Interessenverband

Ein Interessenverband oder Interessenverein ist eine auf Dauer angelegte Personenvereinigung, die den politischen Willensbildungsprozess und das staatliche Handeln beeinflussen will. Interessenverbände versuchen auf die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen. Ihre Tätigkeit bezeichnet man als Lobbyismus.

Im Unterschied zu Parteien nehmen Interessenverbände nicht an allgemeinen Wahlen teil.

Formen

Vereinigungen, die als Interessenverband agieren können, gibt es in fast allen Bereichen der Gesellschaft. Sie können nach ihren Tätigkeitsfeldern in fünf Gruppen eingeteilt werden:

Vereinigungen im Wirtschaftsleben und in der Arbeitswelt

Vereinigungen mit sozialen Zielen

Vereinigungen im Bereich Freizeit und Erholung

Vereinigungen in den Bereichen Kultur und Wissenschaft

Vereinigungen mit ideellen und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen

Möglichkeiten und Adressaten der Einflussnahme

Pötsch unterscheidet fünf Möglichkeiten der Einflussnahme:

Deutschland

Unter den Verbänden gelten in Deutschland über 5000 als solche, die politische Interessen verfolgen. Die Verbände mit bundespolitischen Interessen können sich in die Öffentliche Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern, auch kurz Lobbyliste, eintragen lassen (2241, Stand: 27. März 2015), die beim Präsidenten des Deutschen Bundestages geführt wird. Die Geschäftsordnungen von Bundestag und Bundesregierung sehen die Mitwirkung von Interessenverbänden ausdrücklich vor, Rechte oder Pflichten sind jedoch mit einem Listeneintrag nicht verbunden.

Als bedeutsame Interessenverbände mit einer im Grundgesetz herausgehobener Stellung (Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie) gelten die Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände.

Historisch gesehen gab es im Deutschen Reich nach 1871 die verschiedensten Interessenverbände. Zu den wirtschaftlichen Interessenverbänden gehörte zum Beispiel der Bund der Landwirte.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Eberhard Schütt-Wetschky: Interessenverbände und Staat. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1997, S. 9.
  2. 1 2 Satz nach Eckart Thurich: pocket politik. Demokratie in Deutschland, 2006, Bundeszentrale für politische Bildung, online unter http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=3GVBBT
  3. ↑ Einteilung und Beispiele nach Horst Pötzsch: Die Deutsche Demokratie. 5. Auflage, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 48–52, online unter https://www.bpb.de/themen/BWDJ3P,0,0,Interessenverb%E4nde.html
  4. ↑ Liste nach Horst Pötzsch: Die Deutsche Demokratie. 5. Auflage, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 48–52, online unter https://www.bpb.de/themen/BWDJ3P,0,0,Interessenverb%E4nde.html
  5. 1 2 3 Satz nach Horst Pötzsch: Die Deutsche Demokratie. 5. Auflage, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 48–52, online unter https://www.bpb.de/themen/BWDJ3P,0,0,Interessenverb%E4nde.html.