
Die Inventar-Stele (auch Stele der Tochter des Cheops genannt) ist eine altägyptische verzierte Gedenktafel. Sie wurde in Gizeh (Ägypten) entdeckt. Viele Ägyptologen und Historiker datieren das Artefakt in die Saïtenzeit.
Die Inventar-Stele wurde im Juni 1858 von dem französischen Archäologen Auguste Mariette in Gizeh entdeckt und ins Ägyptische Museum von Kairo gebracht, wo sie im Alten Museum am Tahrir-Platz unter der Inventarnummer Journal d’Entrée (JdE) 2091 aufbewahrt wird. Sie war Bestandteil eines Isis-Tempels, der auf den Resten der Kultkapelle der Königinnenpyramide G I-c gebaut wurde. Mariette vermerkte allerdings nicht, in welcher Position er die Stele vorfand. Es ist möglich, dass sie ursprünglich in eine Wandnische eingebettet war, da ihre Rückseite unbeschriftet und schmucklos ist.

Die Inventar-Stele besteht aus hartem, geglättetem Kalkstein und weist Verwitterungsschäden auf. Sie ist 42 cm breit und 70 cm hoch. 17,5 cm der Höhe entfallen auf den Sockel, der eine Tiefe von 30 cm aufweist. Der obere Teil der Stele ist 10 cm zurückgesetzt und stellt ein umrahmtes Erscheinungsfenster dar.
Sie ist mit einer umfangreichen Gedenk- und Gründungsinschrift versehen, die der Inschrift zufolge von König Cheops verfasst wurde und unter anderem die Göttin Isis preist. Die Inschrift umläuft ober-, links- und rechtsseitig ein sogenanntes Erscheinungsfenster, in welchem 22 Götter abgebildet sind, deren Statuen sich im Tempel befanden. Ferner werden Kronen und ein Kultboot erwähnt. Das Erscheinungsfenster besteht aus vier Registern und enthält eine genaue Beschreibung der Götterstatuen, nebst Farbe, Material- und Größenangaben. Aufgelistet sind Statuen der Götter Min, Upuaut, Harachte, nochmals Upuaut und Thot (1. Register); Isis, Nephthys, nochmals Isis, Hathor und Selket (2. Register); Hor-pa-chered, Harpokrates, Isis, Horus, Isis, Ptah, Sachmet und Osiris (3. Register) und schließlich Apis, Nefertem, Harmachis und Horon (4. Register). Dabei ist auffällig, wie oft Isis unter verschiedenen Erscheinungsformen auftritt.
Der Gründungsinschrift zufolge, welche das Erscheinungsfenster umrahmt, soll der Isistempel bereits vor der Errichtung der Pyramiden bestanden haben. Die Inschrift beschreibt, wie Pharao Cheops den Tempel der Isis neben dem Tempel der Sphinx in Ruinen vorfand und restaurieren ließ. Danach habe er seine Pyramide neben dem Tempel bauen lassen und im Abschluss der Königstochter Henutsen eine eigene Pyramide gewidmet.
Einige Ägyptologen und Historiker vermuten in der Inventar-Stele eine Fälschung aus der Saïtenzeit. Zunächst wurde die Stele wegen der Erwähnung des Pharaos Cheops noch ins Alte Reich datiert, nach näherer Betrachtung des Textes aber in die 26. Dynastie. Die Zweifel an dessen hohem Alter gründen vorrangig auf Anachronismen und Schreibweisen, die für die Spätzeit charakteristisch sind. Als Nächstes wird eine „Königstochter“ namens Henutsen erwähnt. Zwar ist eine Frau dieses Namens archäologisch nachgewiesen, doch ist unbekannt, wer ihre Eltern waren und es liegt keinerlei Beweis vor, dass sie die Tochter eines Pharaos war. Des Weiteren wird auf der Inventar-Stele die Göttin Isis als „Herrin der Pyramide“ betitelt. Doch taucht der Name der Göttin erst nach Cheops, unter der Herrschaft von König Niuserre (5. Dynastie) in dessen Sonnenheiligtum, auf.
Der ägyptische Ägyptologe Selim Hassan vermutete, dass der Titel „Herrin der Pyramide“ für die Göttin Isis möglicherweise auf einen Irrtum seitens der Priesterschaft gründete, die den Isis-Tempel unterhielten. Auslöser war der Name von Henutsen: ihr Namensteil „Henut“ (Ḥnw.t) bedeutet übersetzt „Herrin“. Und da der Totentempel von Henutsen den Kern des neuen Isis-Tempels bildete, verknüpften die Priester fälschlicherweise die Prinzessin und ihre Pyramide später mit Isis. Dieses Argument überzeugt aber nicht alle: Die Erklärung Selim Hassans für den Namen „Herrin der Pyramide“ ist gemäß der deutschen Ägyptologin Maria Münster „nicht haltbar“.
Der Beiname „Herrin der Pyramide“ der Isis ist mehrfach nachgewiesen. Er erscheint mindestens seit der Zeit von König Psusennes I. (21. Dynastie), zumeist im Titel „Priester der Isis, Herrin der Pyramide(n)“. Dieses Amt war nachweislich mindestens sechs Generationen lang in der Familie weitergegeben worden, in der Zeit von Psammetich I. bis Dareios I. oder noch später. Dabei stammen praktisch alle Belege aus Gizeh; es gibt keine weiteren Zeugnisse aus anderen Orten.
Die Bewertung als „Fälschung“ wird inzwischen differenzierter gesehen. Die französische Ägyptologin Christiane Zivie-Coche führt aus, dass man das Artefakt disqualifiziert habe „als offensichtliche Nachahmung, mit der die historische Realität verfälscht und die potentiellen Leser bewusst getäuscht werden sollten“. Sie erwähnt ähnliche Beispiele aus der Zeit, wie die Hungersnotstele in Sehel und andere und fährt dann fort:
„Bezeichnet man solche Stücke jedoch als Fälschungen oder Betrug, stülpt man unsere modernen Vorstellungen einem ganz anderen historischen Kontext über. Auch die Ägypter besaßen Geschichtssinn, der jedoch von unserem völlig abwich. Die Nennung des Cheops auf diesem Denkmal heißt nicht, dass die Ägypter es ihm zuschreiben wollten, sondern diente dessen Angedenken und hielt die Erinnerung an ihn wach, und zwar an der Stelle, wo er selbst seinen Grabkomplex hatte bauen lassen.“
Die Stele wurde nach Meinung von Ägyptologen von den ortsansässigen Priestern des Isistempels angefertigt, vielleicht war sie sogar „ein königliches Denkmal“ von Psammetich I. oder II.: „Sie überliefert die Wiedereinführung des Kultes der „Isis, Herrin der Pyramide“, der seit der XVIII. Dynastie greifbar und in der XXI. Dynastie sicher belegt ist, und dessen Uranfänge auf Ḫwfw zurückgeführt werden.“ Das Motiv war die „bewußte Rückwendung zur Vergangenheit“, die als Erscheinung der Spätzeit in der Ägyptologie unter dem Stichwort „Archaismus“ diskutiert und beschrieben wird.
Der Ägyptologe Díaz Hernández interpretiert die Stele als Exetasmos, ein Inventar, dass die Priester anlässlich eines besonderen Ereignisses verfassten. Es beschrieb die kostbarsten Besitztümer des Tempels und sollte sie der Nachwelt überliefern. Solche Verzeichnisse wurden beim Bau oder der Rekonstruktion eines Tempels angefertigt.
In den Pseudowissenschaften, speziell in der Ufologie und Prä-Astronautik, wird die Inventar-Stele regelmäßig als Indiz oder Beweis für die Theorie herangezogen, dass die Sphinx von Gizeh und die Cheops-Pyramide viel älter seien als Ägyptologen und Historiker wahrhaben wollten. Die Stele beweise, dass Cheops die Sphinx und die Pyramide lediglich habe freilegen lassen, um Letztere als Grab oder Kenotaph zu beanspruchen. Die archäologischen wie ägyptologischen Auswertungen werden dabei ignoriert. Colin D. Reader hält die Angaben der Stele für zuverlässig und zweifelt daher die Zuordnung der Sphinx an Cheops an.