichkeit der Kulturbegriffe beider Programminhalte zu starken Irritationen bei dem im Studio anwesenden Publikum, darunter eine Schulklasse, sowie unter Fernsehzuschauern führte. Sie bot dort in knapper Bekleidung ihr Lied Fußballmänner mit sexualisierten und gesellschaftskritischen Andeutungen dar. Das vom ZDF-Morgenmagazin bewusst herbeigeführte Zusammenstoßen verschiedener Vorstellungen von Kultur, das bereits in der Anmoderation ihres Auftritts thematisiert wurde, sorgte deutschlandweit für tagelange kontroverse Debatten in den Medien.
Ikkimel äußerte sich in einem Podcast mit Heidi Reichinnek politisch und bezeichnete es als Verantwortung von Personen des öffentlichen Lebens, für demokratische und feministische Werte einzustehen.
Ikkimel gilt laut der taz „als prominentes Gesicht der Linkspartei“ bzw. als „Rattenfängerin der Linken“. Am 1. Mai 2026 trat sie beim Mariannenplatzfest des Bezirkverbands Friedrichshain-Kreuzberg der Partei Die Linke auf. Der Auftritt wurde in Medienberichten im Zusammenhang mit der Frage diskutiert, wie politische Parteien über Popkultur jüngere Zielgruppen erreichen können.
Zugleich wurde er aus Teilen der linken Szene kritisiert, da das Konzert nach Ansicht der Kritiker den politischen Charakter des 1. Mai überlagert und zu einer Entpolitisierung der Veranstaltungen beigetragen habe. Außerdem sei dadurch eine Demonstration gestört worden.
| Jahr | Titel Musiklabel |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen (Jahr, Titel, Musiklabel, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | Fotze Four Music (SME) |
DE8 (13 Wo.)DE |
AT14 (11 Wo.)AT |
CH29 (1 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 13. Februar 2025 |
| 2026 | Poppstar Four Music (SME) |
DE1 (… Wo.)DE |
AT1 (21 Wo.)AT |
CH2 (6 Wo.)CH |
Erstveröffentlichung: 15. Mai 2026 |
„Anja Caspary: Heißt du eigentlich Ikkimel wegen Icke…?
Ikkimel: (nickt) Mmh.
A. C.: …und Melanie?
I.: Melina.
A. C.: Melina?
I.: Genau, ja… Ja, ich hab so einen…, also mein bester Freund Lazlo, der hat immer gesagt: Tja, wer…, wer soll jetzt noch'n Kasten holen? Icki oder was schon wieder, also auf sich selbst bezogen, so'n bisschen verniedlicht… und irgendwie dacht' ich mir dann damals: Ach, komm, gib ihm, nehm' ich.
A. C.: Cool.
I.: Ja.
A. C.: Da weiß jeder, du kommst aus Berlin.
I.: So isset.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ikkimel |
| ALTERNATIVNAMEN | Strauß, Melina Gaby (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Rapperin |
| GEBURTSDATUM | 18. Mai 1997 |
| GEBURTSORT | Berlin-Tempelhof |