
Die Vorstellung vom Innenweltkosmos, welche auch Innenwelttheorie, Innenweltbild oder Hohlwelttheorie (mehrdeutig, siehe Theorie der hohlen Erde) genannt wird, ist eine Idee, der zufolge die Menschheit in Wahrheit auf der Innenseite einer hohlen Erde mit dem Durchmesser von 12.740 km lebt. Dieses Gedankengebäude überzeugte schon im 19. Jahrhundert, als es aufkam, keinen Wissenschaftler.
Die Planeten, die Sonne und die Sterne befinden sich gemäß dieser Annahme im Inneren dieser Kugel. Der Mond kreist als nächster Himmelskörper ca. 3000 km hoch über der Erdoberfläche mit der größten Bahn um die Innenweltachse der feststehenden Erdschale, dann kommt die Sonne in ca. 4500 km Höhe über der Erdoberfläche.
Dieses Weltbild wurde erstmals 1870 von dem Amerikaner Cyrus Reed Teed (1839–1908) entwickelt. In Deutschland trat als erster Karl E. Neupert 1901 für diese Idee ein. In den 1930er Jahren wurde die Hohlwelttheorie u. a. von Johannes Lang als „neues Weltbild“ der Öffentlichkeit präsentiert. 1963 bemühte sich der Österreicher Johann Dolanski, diese Interpretation des Kosmos auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen.
Die Innenwelttheorie basiert auf folgenden Axiomen:
Die Auswirkungen dieser Axiome kann der Betrachter innerhalb der Welt jedoch nicht wahrnehmen. Mathematisch können diese Axiome so formuliert werden, dass sie in keinem Punkt dem gängigen Verständnis der Physik widersprechen. Es handelt sich dann rein mathematisch um eine Inversion bezüglich der Erdoberfläche. Die Formeln zur Berechnung von Planetenbahnen werden dabei allerdings kompliziert und wenig anschaulich.
Vergleichbar mit dem geozentrischen Weltbild kommt der Erde eine herausragende Stellung im Universum zu, nur nicht als Zentrum, sondern als Rand. Die Innenwelttheorie und das geozentrische Weltbild verzichten also zugunsten einer speziellen Stellung der Erde, und damit des Menschen, auf eine einfache mathematische Darstellung physikalischer Zusammenhänge.
Rein mathematisch steht die Theorie mit keiner klassischen physikalischen Theorie im Widerspruch, da jedes Koordinatensystem entsprechend umgerechnet werden kann. Allerdings verlieren durch die Innenwelttheorie einige der Prinzipien (Symmetrien), aus denen die Theorie hergeleitet wurde, ihre Gültigkeit.
Einfache mechanische Kriterien ergeben sich zum Beispiel aus der Entstehung der Jahreszeiten oder der Erscheinung der Sternparallaxen: Anstelle einer schrägstehenden Erdachse, die infolge von Trägheitsmomenten ihre Richtung beim Umlauf um die Sonne nicht ändert, müsste in der Innenwelt die Sonne zu verschiedenen Jahreszeiten unterschiedlich geneigten Bahnen folgen. Dafür gäbe es aber keine plausible Ursache, die Trägheitsgesetze müssten vollständig anders formuliert werden.
Was die Sternparallaxen betrifft: Der jährliche Umlauf der Erde (im realen Weltall) um die Sonne spiegelt sich in einer scheinbaren Bewegung näherliegender Sterne vor dem (Galaxien-)Hintergrund wider. In einer Umkehrung des Koordinatensystems würde dies einer realen Bewegung der Sterne im Inneren der Kugel entsprechen, da die Erde selbst in der Innenwelttheorie keiner Bewegung unterliegt. Für derartige Sternbewegungen gäbe es jedoch keine nachvollziehbare Ursache, weder für die jährliche Bewegung der Sterne an sich noch für die dann sehr eigenartige Gesetzmäßigkeit, mit der die Amplitude der Bewegung mit zunehmender Höhe abnimmt.
Darüber hinaus stellen sich Fragen zu den Gründen für die Ellipsoidform der Erdoberfläche oder der Entstehung der Coriolis-Kräfte.
Fundamentaler betrachtet widerspricht die Theorie dem Noether-Theorem, so dass die Erhaltungssätze der Physik wie auch die Annahme Galileis und Newtons, dass die physikalischen Gesetze in allen Punkten des Raums dieselben sind, nicht mehr gelten würden. In der allgemeinen Relativitätstheorie ist es im Allgemeinen nicht möglich, ein das Universum umspannendes Koordinatensystem anzugeben; dies macht auch eine Umformulierung im Sinne der Hohlwelttheorie unmöglich. Um relativistische Effekte zu erklären, sind die obigen Axiome nicht ausreichend, es müssten weitere Regeln eingeführt werden, um die Hohlwelttheorie zu stützen.
Nicht zuletzt lässt die Annahme der Hohlwelttheorie die neue Frage aufkommen, was denn außerhalb der Kugel sei, in der wir uns befinden. Aus den Axiomen und der wissenschaftlichen Erforschung des „Erdinneren“ folgt allerdings, dass sich dort die Erde gegen unendlich erstreckt. Wenn man ein gerades Loch nach außen, vom Weltmittelpunkt fortweisend, bohren würde, würde der Tunnel sich immer weiter ausdehnen, bis er sich im Unendlichen auf die andere Seite der Welt umstülpt und sich dort wieder dem Weltmittelpunkt nähert, bis er die Erdoberfläche durchbricht. Nur der eine unendlich dünne Strahl, der ganz genau vom Weltmittelpunkt fortweist, würde ins Unendliche verschwinden. Dadurch könnte man ein Objekt durch den Tunnel schicken, das dann in endlicher Zeit praktisch vollständig an der gegenüberliegenden Seite der Erde anlangt, was auch der üblichen Welttheorie entspricht. Mit mathematisch ähnlichen Methoden kann man allerdings in jedem beliebigen kugelförmigen Objekt, in jedem Stein und sogar in jedem Atomkern ein unendlich großes Universum postulieren.