Illusio (von lat.: ludus = das Spiel) ist in der Feldtheorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu der Begriff für den unhinterfragten Glauben an den Wert eines sozialen Spiels und den Wert der Spieleinsätze. Mit Spiel sind dabei die sozialen Aktivitäten innerhalb von Feldern gemeint.
Begrifflicher Vorläufer von illusio ist Interesse.
„Eigentlich sollte das Wort Interesse in einem ersten Sinne genau das bedeuten, was ich unter diesem Begriff der illusio gefasst habe, also die Tatsache, daß man einem sozialen Spiel zugesteht, daß es wichtig ist, daß, was in ihm geschieht, denen wichtig ist, die in ihm engagiert sind und mit von der Partie sind.“
Laut Marietta Bönning im Bourdieu-Handbuch eigne sich der Terminus Interesse zwar um interessenspezifische Feldunterschiede deutlich zu machen, habe aber den Nachteil mit utilaristischem Denken in Verbindung gebracht zu werden. Der Terminus illusio wurde von Bourdieu unter Bezugnahme auf Begriffsverwendungen im Werk Homo ludens von Johan Huizinga. entwickelt.
Illusio wird von Eva Barlösius mit „Wirklichkeitsillusion“ übersetzt. Jedes soziale Feld, ob das wissenschaftliche, das künstlerische, das bürokratische oder das politische, erzeuge eine illusio über das eigene Feld, die von denen, die darin verweilen, geteilt wird.
Barlösius skizziert beispielhaft die illusio dreier Felder:
Die illusio bewirke, dass die sozialen Kämpfe in den Feldern meist unerkannt bleiben. Sie diene scheinbar nur der Durschsetzung feldspezifischer Sichtweisen. Auf diese Weise vollziehe sich die soziale Strukturierung des Feldes quasi „hinter dem Rücken der Akteure, weil sie von der Wirklichkeitsillusion übertüncht wird“.
„Die illusio, diese umstandslose Willfährigkeit gegenüber den Geboten eines Feldes, hat um so weniger Aussichten, ins Bewußtsein zu dringen, als sie in gewisser Weise vor jeder Diskussion sicher ist: Als fundamentaler Glaube an den Wert der Diskussionsgegenstände und an die ihrem Diskutieren selbst immanenten Voraussetzungen ist sie die undiskutierbare Bedingung jeder Diskussion. Um Argumente diskutieren zu wollen, muß man glauben, daß sie dies verdienen, und vor allem, daß die Diskussion es verdient, geführt zu werden.“