
Das Ingeborg Bachmann Haus in der Henselstraße 26 in Klagenfurt ist das Elternhaus von Ingeborg Bachmann. Umgebaut ist es seit 2025 ein Museum, das der Herkunft der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gewidmet ist. Das Haus ist nicht nur ein biographischer Ort, sondern spielt auch in Bachmanns Literatur eine Rolle.
1933 zog die Familie Bachmann mit den Kindern von der Durchlaßstraße in das zweistöckige Reihenhaus in der kleinen Siedlung am Fuße des Kreuzbergls, dem Klagenfurter Hausberg. Die Siedlung wurde zwischen 1927 und 1930 nach dem Vorbild einer sozialreformerischen Gartenbewegung aus Großbritannien als sogenannte Papagenosiedlung gebaut, gedacht für Beamte und Angestellte. Von der Henselstraße aus ist man in wenigen Schritten in der Natur, aber auch das Stadtzentrum ist in Fußnähe. Heinz Bachmann, Ingeborgs jüngerer Bruder, schildert den Hauskauf in den Erinnerungen an seine Schwester so:
„1933 kam unser Vater eines Tages vom Unterricht nach Hause und legte unserer Mutter den Schlüssel des Hauses in der Henselstraße 26 auf den Tisch. Sie hatte von seinen Bemühungen, ein Haus zu kaufen, nichts gewusst. Ein Haus mit Garten und in einer schönen Gegend nahe am Wald. Mit dem Umzug veränderte sich das Leben der Familie vollkommen. Meine Schwester Isolde beschreibt die Freude als »wir alle tanzten wie verrückt, auch unser Vater, der sonst eher ernst war«.“
Vom Haus aus war es auch nicht weit in die Westschule, heute Volksschule am Kreuzbergl, und später ins Bischöfliche Gymnasium St. Ursula in der Ursulinengasse 1. In den letzten Kriegsmonaten, als der Vater an der Front war und Mutter und Geschwister sich bei Verwandten im Gailtal in Sicherheit brachten, blieb Ingeborg Bachmann alleine im Haus zurück, um ihren Schulabschluss machen zu können. Heinz Bachmann äußerte später: „Wie Ingeborg diese dauernde Bedrohung durch Bombenangriffe fast eineinhalb Jahre alleine im Haus ertragen hat, ist schwer nachzuvollziehen.“ „Im Garten des Hauses Henselstraße 26 liest sie, den Tod vor Augen, Rilkes Stundenbuch und Baudelaires Les Fleurs du Mal“ schreibt Hans Höller im Nachwort zu Ingeborg Bachmanns Kriegstagebuch. Die 18-jährige Ingeborg Bachmann berichtet dort, dass in der ganzen Straße außer ihr nun niemand mehr sei:
„Ich habe einen Sessel in den Garten gestellt und lese. Ich habe mir fest vorgenommen, weiterzulesen, wenn die Bomben kommen. (...) Gestern ist das grösste Geschwader gekommen, das je da war. Das erste ist weiter geflogen, das zweite hat abgeworfen. Das Dröhnen war so gewaltig, dass mir der Atem stehen geblieben ist, und dann bin ich doch in den Keller gegangen, was ja lächerlich ist in unserem Häuserl, weil es nicht einmal eine kleine Bombe aushalten würde, geschweige denn eine 100 kg Bombe.“
Nach dem Krieg verlässt Ingeborg Bachmann ihr Elternhaus und geht zum Studium nach Wien. Aber zeitlebens kommt sie gerne zurück. Einem dieser Besuche ist die Erzählung Drei Wege zum See gewidmet, es beschreibt das Elternhaus, auch wenn hier die Protagonistin Elisabeth heißt:
„Sie fing zwar nun an, ihre Koffer aufzumachen und hin und her zu gehen zwischen ihrem alten Zimmer und dem Bad im ersten Stock, und doch veränderte das sich schon bei diesen Hantierungen, es belebte sich, denn ein »Kind« war zurückgekommen, daran änderte auch nichts, dass kein Kind mehr herumlief im Haus, sondern eine Frau, die sich wie ein Zwitter aus Gast und Mitbesitzerin fühlte.“

Nach Ingeborg Bachmanns Tod 1973 in Rom musste die Familie die Mietwohnung in der Via Julia schnell räumen. Die persönlichen Dinge wie Möbel, Bibliothek, Andenken und vieles mehr landeten schließlich in dem inzwischen weitgehend unbewohnten Haus in der Henselstraße, wo sie bis 2021 einen Dornröschenschlaf führten. Danach wurde das Anwesen an die Stadt Klagenfurt verkauft, die es für 1,5 Millionen Euro sanierte und so umbaute, dass es als Museum nutzbar wurde. Als Kuratorin wurde Katharina Herzmansky berufen. Die größte bauliche Veränderung ist ein Anbau auf der Hinterseite des Hauses, der jetzt als Besuchereingang mit Ticketverkauf dient. Die mehr als 4000 Bücher umfassende Bibliothek wurde der Universität Klagenfurt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Ingeborg Bachmann Haus wurde am 27. Juni 2025 in Anwesenheit der Geschwister von Ingeborg Bachmann mit einem großen Straßenfest eingeweiht.

Der 25. Juni 2026, der hundertste Geburtstag der Dichterin, wurde erneut mit einem Straßenfest gefeiert. Heinz Bachmann hielt die Festrede, in der er zum Ausdruck brachte, dass die internationale Aufmerksamkeit, die seine Schwester seit ihrem Tod erhalten habe, alles übertreffe, „was wir als Familie zu hoffen gewagt haben“. Zum gleichen Anlass schenkte Anselm Kiefer dem Ingeborg Bachmann Haus die Skulptur „Die Orden der Nacht“. Der Titel ist ein Zitat aus Bachmanns Gedicht An die Sonne. Die Statue steht nun im Vorgarten des Hauses.
Koordinaten: 46° 37′ 46,1″ N, 14° 17′ 43″ O