Ingeborg Gerda Gabriel (* 24. April 1952 in Wels, Oberösterreich) ist eine österreichische römisch-katholische Theologin und Sozialwissenschaftlerin (Ökonomie, internationale Beziehungen).
Sie hat seit 1997 den Lehrstuhl für Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien inne. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (sozial-)ethische Grundlagen, internationale Ethik mit besonderem Schwerpunkt Menschenrechtsethik, Wirtschaftsethik und Ökologie. Sie ist gegenwärtig Sonderbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Kampf gegen Rassismus, Xenophobie, Intoleranz und Diskriminierung vor allem gegen Christen und Mitglieder anderer Religionen (2017, 2019). Der ökumenische Diskurs spielt für sie eine ebenso große Rolle wie der interreligiöse Dialog, in dem sie seit Jahren aktiv ist.
Ingeborg G. Gabriel wurde in Wels (Oberösterreich) geboren. Sie war Stipendiatin des American Field Service (AFS) in Long Beach, Kalifornien (1968/69). Von 1970 bis 1974 studierte sie Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und schloss das Studium mit dem Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer. soc. oec.) ab. Im Zweitfach hörte sie Philosophie und Germanistik. Von 1974 bis 1976 absolvierte sie das Post-Graduate Studium für Internationale Beziehungen an der Diplomatischen Akademie in Wien und erwarb den Grad eines Masters. 2010 wurde sie in die Hall of Fame der Akademie aufgenommen.
Sie arbeitete in der Folge als internationale Beamtin beim Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in New York (1976/1977), in Katmandu, Nepal (1977/1978) und als Vice-Resident Representative in Ulan Bator, Volksrepublik der Mongolei (1978–1980). Danach studierte sie Theologie in Wien und schloss das Studium mit dem Mag. theol. (1986) und dem Dr. theol. (1989) in alttestamentlicher Bibelwissenschaften bei Professor Braulik ab. Daneben war sie zuerst freie Mitarbeiterin beim ORF (1981/1982) und dann Universitätsassistentin am Institut für Ethik und Sozialwissenschaften (ab 1982). 1995 wurde sie Assistenzprofessorin und Leiterin der Abteilung für Internationale Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
Im Jahre 1997 wurde sie zur Ordentlichen Universitätsprofessorin ernannt. Sie war die erste Frau in der Geschichte der Katholischen-Fakultät der Universität Wien (gegründet 1384), die zum Ordinarius ernannt wurde. Sie hat seither den Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre und Sozialethik inne. In ihrer wissenschaftlichen Forschung und Lehre beschäftigt sie sich einerseits mit Grundlegungsfragen der Sozialethik, anderseits mit Fragen angewandter politischer und Wirtschaftsethik, wobei die ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit ihr ein besonderes Anliegen ist. Im Jahre 2008 verbrachte sie ein Sabbatsemester als Fellow am Institute on Culture Religion and World Affairs (Professor Peter L. Berger) der Boston University.
Ingeborg Gabriel war Präsidentin der Vereinigung für Sozialethik in Mitteleuropa (2011–2019). In dieser Zeit unterrichtete sie und hielt Vorträge in vielen Ländern der Region. Sie initiierte und koordinierte das von der EU finanzierte CEEPUS-Programm „Ethics and Politics in the European Context“, an dem 17 mitteleuropäische Universitäten und Institute mit sozialwissenschaftlichen, sozialethischen und theologischen Fächern beteiligt waren und das zwischen 2012 und 2017 mehr als 400 Studierenden und Lehrenden einen akademischen Austausch ermöglichte.
Ingeborg Gabriel war seit den 1980er Jahren im interreligiösen, speziell im christlich-muslimischen Dialog aktiv. Von 2001 bis 2008 war sie Mitglied des Steering Committee des Vienna Christian-Islamic Round Table (VICIRoTa). Die in diesen Jahren erschienenen Bände zu sozialen Themen im christlich-muslimischen Dialog sind in mehreren Sprachen online abrufbar. Im Jahre 2006 gründete sie (gem. mit Irmgard Marboe) die Vienna Christian-Islamic Summer University, deren Vizedirektorin sie bis 2014 war und an der sie in dieser Zeit unterrichtete. Sie gehörte 2010 bis 2016 dem Board des Dialogue Institute der Temple University (Philadelphia) an und ist Associate Editor des Journal für Ecumenical Studies, Jurymitglied der Stiftung Centesimus Annus-Pro Pontifice und Mitglied von Catholic Theological Ethics in the World Church (CTEWC), des Board des ERC Projects Postsecular Conflicts, des wissenschaftlichen Beirats des Jahrbuchs für christliche Sozialwissenschaften sowie des Wissenschaftlichen Beirat der Edith-Stein-Gesellschaft.
Ingeborg Gabriel hatte eine Vielzahl universitärer Funktionen inne. Sie war Mitglied des Gründungskonvents der Universität Wien; Senatorin der Universität Wien (1997–2006; 2010–2013), und Vizedekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät (2010–2012), sowie lange Jahre Institutsvorstand des Instituts für Sozialethik (1997–2016). Sie ist Leiterin des Fachbereichs Sozialethik und Stv. Institutsvorstand des Instituts für Systematische Theologie und Ethik (seit 2017).
Von außeruniversitären Funktionen seien genannt: Direktorin der „Iustitia et pax“-Kommission der Österreichischen Bischofskonferenz (2008–2016), die sich gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen rund um die Themen Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechten widmet sowie Vizepräsidentin der „Iustitia et pax“ Kommissionen in Europa (2013–2019). Sie ist Vizevorsitzende des Ethikbeirats des Bankhauses Schellhammer & Schattera (Wien).
Ingeborg Gabriel behandelt zudem in zahlreichen medialen Beiträgen in Tages- und Wochenzeitungen sowie für das Fernsehen und Radio aktuelle Fragen der Ethik und Sozialethik für ein breiteres Publikum.
Artikel und Buchbeiträge (in Auswahl ab 1997)
Quelle:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gabriel, Ingeborg |
| ALTERNATIVNAMEN | Gabriel, Ingeborg Gerda (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische römisch-katholische Theologin |
| GEBURTSDATUM | 24. April 1952 |
| GEBURTSORT | Wels, Oberösterreich |