Intelligence Studies ist ein interdisziplinäres Studienfach, das die Nachrichtendienste zum Gegenstand hat. Es hat sich aus dem Teilbereich Internationale Beziehungen der Politikwissenschaften entwickelt. Der englische Begriff „Intelligence“, zu dem es keine genaue deutsche Entsprechung gibt, umfasst alle Arten, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln, zu analysieren und zu präsentieren, um politische und militärische Entscheidungsträger zu unterstützen.
Teilgebiete der Intelligence Studies sind unter anderem Informationssammlung und -beschaffung (Intelligence Collection), Auswertung (Intelligence Analysis), Gegenspionage und Spionageabwehr (Counterintelligence), Nachrichtendienst-Geschichte (Intelligence History), Steuerung von Nachrichtendiensten (Intelligence Governance) sowie Aufsicht und Kontrolle der Nachrichtendienste.
Das Center for Intelligence and Security Studies (CISS) ist eine interdisziplinäre, hochschulartenübergreifende Forschungsplattform. Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung verfolgt CISS das Ziel, interdisziplinäre und interfakultäre Lehre und Forschung im Bereich Intelligence and Security Studies unter Beachtung gesetzlicher und betriebswirtschaftlicher Rahmenbedingungen ganzheitlich, integrativ und interdisziplinär zu fördern. CISS möchte zur Beratung von Politikern in Fragen der Sicherheitspolitik und zur weltweiten Vernetzung von Akteuren beitragen sowie eine gemeinsame Plattform bieten.
Forschungsgebiete sind unter anderem Krisenfrüherkennung, Spieltheorie sowie Datenschutz und -sicherheit.
Gründungsdirektoren des CISS (2017–2023) sind Uwe M. Borghoff (Director CISS UniBw M) und Jan-Hendrik Dietrich (Director CISS HS Bund). Aktuell leiten Carlo Masala und Jan-Hendrik Dietrich das CISS wissenschaftlich und vertreten es nach innen und außen.
Der Master of Intelligence and Security Studies (MISS) ist ein universitärer Masterstudiengang für das Nachrichtendienstwesen. Er ist als konsekutiver Präsenzstudiengang mit grundsätzlich zwei Jahren Dauer und dem Erwerb von 120 ECTS-Punkten konzipiert. MISS ist als gemeinsame nachrichtendienstliche und sicherheitsbezogene Hochschulausbildung am Fachbereich Nachrichtendienste der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) und an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) eingerichtet. Der Studienabschluss im Fachgebiet „Intelligence and Security Studies“ wird von beiden Hochschulen gemeinsam vergeben; in der Regel der akademische Grad „Master of Arts“ (M.A.) und nur in der Vertiefungsrichtung Cyber Defence der „Master of Science“ (M.Sc.). Studienorte sind Berlin (Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung, ZNAF), München und Brühl. Neben der Arbeit bei den deutschen Nachrichtendiensten und im Militärischen Nachrichtenwesen der Bundeswehr bietet der Abschluss gute Berufsperspektiven im nationalen und internationalen Sicherheitsumfeld. Der Studiengang wurde erstmals 2019 angeboten. Den Studenten stehen zwanzig Professoren zur Verfügung. Pro Jahr gibt es 70 Studienplätze. Die beiden Direktoren des CISS sind auch die Studiengangsleiter des MISS.
Der Studiengang ist nicht allgemein zugänglich. Er richtet sich an Beschäftigte der Nachrichtendienste des Bundes (Bundesnachrichtendienst (BND), Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), Militärischer Abschirmdienst (MAD)), der Landesbehörden für Verfassungsschutz, der Bundeswehr in einer Verwendung des Militärischen Nachrichtenwesens (MilNW), der Mitarbeiter in Bundesministerien mit Sicherheitsbezug (Bundeskanzleramt, Bundesministerium des Innern (BMI), Auswärtiges Amt (AA), Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)) sowie der Beschäftigten beim Ständigen Bevollmächtigten des PKGr.
Bewerber müssen bereits über einen ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss, über ausreichende englische Sprachkenntnisse (B 2 des CEFR) und über die Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit verfügen.
Der BND bietet ein Stipendium in Höhe von etwa 1.550 Euro monatlich für den Studiengang mit anschließender mindestens dreijähriger Übernahme als Beschäftigter im vergleichbar höheren Dienst.
Der Studiengang startet mit einem sechsmonatigen Propädeutikum mit den mit je 10 ECTS-Punkten bewerteten drei Modulen: Einführung in die Internationalen Beziehungen und Security Studies, Menschenrechte und Sicherheit aus normativer Perspektive und Digitalisierung. Im Propädeutikum soll an die Thematik herangeführt und eine gemeinsame Wissensbasis hergestellt werden. Es richtet sich insbesondere an die Studierenden der Bundeswehr.
Anschließend folgt das Kernstudium I mit dem einmonatigen Modul Theoretische Zugänge und Methoden der Intelligence und Security Studies (7 ECTS-Punkte) und den parallelen viermonaten Modulen Intelligence Governance, Intelligence Collection, Globale Bedrohungen und Herausforderungen sowie Intelligence und Cyber Security (je 5 ECTS-Punkte). Das Kernstudium II besteht aus den vier parallelen Modulen Kommunikation und Führung in Nachrichtendiensten, Intelligence Accountability, Intelligence Analysis und Grundlagen der Extremismusforschung mit je 5 ECTS-Punkten.
In der anschließenden viermonatigen Phase der Studienkonzentration belegen die Studenten eine von fünf Vertiefungsrichtungen, wobei die entsendenden Behörden die Wahl einschränken oder vorgeben können. Die mit je 10 ECTS-Punkten bewerteten Vertiefungsrichtungen sind Cyber Defence (mit den Modulen Cyber Defence I und II in München), Nachrichtendienste und öffentliche Sicherheit (Verfassungsschutz in der wehrhaften Demokratie und Politischer Extremismus in Brühl), Terrorismusbekämpfung (Advanced Intelligence und Terrorismusforschung in Berlin), Regionale Sicherheit (Regionale Sicherheit I, II und III in Berlin) sowie Intelligence Cooperation (Akteure und Praktiken der nachrichtendienstlichen Kooperation im 21. Jahrhundert sowie Geschichte der nachrichtendienstlichen Kooperation seit 1945).
Die letzten fünf Monate des Studiums sind für die Anfertigung der der 25 ECTS-Punkten bewerteten Masterarbeit vorgesehen, die ca. 100 Seiten bzw. 25.000 Wörter umfassen soll.
Für den Studiengang MISS ist ein Beirat eingerichtet. Dieser besteht aus den Präsidentinnen der Universität der Bundeswehr München, Eva-Maria Kern, und der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Sabine Leppek, dem Beauftragten für die Nachrichtendienste des Bundes, Bundesminister Thorsten Frei, den Präsidenten vom Bundesnachrichtendienst, Bruno Kahl, des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen (in Vertretung), und des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst, Martina Rosenberg, jeweils einem Vertreter des Bundeskanzleramtes und der Bundesministerien des Innern und der Verteidigung und externen Beratern.
Vorsitz führt Klaus Ferdinand Gärditz von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Stellvertreter ist der Unterabteilungsleiter Militärstrategie, Einsatz und Operationen I (Militärisches Nachrichtenwesen) im BMVg, Brigadegeneral Oliver Prost.
Externe Berater sind Sönke Neitzel (Universität Potsdam), Philippe Hayez (Institut d’études politiques de Paris), Suzanne Raine (King’s College London) und Nicole Deitelhoff (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main/Peace Research Institute Frankfurt – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung).
Der BND bietet die Laufbahnausbildung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst als Bachelor-Studiengang mit dem Abschluss Bachelor in Intelligence and Security Studies (Bachelor of Arts) an. Bei einer Regelstudienzeit des modularen und dualen Studiengangs von sechs Semestern findet das erste sechsmonatige Semester an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl statt und die weiteren Fachsemester am Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung in Berlin gemeinsam mit Studenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Die insgesamt 18 Monate Praxissemester (Praktika) erfolgten in Berlin und eventuell BND-Außenstellen.
Studieninhalte sind Staatsrecht, Verwaltungsrecht, Beamtenrecht, Strafrecht, Verfassungsrecht, Völkerrecht, Europarecht und Nachrichtendienstrecht, Nachrichtendienstliche Informationsauswertung und Informationsbeschaffung, nachrichtendienstliche Fachthemen wie Observation, Internationale Politik, politische Ideengeschichte, Einsatz wissenschaftlicher Methoden für strategische Analysen, Gewinnung und Bewertung von Informationen in einer datenbasierten Informationslandschaft, Phänomenbereiche und Aufklärungsziele der Nachrichtendienste (wie Terrorismus, hybride Bedrohungen, sicherheitspolitisches und staatliches Handeln im Kontext regionaler Schwerpunkte und Konflikte, krisenhafte Entwicklungen), fremdsprachliche Ausbildung und Grundlagen des Verwaltungshandeln.
Voraussetzungen sind unter anderem die deutsche Staatsangehörigkeit, die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife sowie die Bereitschaft zu einer erweiterten Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen (Ü3) und zu einer amtsärztlichen Untersuchung.
Das Studium wird als Regierungsinspektoranwärter und Beamter auf Widerruf absolviert mit Anwärterbezügen mit Stand 2026 in Höhe von 2031,54 Euro brutto einschließlich Anwärtererhöhungsbetrag. Das Studium schließt mit der Laufbahnprüfung ab, mit der die Laufbahnbefähigung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst erlangt wird, und mit der Übernahme als Beamter auf Probe im Amt eines Regierungsinspektors.
Im Ausland existieren spezielle nachrichtendienstliche Studiengänge, zum Beispiel:
Mit der Disziplin der Intelligence Studies beschäftigen sich wissenschaftliche Fachzeitschriften, zum Beispiel: