Iman Rezai

Iman Rezai (persisch ایمان رضایی‎; * 1981 in Schiras, Iran) ist ein iranischer Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet.

Leben

Iman Rezai wurde 1981 in Schiras geboren und lebte bis zu seinem 18. Lebensjahr in Teheran. Von 1996 bis 1998 studierte er an der Kunstschule, Teheran (IR), emigrierte 1998 nach Deutschland und lebt seitdem in Berlin. Seit 2006 studierte er Bildende Kunst an der UdK in Berlin, erhielt 2009 ein Stipendium der University of the Arts London, Chelsea, ein weiteres 2010 der Musashino Art University in Tokio. Ab 2011 folgte ein Studium an der UdK in der Klasse von Leiko Ikemura, das er 2012 als deren Meisterschüler abschloss.

Werk

Großflächige Collagen dominieren das malerische Werk des iranisch-deutschen Künstlers. In seinen Arbeiten gefundene Objekte wie das Outfit Darth Vaders, Plastiktüten und Kinderspielzeug sind angehäuft mit Überbleibseln unserer Konsumgesellschaft. Neonfarben werden als malerische Details hinzugefügt und gelegentlich betröpfelt und wäscht der Künstler seine Werke. Während frühe Arbeiten (Professor Baltasar, 2009) Elemente des New Yorker Neoexpressionismus der 1980er Jahre zu enthalten scheinen, zeigen seine jüngsten Collagen fast installative Annäherung an die Malerei. So findet sich eine Erprobung neuartiger Wege der Wechselbeziehung von Fundstücken und Farbe.

Die Guillotine

„Die Guillotine“, 2012, ist eine Gemeinschaftsarbeit von Iman Rezai mit Rouven Materne. Rezai und Materne, beide Meisterschüler der japanischen Künstlerin Leiko Ikemura, haben eine funktionsfähige, bunte Guillotine gebaut und per Internet zur Onlineabstimmung über das Leben eines Schafes aufgerufen. Im Zeitraum zwischen dem 19. April und dem 17. Mai konnte auf einer eigens dafür angefertigten Homepage abgestimmt werden, ob das Schaf mit der Guillotine exekutiert werden soll oder nicht. Am Ende der Abstimmung gab es 1.722.900 Stimmen für und 2.819.322 gegen die Hinrichtung des Tieres. Bevor die Abstimmung beendet wurde, kaufte ein anonymer Sammler aus Amerika die Guillotine für 2,3 Millionen US-Dollar.

Cyberkrieg

Im Rahmen einer umstrittenen Kunstaktion im Oktober 2012 verschickte Rezai gefälschte E-Mails an diverse Medien, die angeblich von der Neuen Nationalgalerie stammten. Seine Absenderadresse führte aber nicht zum Berliner Museum, sondern zu der privaten PR-Agentur The Coup.

Im August 2012 startete der Künstler die Scheinfirma „BundesInvest“, die sich auf den Verkauf von Atommüll spezialisiert hat. Unter dem Pseudonym 'Dr. Igor Imanov' veröffentlichte er Pressemitteilungen, die einen Börsengang des Unternehmens ankündigten sowie über Verhandlungen zur Belieferung des Irans berichteten.

Waterboarding

In der Ausstellung „Illusion H2O“, 2012 in Berlin, lud Rezai Freiwillige ein, sich auf einer eigens von ihm geschaffenen Folterbank der Prozedur des Waterboardings unterziehen zu lassen.

I Am E-Waste

Im Juni 2017 startete Rezai die Aktion „I Am E-Waste“, um auf Rückstände im Recyclingprozess von Elektroschrott der Industriestaaten aufmerksam zu machen. Eine Crowdfunding-Kampagne, um Gelder für eine filmische Dokumentation einer Endlagerstätte in Ghana, Afrika, zu sammeln, war nicht erfolgreich. Im Interview mit einem Radiosender sagte die Reporterin, die fehlende Berichterstattung zu dem Thema sei auf Werbeverträge der Medienhäuser mit den Elektronikkonzernen zurückzuführen.

Sonstiges

Im autobiografischen Roman Wir sind alle Mäuse schildert Rezais Bruder Ardavan die gemeinsame Kindheit der beiden im Iran.

Ausstellungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Jeni Fulton: UDK Rundgang - Iman Rezai. auf: BerlinArtLink. 2. August 2011.
  2. ↑ www.die-guillotine.com (Memento vom 25. September 2017 im Internet Archive)
  3. ↑ Lisa Contag: "Der große Spiegel" (Memento vom 19. Mai 2012 im Internet Archive) auf: ARTINFO Deutschland 25. Mai 2012.
  4. ↑ NWZ online, „Webkunst: Umstrittene Aktion für einen ‚Cyber-Krieg‘“, abgerufen am 4. November 2012
  5. ↑ Tagesspiegel, „Berliner Künstler fälscht Webauftritt der Neuen Nationalgalerie“, 2. November 2012
  6. ↑ Die Welt, „Neue Internet-Aktion von Schaf-Künstler Rezai“, 2. November 2012
  7. ↑ Berliner Zeitung, „Neue Internet-Aktion von Schaf-Künstler Rezai“, 2. November 2012
  8. ↑ Berlin.de, „Neue Internet-Aktion von Schaf-Künstler Rezai“, 2. November 2012
  9. ↑ Der Standard (Österreich), „Kunstaktion: Nach Guillotine für Schaf jetzt ‚Cyber-Krieg‘“, 2. November 2012
  10. ↑ BZ Berlin, „Künstler hackt Seite der Neuen Nationalgalerie“, 2. November 2012
  11. ↑ Focus, „Neue Internet-Aktion von Schaf-Künstler Rezai“, 2. November 2012
  12. ↑ Bild, „Neue Internet-Aktion von Schaf-Künstler Rezai“, 2. November 2012
  13. ↑ Monopol Magazin, „Mailaccount der Neuen Nationalgalerie missbraucht“ (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive), 2. November 2012
  14. ↑ Peerblog, "UNREAD Pressemitteilungen Bundes-Invest.com" (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive), 2013
  15. ↑ Der Freitag, „Ein bisschen Folter gefällig?“, 5. Dezember 2012
  16. ↑ Krzysztof W. Rath, „Die Vollmacht“ (Memento vom 22. Februar 2015 im Internet Archive), 23. Dezember 2012
  17. ↑ the Coup Iman Rezai: I Am E-Waste (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive), 16. Juni 2017
  18. ↑ Freitag.de, „Künstler entsorgt Elektroschrott im Meer“, 17. Juni 2017
  19. ↑ „Entsorgt und vergessen: Iman Rezai kämpft gegen die Elektroschrott-Schwemme“ (Memento vom 9. Oktober 2017 im Internet Archive)
  20. ↑ „Wir sind alle Mäuse“ auf: Google Books 30. Januar 2015.
  21. ↑ Illusion H2O, Waterboarding Iman Rezai (Memento vom 23. Februar 2015 im Internet Archive), 2012
Personendaten
NAME Rezai, Iman
ALTERNATIVNAMEN ایمان رضایی (persisch)
KURZBESCHREIBUNG iranischer Künstler
GEBURTSDATUM 1981
GEBURTSORT Schiras, Iran