

In effigie (sprich effígië) ist ein lateinischer Ausdruck, der im Bildnis oder als Bildnis bedeutet. Das Wort Effigies bezeichnet in diesem Fall eine Puppe, die anstelle des Verurteilten bestraft wird. Der Prozess wird auch Bildnisstrafe genannt.
Der Ausdruck wurde in der Rechtsgeschichte in folgendem Sinne gebraucht: Hinrichtungen, bei denen der Täter flüchtig war, wurden symbolisch an dessen Bildnis durchgeführt. In effigie gehängt oder im Scheiterhaufen verbrannt zu werden, war eine urteilsmäßige Exekution, bei der ein meist dreidimensionales Bildnis des abwesenden Verbrechers stellvertretend an den Galgen gehängt, öffentlich verbrannt oder geköpft wurde. Beispielsweise wurde der ungarische Revolutionär Lajos Kossuth am 22. September 1851 in Pest in effigie hingerichtet, da das Kaisertum Österreich seiner nicht habhaft werden konnte. Tatsächlich starb er erst 1894 im italienischen Exil. Im Deutschen Biographischen Archiv gibt es einen Eintrag, der als Kossuths Sterbejahr 1851 angibt.
Üblich waren auch Beisetzungen hoher Persönlichkeiten in effigie, um Zeit für Vorbereitung und Durchführung aufwändiger Beerdigungsfeierlichkeiten zu gewinnen. Teilweise wurde für die Gestaltung der Puppe das Positiv aus einer dazu genommenen Totenmaske verwendet.
In dem Lustspiel Leonce und Lena von Georg Büchner tritt der Ausdruck prominent und in seiner Bedeutung verschoben als Hochzeit in effigie auf: Vermeintliche Automaten ersetzen das Brautpaar.
In dem unvollendeten Roman Der bleiche König von David Foster Wallace wurde der Landesfinanzminister des Bundesstaates Illinois in effigie verbrannt, da er für das Chaos beim Scheitern einer progressiven Mehrwertsteuer die Verantwortung übernehmen sollte.