Inge Rodenstock

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Inge Lydia Rodenstock, geborene Haux (geb. 1936 in Tübingen; gest. 2023 in Grünwald), war eine deutsche Kunstsammlerin und Kunstpublizistin. Sie baute seit den 1960er Jahren eine umfangreiche Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst auf. Schwerpunkte bildeten unter anderem Werke der Nachkriegsavantgarde, der ZERO-Bewegung, der Arte Povera, der Pop Art und des Minimalismus. Seit 2025 befinden sich 53 Werke aus ihrer Sammlung als langfristige Leihgaben im Guggenheim Museum Bilbao.

Leben

Inge Haux wurde in eine Familie mit Verbindungen zur Textilindustrie hineingeboren. Sie wurde an der Oskar-Kokoschka-Schule des Sehens in Salzburg sowie an der avantgardistisch geprägten Düsseldorfer Akademie ausgebildet. Nach einem zunächst begonnenen Studium der Betriebswirtschaftslehre wechselte sie zur Kunst. Ihre Ausbildung an den Akademien in München und Düsseldorf finanzierte sie nach dem Entzug der finanziellen Unterstützung durch ihren Vater selbst. Im Alter von 17 Jahren wurde Haux von Oskar Kokoschka an der Salzburger Sommerakademie unterrichtet. Bereits als Studentin begann sie im Jahr 1965, Werke damals noch wenig etablierter Künstler zu erwerben, darunter Arbeiten von Joseph Beuys, Lucio Fontana und Cy Twombly.

Neben ihrer Tätigkeit als Sammlerin arbeitete sie selbst künstlerisch als Collagenkünstlerin, illustrierte Bücher und fotografierte. Außerdem war sie als Bühnenbildassistentin von Jürgen Rose an den Münchner Kammerspielen tätig. Auch war sie publizistisch im Bereich der zeitgenössischen Kunst tätig. Für die Wirtschaftswoche schrieb sie unter anderem den Artikel „Lippenstift und Regenbogen. Über die aufregende junge Schweizer Kunstszene“ (erschienen am 23. März 2000). Der Beitrag ist in Bibliografien zu dem Künstler Ugo Rondinone nachgewiesen.

Nach der Heirat mit dem Unternehmer Rolf Rodenstock (1917–1997), den Leiter der Optischen Werke G. Rodenstock, im Jahr 1969 setzte sie ihre Tätigkeit als Kunstsammlerin fort. Sie lebte in Grünwald bei München, wo sie ihre Sammlung in ihrem Wohnhaus präsentierte. Das Haus wurde dadurch zu einer Art privater Galerie.

Inge Lydia Rodenstock starb 2023 in Grünwald.

Wirken als Kunstsammlerin

Rodenstock begann bereits während ihres Studiums mit dem Aufbau ihrer Sammlung. In einem autobiografischen Beitrag für den Jahresrückblick des Münchner Auktionshauses Neumeister erinnerte sie sich später daran, als junge Studentin bei einer Auktion eine Lithografie von Pablo Picasso erworben zu haben. Sie bezeichnete das Werk als erstes Stück ihrer später umfangreichen Kunstsammlung.

Bei ihren Ankäufen orientierte sich Rodenstock nach eigener Aussage vor allem an ihrem persönlichen Kunsturteil. Ein Porträt in der Welt am Sonntag von 2002 beschreibt ihre Sammlung als einen Querschnitt durch die Avantgarde und nennt unter anderem Joseph Beuys, Lucio Fontana, Cy Twombly, Yves Klein, Anselm Kiefer, Agnes Martin, Jeff Koons, Tony Cragg, Mike Kelley, Jannis Kounellis, Mario Merz, Ad Reinhardt, Sigmar Polke, Richard Longo, Hanne Darboven, Damien Hirst, Andreas Slominski, Fabian Marcaccio, Bernd und Hilla Becher, Thomas Demand, Cindy Sherman sowie Gilbert & George.

Das Guggenheim Museum Bilbao ordnet Rodenstocks Sammlung insbesondere den künstlerischen Entwicklungen der 1960er Jahre zu. Genannt werden die ZERO-Gruppe, Arte Povera, Pop Art und Minimalismus. Später erweiterte sie die Sammlung um Werke zeitgenössischer Künstler.

Rodenstock besaß auch Werke österreichischer Avantgardekünstler. Das Design Museum Den Bosch dokumentierte 2021 in der Ausstellung „Radical Austria – Everything is Architecture“ Walter Pichlers Telefon-Set von 1968 als Bestandteil der „Collection Inge Rodenstock, München“.

Rodenstocks Sammlung entstand über mehrere Jahrzehnte und verband frühe Werke der Nachkriegsavantgarde mit späteren Positionen der zeitgenössischen Kunst. Bereits das Porträt der Welt am Sonntag von 2002 stellte sie als Besitzerin einer bedeutenden Münchner Privatsammlung vor. Die langfristige Überlassung von 53 Werken an das Guggenheim Museum Bilbao hat Teile der Sammlung dauerhaft in einen internationalen Museumskontext überführt. Das Museum führt die Werke weiterhin unter der Bezeichnung „Inge Rodenstock Collection“.

Rodenstock stand in Verbindung mit der Düsseldorfer Galerie Schmela. Auch das vom Getty Research Institute erschlossene Archiv der Galerie Schmela dokumentiert eine eigenständige Korrespondenz mit „Inge Rodenstock“ aus den Jahren 1982 bis 1985. Die entsprechende Akte befindet sich im Bestand der Galerie-Schmela-Unterlagen.

Leihgaben an Museen

Rodenstock stellte Werke ihrer Sammlung auch Museen als Leihgaben zur Verfügung. Nach einem Porträt in der Welt am Sonntag überließ sie unter anderem Tom Wesselmanns Great American Nude den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als Leihgabe.

Eine weitere dokumentierte Leihgabe betrifft Walter Pichlers Telefon-Set von 1968, das 2021 im Design Museum Den Bosch in der Ausstellung „Radical Austria – Everything is Architecture“ gezeigt wurde und im Ausstellungsmaterial als Bestandteil der Collection Inge Rodenstock ausgewiesen ist.

Eine besondere Bedeutung erlangte die Sammlung nach Rodenstocks Tod durch eine langfristige Leihgabe an das Guggenheim Museum Bilbao. Seit 2025 präsentiert das Museum im Rahmen seiner Sammlungsausstellung 53 Werke aus der Inge Rodenstock Collection. Zu den dokumentierten Werken aus der Sammlung gehören unter anderem: Lucio Fontana: Concetto spaziale, Attesa (1960), Roy Lichtenstein: Reverie (1965), Robert Ryman: Untitled (1974), Jeff Koons: Bob-Tail (1991) und Tom Sachs: Tiffany Gift Meal (1999). Diese Werke werden vom Guggenheim Museum Bilbao ausdrücklich als Bestand der Inge Rodenstock Collection und als langfristige Leihgaben an das Museum ausgewiesen. Weitere Werke aus der Sammlung sind unter anderem in der Sammlungsausstellung des Guggenheim Bilbao dokumentiert, darunter Arbeiten von Jean-Michel Basquiat und Robert Longo. Das Museum hebt bei seiner Darstellung von Rodenstock insbesondere ihre Konzentration auf Künstler der Avantgarde sowie ihren persönlichen, nicht primär spekulativen Zugang zum Sammeln hervor. Ihr Haus in Grünwald beschreibt es als einen Ort, an dem Kunst und Leben miteinander verbunden waren.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag zu Inge Rodenstock im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  2. 1 2 Traueranzeige Inge Lydia Rodenstock. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2023.
  3. 1 2 3 Barbara Reitter-Welter: „Ich bin der Kunst verpflichtet“. In: Welt am Sonntag, 29. Dezember 2002.
Personendaten
NAME Rodenstock, Inge
ALTERNATIVNAMEN Rodenstock, Inge Lydia (vollständiger Name); Haux, Inge (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Kunstsammlerin und Kunstpublizistin
GEBURTSDATUM 1936
GEBURTSORT Tübingen
STERBEDATUM 2023
STERBEORT Grünwald