Die inatura (offiziell inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn) ist ein naturkundliches Museum in der österreichischen Stadt Dornbirn im Bundesland Vorarlberg. Es ging im Jahr 2003 aus der vormaligen Vorarlberger Naturschau hervor und wurde auf dem Gelände der ehemaligen Rüsch-Werke im neuen Dornbirner Stadtgarten eingerichtet.
Sie ist das größte und besucherstärkste Naturmuseum im Bodenseeraum. Das Museumskonzept kombiniert eine interaktive Erlebnisausstellung mit einem Dokumentationszentrum über die Natur Vorarlbergs.
Vorgeschichte des Museums
Gesamtansicht der Rüsch-Werke auf einem Briefkopf von 1906
Das Museum geht zurück auf Siegfried Fussenegger, der seit 1934 zuerst in der alten Fronfeste in Dornbirn und später in der ehemaligen Viehmarkthalle ein privates naturgeschichtliches Museum („Schau der Naturgeschichte Vorarlbergs“) einrichtete, das 1957 von der Stadt Dornbirn und dem Land Vorarlberg übernommen wurde. Fussenegger wurde Leiter der nun „Vorarlberger Naturschau“ genannten Sammlung, deren Neubau 1960 eröffnet werden konnte.
Geschichte des Fabrikgeländes und Museums-Umnutzung
Die Stadt Dornbirn begann 1997 mit der Planung und Konzeption eines neuen Naturmuseums. Als Standort wählte man das zentral gelegene Gelände der ehemaligen Gießerei, Maschinen- und WasserturbinenfabrikRüsch-Werke, die 1827 von Josef Ignaz Rüsch (1794–1855) in Dornbirn gegründet, unter seinem Sohn Alfred Rüsch 1857 an die jetzige Stelle verlegt und dort bis 1984 betrieben wurden.
Mit dem Um- und Ausbau der Rüsch-Werke zum Museum wurde im Herbst 2000 begonnen, die Einweihung der inatura erfolgte im Juni 2003. Die Architekturplanung stammt von HK Architekten (Schwarzach) zusammen mit dem Architekturbüro Christian Lenz (Schwarzach) und Dietrich Unterfaller Architekten (Bregenz). Die Ausstellungsfläche umfasst etwa 3.000m². Rund um das Museum wurde ein etwa 25.000m² großer Park, der Stadtgarten, errichtet.
Gesellschafter der inatura sind das Land Vorarlberg und die Stadt Dornbirn je zur Hälfte. Der Betrieb wird von der inatura Erlebnis Naturschau GmbH in Dornbirn geführt.
Seit 1. April 2011 ist Ruth Swoboda als wissenschaftliche Leiterin der inatura bestellt.
Das Ausstellungskonzept orientiert sich an den für Vorarlberg typischen Lebensräumen Gebirge, Wald und Wasser. Die Dauerausstellung „Das Wunder Mensch“ erklärt die Vorgänge in unserem Körper. Besonderheiten der inatura sind interaktive Zonen zur Erklärung von technischen und physikalischen Phänomenen. Ein Museumsshop, ein Restaurant mit Gastgarten und eine museumspädagogische Abteilung sind an das Museum angeschlossen.
Weitere Aktivitäten
Der Wassergarten im Außenbereich der inatura (2006)
Die inatura ist das Dokumentationszentrum der Natur Vorarlbergs. Sie sammelt zentral naturwissenschaftliches Daten- und Belegmaterial mit Landesbezug. Aus allen diesen Informationen lassen sich Verbreitung und Gefährdung einer Tier- oder Pflanzenart ermitteln.
Die inatura ist auch verantwortlich für die Organisation und Durchführung von Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen zu naturkundlichen Themen in ganz Vorarlberg.
Das Museum ist zudem Herausgeber verschiedene Publikationen über die Natur und Umwelt in Vorarlberg wie die Schriftenreihe „Vorarlberger Naturschau, forschen und entdecken“ über aktuelle Forschungsergebnisse mit Landesbezug oder die im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung erstellten „Roten Listen“.
Auszeichnungen
Die inatura erhielt 2005 den Förderungspreis des Österreichischen Museumspreises. 2006 wurde der inatura in Lissabon bei dem 29.„Museum of the Year Award“ die „special recommendation“ (Spezialpreis) verliehen, die zweithöchste Auszeichnung des Europäischen Museumspreises.
Besucherzahlen
Die inatura ist seit mehreren Jahren das mit Abstand meistbesuchte Museum Vorarlbergs. Nach 15Jahren Betrieb wurde am 23.Juli 2018 der insgesamt 1,5-millionste Besucher gezählt.
Ausgewählte Besucherzahlen aus vergangenen Jahren:
2007: 81.151
2009: 86.128
2010: 114.769
2013: 104.818
2016: 107.000
2018: 103.200
2019: 120.000
2020: 59.263 Eigenen Angaben zufolge ist die Halbierung der Besucherzahlen auf die Lockdownphasen infolge der COVID-19-Pandemie zurückzuführen.
↑Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch-Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt, Selbstverlag Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 2 ff.
↑Klaus Fessler: Das Firmengelände der Rüsch-Werke. In: Rüsch-Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt, Selbstverlag Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 47–57, hier S. 56.
↑gau: Thema des Tages. Im traditionsreichen Gebäude der ehemaligen Rüschwerke entsteht ein Naturmuseum der Zukunft. In: Neue Vorarlberger Tageszeitung, 11, August 2000, S. 10 f. (Mit Hinweis auf den mit einem „Fest der Superlative“ geplanten ersten Spatenstich am 15. September 2000.)
↑Werner Matt: Von den Rüsch-Werken zu inatura, Stadtgarten und Kunstraum. In: Rüsch-Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt, Selbstverlag Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 333–335.